Wenn ich diese Kolumne nicht schreiben müsste, ich würde stumm bleiben und mich stattdessen weiter den ganzen Tag und die halbe Nacht durch die sozialen Medien klicken, durch den nicht endenden Strom an Schlagzeilen, Tweets, Solidaritätsbekundungen, ich würde weiter Handyvideos und Sprachnachrichten aus und über Iran aufsaugen wie eine Süchtige; zu Beginn der Proteste hoffnungsvoll, ja euphorisch, nun immer häufiger schockiert, entsetzt, aber immer unbefriedigt; wann, endlich, passiert etwas? Wann, endlich, kippt etwas, bricht etwas, wann, endlich, reißt etwas auf und ein Lichtstrahl fällt hinein in diese Düsternis? Manchmal nahm die Verzweiflung in den vergangenen Wochen dermaßen Überhand, dass ich mir wünschte, es passierte so etwas wie ein Eingriff von außen, ein Ali Chamenei, Oberster Führer, in einem Erdloch oder in Handschellen und Jogginganzug. Hauptsache, das Blutvergießen endet, Hauptsache, es werden nicht immer noch mehr Mütter und Väter die Leichenhallen nach ihren Kindern absuchen müssen.
