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06.12.2025
11:05 Uhr
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Die internationale Presse zeigt sich entsetzt über die Show der Fifa und des US-Präsidenten bei der WM-Auslosung. Die Reaktionen in der Übersicht.

The Mirror: „Es war ein widerwärtiges Theaterstück. Hier ging es nicht um Fußball, Einheit oder die Kraft des Sports, Gräben zu überwinden. Es ging um Ego, Macht und gegenseitige Gefälligkeiten zwischen zwei Männern, die die Welt – und den Sport – als Bühne für ihre eigenen Ambitionen betrachten. In diesem Moment, im Scheinwerferlicht und inmitten des inszenierten Applauses, wurde das schöne Spiel hässlich. Und es sind die Fußballfans weltweit, die hilflos zusehen müssen, wie die Seele des Sports gegen Spektakel eingetauscht wird.“
The Telegraph: „Gianni Infantinos erniedrigendes Verhalten vor Donald Trump ist ein neuer Tiefpunkt. Der Fifa-Präsident hat in der Vergangenheit zwar schon so manchen Unsinn im Namen der Redekunst von sich gegeben, aber das hier war etwas ganz anderes.“
The Guardian: „Es war ungefähr so spannend wie das Lesen eines Wörterbuchs oder das Verfolgen der Wahlergebnisse aus Nordkorea. Immerhin gewann Donald Trump den ersten Fifa-Friedenspreis bei einer kitschigen und protzigen WM-Auslosung, die ganz im Zeichen des wohl wertvollsten Egos der Welt stand.“
Italien
La Gazzetta dello Sport: „Infantino, Trump und die gesamte Fifa-Crew losten nach über anderthalb Stunden selbstverliebter, barocker und politisch fragwürdiger Inszenierung endlich bis zum Abendessen die zwölf Gruppen aus. Der Friedenspreis für Trump, ein persönliches Geschenk, ist weniger akzeptabel. Und es ist schlichtweg inakzeptabel, dass zwölf Minuten Sendezeit für einen politischen Werbespot verschwendet werden, der die Qualitäten des US-Präsidenten preist. So etwas geht nicht. Sollte Fußball nicht für alle da sein? Das hier wirkt wie der Fußball einer herrschenden Elite.“
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Spanien
Marca: Der US-Präsident war der unbestrittene Star der Auslosung. Er wirkte wie ein Baby bei einer Taufe, eine Frau bei einer Hochzeit und ein Toter bei einer Beerdigung. Er nahm eine Auszeichnung entgegen, hielt eine Rede und zog die Kugeln. Es ist „seine“ Weltmeisterschaft. (...) 48 Mannschaften nehmen teil, was eine Debatte darüber auslöst, ob das zu viele sind. Sollte die Weltmeisterschaft für alle zugänglich sein? Unbedingt. Ist es einer Mannschaft wie Curaçao unwürdig, 0:10 gegen Deutschland zu verlieren? Auch hier gilt: Ja.“
El País: „Die Vereinigten Staaten mögen sich zwar nicht mit Fußball auskennen (ihre Nationalmannschaft gehört nicht zu den Favoriten), aber sie kennen sich mit Showbusiness aus. Ein Geschäft, in dem sich Donald Trump wie ein Fisch im Wasser bewegt.“
El Mundo: „Trump, Trump und nur Trump. Der Protagonist der WM-Auslosung am Freitag in Washington war weder der Fußball noch die Todesgruppe, sondern der Präsident der Vereinigten Staaten. Persönlichkeiten wie ihn bezeichnet man in diesem Land als „larger-than-life“, größer als das Leben, und die Inszenierung rund um seine Person und seine Obsessionen hat deutlich gemacht, dass die kommenden Monate ganz von seiner Präsenz geprägt sein werden.“
Frankreich
Le Monde: „Von allen Staatschefs, die sich in diesem Jahr bei Donald Trump einschmeicheln wollten, hat Gianni Infantino die Messlatte am höchsten gelegt. Der Preis scheint wie geschaffen für den Bewohner des Weißen Hauses, der verärgert darüber war, im Oktober den Friedensnobelpreis nicht erhalten zu haben. Donald Trump rühmt sich regelmäßig damit, seit seiner Rückkehr an die Macht im Januar acht Kriege beendet zu haben. Diese Behauptung ist stark übertrieben.“
Österreich
Der Standard: „Infantino hat es wirklich getan: WM-Auslosung wurde zur Polit-Farce samt ‚Friedenspreis‘ für Trump. Der Fifa-Präsident kostete das Rampenlicht ausgiebig aus und betätigte sich als Showmaster, auch der US-Präsident bekam mehrere große Auftritte.“
Schweiz
Blick: „Herzlichen Glückwunsch. Nicht an US-Präsident Donald Trump für den erhaltenen Fifa-Friedenspreis, sondern an den Weltfußballverband, der sich mit dieser Vergabe komplett entlarvt. Ein Manöver, das derart durchschaubar ist, dass Fifa-Präsident Gianni Infantino eigentlich rot anlaufen müsste. Denn der Walliser weiß natürlich auch: Frieden entsteht nicht dadurch, dass man den lautesten Mann im Raum feiert. Sondern indem man den Mut hat, für Werte und Prinzipien einzustehen. (...) Diese Ehrung ist kein Friedensakt. Sie ist ein Deal. Eine Gegenleistung für politische Rückendeckung.“
Basler Zeitung: „Donald Trump hätte so gerne den Friedensnobelpreis verliehen bekommen. Immerhin hat der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ja so ziemlich alle Unruhen dieser Welt im Alleingang befriedet. Zumindest nach eigenem Empfinden. (...) Mit dem Nobelpreis ist es trotzdem nichts geworden für Trump. Dafür hat er jetzt etwas noch Größeres erhalten: Den ‚Peace Prize‘ der Fifa, den er am Freitag von seinem guten Freund Gianni Infantino überreicht bekommen hat. Für Trump gab es eine Medaille, die er sich auf der Stelle um den Hals hängte. Ein Zertifikat, damit es auch wirklich jeder versteht: Ja, die Fifa verteilt tatsächlich Friedenspreise. Und einen goldenen Pokal, der größer ist als die Trophäe, den der neue Weltmeister im Juli erhalten wird.“
USA
New York Post: „Ein surreales Spektakel im Kennedy Center, das von peinlich bis bizarr reichte und bei dem Präsident Donald Trump mit den Ticketverkäufen der Fifa prahlte, sagte, die Amerikaner sollten Fußball ‚Football‘ nennen, und über Pelé meinte: ‚Ich nehme an, er ist einer der Größten.‘“USA Today: „Präsident Donald Trump sollte seinen Fifa-Friedenspreis genießen, denn es ist der einzige, den er jemals bekommen wird. Wie erwartet, erhielt Trump die von der Fifa ausgedachte, völlig wertlose Auszeichnung, die einzig und allein dazu diente, das beträchtliche Ego des Präsidenten zu streicheln. Er bekam eine protzige, goldene Trophäe – passend zum Oval Office! –, eine Medaille, die er sich sofort umlegte, und eine Urkunde zur Erinnerung an dieses peinliche, äh, denkwürdige Ereignis.“
Kanada
The Globe and Mail: „Wenn der US-Präsident Fußball für seine Zwecke nutzt, spielt der Fifa-Präsident normalerweise mit. Bei der WM-Auslosung setzt sich das Werben fort.“
Ecuador
El Telégrafo: „Es wird eine Vorrunde mit großen Herausforderungen: ein historischer Rivale des Weltfußballs, der amtierende Afrikameister und eine Überraschungsmannschaft dieser Weltmeisterschaft. Vor diesem Hintergrund steht die Tricolor vor einem Spielplan, der Tradition, körperliche Stärke, Schnelligkeit und klar definierte taktische Systeme vereint – Elemente, die die Nationalmannschaft vom ersten Spiel an auf die Probe stellen werden. (...) Deutschland geht mit derselben Mischung aus Ordnung, Kraft und taktischer Disziplin in die Weltmeisterschaft, die es zu einer der gefürchtetsten Mannschaften der Welt gemacht hat. Seine Geschichte ist beeindruckend, es hat vier Weltmeistertitel gewonnen.“
Fifa-Präsident Gianni Infantino überreicht Donald Trump unter Lobpreisungen einen riesigen Goldpokal, den „Fifa-Friedenspreis“. Die WM-Auslosung wird zu einer bizarren Show für den US-Präsidenten.
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