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02.01.2026
15:25 Uhr
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Anders als US-Präsident Donald Trump schweigt Premier Netanjahu bisher zu den Protesten in Iran. Doch mehrere seiner Minister und Teile der Opposition fordern öffentlich den Sturz des Mullah-Regimes.

Israels Premier Benjamin Netanjahu (2. v. li.) und seine Frau Sara (li.) feierten den Jahreswechsel in Florida mit US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania. (Foto: Prime Minister's Spokesperson's Office)
Benjamin Netanjahu verbrachte die ersten Tage des neuen Jahres nicht in Israel, sondern in Florida. Stolz ließ der Ministerpräsident Bilder in den sozialen Netzwerken verbreiten, die ihn und seine Frau Sara mit US-Präsident Donald Trump und dessen Gattin Melania auf der Silvester-Gala in Mar-a-Lago zeigten. Die Fotos wurden auch per Pressemitteilung verschickt, versehen mit dem Hinweis, dass Netanjahu „als einziger ausländischer Regierungschef zu der Veranstaltung“ eingeladen worden sei. Erst am Freitagmittag landete er wieder in Israel.
Für den 76-Jährigen hat der Gala-Termin zwei Vorteile: Das Publikum in Florida ist ihm wohlgesinnter als in der Heimat, wo laut Umfragen nur 37 Prozent der Wähler seiner Regierung vertrauen. Und durch den mehrtägigen Aufenthalt, der auf sein offizielles Treffen mit dem US-Präsidenten Ende Dezember folgt, festigt er die Beziehung zum wichtigsten Verbündeten. Netanjahu hofft auf Trumps Unterstützung in seinem Bestreben, den seit Jahren laufenden Korruptionsprozess durch eine Begnadigung von Israels Präsident Isaac Herzog zu beenden. Die Argumente dafür sind zwar nach Meinung vieler Experten juristisch fragwürdig, aber vor der 2026 anstehenden Parlamentswahl wäre ein Ende des Prozesses für Netanjahu politisch hilfreich. Und auch in der als existenziell wahrgenommenen Konfrontation mit Iran benötigt Israel die USA.
Zu den seit mehreren Tagen andauernden Massendemonstrationen in Iran hat sich Netanjahu bislang nicht geäußert – anders als Trump, der dem Regime in Teheran auf Truth Social mit dem Eingreifen der USA drohte, wenn diese die Proteste mit Gewalt beenden würden. Es ist aber davon auszugehen, dass Netanjahu und seine Regierung Trumps Botschaft gutheißen. Sie verfolgen die Proteste in Iran sehr genau und dürften auf einen Erfolg der Gegner des Obersten Führers Ayatollah Chamenei hoffen. Explizit wendete sich der rechtsextreme Polizeiminister Itamar Ben-Gvir an das iranische Volk: Dieses „verdiene ein freies Leben, befreit vom Killerdiktator Chamenei. Wir stehen an eurer Seite“.
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Noch vor dem Jahreswechsel hatte mit Naftali Bennett einer der prominentesten Oppositionspolitiker die Iraner aufgefordert, sich gegen das Regime „zu erheben“. Dies zeigt: Die Ablehnung der Mullahs ist eines der wenigen Themen, über die in der polarisierten israelischen Innenpolitik Konsens herrscht. Wie die Times of Israel meldete, verbreitete auch ein in der iranischen Landessprache Farsi gehaltener Social-Media-Account des israelischen Außenministeriums aufmunternde Botschaften in Richtung der Demonstranten: „Das Licht triumphiert über die Dunkelheit.“
Eindeutig positionierten sich auch weitere Mitglieder aus Netanjahus Kabinett. Wissenschaftsministerin Gila Gamliel sagte in den sozialen Netzwerken das Ende des Regimes voraus und posierte mit einer „Make Iran Great Again“-Kappe. Der für Diaspora-Angelegenheiten zuständige Minister Amichai Chikli erklärte öffentlich: „Ich stehe auf der Seite des iranischen Volks.“
Einem Bericht der Zeitung Ma’ariv zufolge wurden bereits Ende 2025 der Auslandsgeheimdienst Mossad, der Militärgeheimdienst, die israelische Luftwaffe und vor allem deren auf Flugabwehr spezialisierte Einheiten in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Alle seien angewiesen worden, die Proteste intensiv zu beobachten. Iran und Israel betrachten sich gegenseitig als Erzfeinde, weshalb die Entwicklungen innerhalb Irans stets genauestens analysiert werden – das betrifft Wirtschaft, gesellschaftliche Trends, politische Debatten und natürlich militärische Aktivitäten.
Laut Ma’ariv geht das israelische Sicherheitsestablishment nicht davon aus, dass Irans Regime wegen seiner aktuellen Schwäche einen Krieg führen wolle. Weil jedoch nicht auszuschließen sei, dass Iran aus einem „Akt der Verzweiflung“ überraschend einen Angriff gegen Israel beginne, wurde die Alarmbereitschaft erhöht.
Am Freitag griff das israelische Militär mehrere Einrichtungen der Hisbollah im Nachbarland Libanon an. Die Schiiten-Miliz wird von Iran mit Geld und Waffen unterstützt und bedrohte Israel jahrelang von Norden aus mit einem großen Raketenarsenal. Dieses wurde jedoch durch die Militäroffensiven nach dem brutalen Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 mittlerweile dezimiert – und Israels Armee tut alles, um eine Aufrüstung der Miliz zu verhindern.
Die desolate Wirtschaftslage treibt iranische Bürger auf die Straßen, der Mittelstand ist in Aufruhr. Das bedroht die Herrschaft der Mullahs mehr als frühere Demonstrationen. Dazu kommt die Drohung der USA und Israels, militärisch zuzuschlagen.
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