SZ 10.02.2026
17:42 Uhr

(+) Protest auf Theresienwiese: Kommen wirklich 100 000 Menschen zur Iran-Demo nach München?


Die Veranstalter erwarten Teilnehmer aus ganz Europa auf der Theresienwiese, um gegen das Mullah-Regime zu demonstrieren – sogar aus Norwegen sollen Reisebusse anfahren. Womöglich tritt auch ein prominenter, aber umstrittener Redner auf.

(+) Protest auf Theresienwiese: Kommen wirklich 100 000 Menschen zur Iran-Demo nach München?

Ali Shahian telefoniert dieser Tage regelmäßig mit Verwandten und Bekannten in Iran, erhält Nachrichten aus dem Land und durchforstet die sozialen Medien nach Neuigkeiten. Was er dort zu hören und sehen bekommt, gebe ein „schreckliches Bild“ wieder, sagt das Vorstandsmitglied des Vereins Munich Circle. „Es hat sich eine Grundtrauer auf die Herzen der Leute gelegt.“ Zudem herrsche ein „Klima der Angst“ nach den blutig niedergeschlagenen Protesten gegen das Mullah-Regime. „Es ist unmenschlich, was da passiert“, sagt Ali Shahian. Auf dieses Unrecht und auf das Leid der Bevölkerung wollen er und sein Verein aufmerksam machen – und nicht nur sie.

So hat Munich Circle für diesen Samstag zu einer Demonstration auf der Theresienwiese aufgerufen, die laut dem Vorsitzenden Farhid Habibi „die größte Kundgebung der iranischen Diaspora seit 47 Jahren“ werden soll. Man rechne mit 100 000 Menschen, vielleicht sogar noch mehr. „Wir erwarten iranischstämmige Menschen aus ganz Europa“, sagt Farhid Habibi. Bis hinauf aus Norwegen hätten sich etliche Reisebusse angekündigt. Das Gros der Teilnehmenden werde aber aus Deutschland kommen, schätzt der Vereinschef. „Es gibt große iranische Communitys in Hamburg, Berlin und Köln. Allein aus diesen Städten werden Dutzende Reisebusse kommen.“ Wobei Habibi nicht nur mit vielen der circa 300 000 iranischstämmigen Menschen hierzulande rechnet. „Wir erwarten natürlich auch deutsche Besucher, die unser Anliegen unterstützen.“

Wie realistisch seine Prognose von mindestens 100 000 Teilnehmenden ist, bleibt abzuwarten. Bei einer Kundgebung gegen das iranische Mullah-Regime am vergangenen Wochenende in Berlin jedenfalls zählte die Polizei etwa 10 000 Menschen. Und anders als dort ist die Demonstration, die Munich Circle angemeldet hat und federführend organisiert, Teil des weltweiten Aktionstags „Global Day of Action“. Aufgerufen hierzu hat Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 gestürzten Schahs in Iran. Er ist für zahlreiche Oppositionelle in dem Land ein Hoffnungsträger, wird aber vielfach auch kritisch beäugt. So lehnen insbesondere linke und republikanische Kräfte eine Wiedereinführung der Monarchie ab und werfen dem Kronprinzen das Erbe seines Vaters vor, dessen Herrschaft durch Menschenrechtsverletzungen geprägt war. Bei der jüngsten Kundgebung in Berlin etwa richtete sich der Protest auch gegen eine Rückkehr der Schah-Familie.

Auf der Theresienwiese hingegen dürfte Reza Pahlavi gefeiert werden. Inwiefern der in den USA im Exil lebende 65-Jährige dort auftreten und eine Rede halten wird, sei noch offen, sagt Farhid Habibi. Die Chancen stehen aber nicht schlecht, schließlich wird Reza Pahlavi am Wochenende bei der Münchner Sicherheitskonferenz erwartet. Seine Teilnahme an dem Treffen von Spitzenpolitikerinnen und Sicherheitsexperten im Hotel Bayerischer Hof habe man in Abstimmung mit dem Büro des Schahs zum Anlass für die Großkundgebung genommen, sagt Farhid Habibi. Sein Verein Munich Circle hat bereits vergangenes Jahr zwei Veranstaltungen mit Reza Pahlavi organisiert: zum einen während der jüngsten Sicherheitskonferenz im Februar, zum anderen im Sommer, als 600 iranische Oppositionelle zu einem Kongress in Unterschleißheim zusammenkamen.

Nun folgt am Samstag um 13 Uhr also eine Kundgebung auf dem südlichen Teil der Theresienwiese, wo laut Habibi eine große Bühne samt Bildschirmen aufgebaut werden soll. Wer dort die Reden halten wird, will der Vereinsvorsitzende nicht preisgeben – „aus Sicherheitsgründen“, wie er sagt. In jedem Fall werde es mehrere Ansprachen sowie Auftritte iranischer Musiker geben. Zudem würden Videos abgespielt, die zeigten, was in Iran gerade passiere.

Genau darauf solle die Kundgebung aufmerksam machen, hofft Farhid Habibi. „Wir wollen unsere Solidarität zeigen mit den Opfern des brutalen Mullah-Regimes.“ Überdies werde man konkrete Forderungen an die Politik richten. Unter anderem geht es dabei um die Einstufung der Revolutionsgarden als Terrororganisation, einen Stopp der Atomverhandlungen mit Iran und eine Schließung der Botschaften hierzulande. „Wir fordern einen Wandel in der Iran-Politik Deutschlands und Europas“, sagt Farhid Habibi. „Mit Despoten, die die eigene Bevölkerung abschlachten, darf man keine Verhandlungen führen.“

Derweil hofft Ali Shahian, dass der weltweite „Global Day of Action“ – neben der Veranstaltung in München sind Kundgebungen in Los Angeles und Toronto anberaumt – auch von den Regimegegnern in seinem Heimatland gehört wird, aus dem ihm zuletzt so furchtbare Nachrichten erreicht haben. „Wir wollen ein Signal aussenden und denjenigen eine Stimme geben, die im Iran gerade zum Schweigen gebracht werden“, sagt Ali Shahian. „Es geht darum, dass wir ihre Botschaft in die Welt hinaustragen.“

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