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01.12.2025
13:35 Uhr
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Tottenham besiegt, die Bayern bezwungen und doch ein schmerzliches Gefühl: Der FC Arsenal erlebt ein teils rücksichtslos geführtes Derby gegen Chelsea, in dem die Gunners eine treffliche Gelegenheit ungenutzt lassen.

„Timbeeeeer – geh aus dem Weg!“, rief Daniel Sturridge im Sky-Studio. Das hätte seiner Meinung nach Arsenals Angreifer Viktor Gyökeres in der letzten Aktion des Spitzenspiels beim Londoner Erzrivalen Chelsea auch rufen sollen. Doch der Schwede sagte offenbar nichts zu seinem direkt vor ihm postierten Mitspieler Jurriën Timber. Dabei befand sich Gyökeres bei der hohen Flanke von der linken Seite in der besseren Position im Strafraum. Der Stürmer führte zwar die technisch korrekte Kopfballbewegung für das mögliche Siegtor in der vierten Minute der Nachspielzeit aus – nur ohne den Ball zu treffen. Denn Timber, der gerade erst gegen den FC Bayern getroffen hatte, verlängerte den Ball minimal mit dem Scheitel über Gyökeres hinweg.
Dieses Missverständnis führte dazu, dass die Partie zwischen Chelsea und Arsenal am Sonntagabend an der Stamford Bridge 1:1 endete, wie schon im Vorjahr. Auch damals hatte Arsenal kurz vor dem Abpfiff auf unglückliche Weise die Chance auf drei Punkte vergeben, als Leandro Trossard den Ball mit der Fußspitze so abfälschte, dass der hinter ihm einschussbereite Kai Havertz danebengrätschte. Frustriert warf sich Trainer Mikel Arteta seinerzeit auf den Boden und schlug mit der Hand auf den Rasen – diesmal hielt er die Arme konsterniert an den Hinterkopf und verzog das Gesicht.
Taktische Flexibilität, perfektionierte Standards – und Declan Rice: Gegen den FC Bayern wird deutlich, warum der FC Arsenal in dieser Saison national und international ein Titelfavorit ist.
Durch den verpassten Sieg vermasselte der FC Arsenal gewissermaßen die Zugabe nach den vergangenen Erfolgen über Tottenham und Bayern und ließ die Gelegenheit ungenutzt davonzuziehen. Der Abstand zum FC Chelsea bleibt in der Tabelle bei sechs Punkten, der neue Zweite Manchester City ist auf fünf Punkte herangerückt. Angesichts der Gegner sei es eine „sehr positive Woche“ gewesen, resümierte Arteta. Trotzdem habe er das schmerzliche Gefühl, dass „wir heute hätten gewinnen sollen und können, dies aber nicht geschafft haben“. Dabei zielte der Coach darauf ab, dass seine Elf ab Minute 38 in Überzahl agierte. Chelseas Moisés Caicedo hatte nach einem gefährlichen Tritt auf das Sprunggelenk von Mikel Merino nach Eingriff des Videoschiedsrichters die rote Karte erhalten – ursprünglich hatte Referee Anthony Taylor nur Gelb gezeigt. Mehr als der Ausgleich durch Merino (59.) gelang Arsenal allerdings nicht. Elf Minuten zuvor war Trevoh Chalobah mit dem siebten Eckentor für Chelsea das 1:0 gelungen. Nur Arsenal ist in dieser Hinsicht noch besser.
Ein Platzverweis hatte sich in der von beiden Mannschaften kompromisslos und mitunter rücksichtslos geführten Partie angedeutet: Schon in der ersten Viertelstunde verhängte Taylor gleich drei Verwarnungen. Am Ende gab es neben der roten Karte insgesamt sieben gelbe, sechs davon für Arsenal. Manchmal schien es, als wollten die Gunners die aufgeheizte Stimmung im Stadion nutzen, um die Nerven der vielen jungen Chelsea-Spieler auf die Probe zu stellen – bis Caicedo schließlich über das Ziel hinausschoss.
Für den defensiven Mittelfeldspieler war es der erste Feldverweis in seiner Profivereinslaufbahn, für Chelsea schon der vierte Platzverweis in dieser Premier-League-Saison – und das nach nur 13 Spieltagen. Hinzu kommen zwei weitere rote Karten aus anderen Wettbewerben und eine Hinausstellung für Trainer Enzo Maresca. Immerhin traf es jedes Mal einen anderen Spieler. Seit der Spielzeit 2023/24 haben die Blues mehr gelbe (229) und rote Karten (zehn) kassiert als alle anderen Klubs in der Liga. Diese Bilanz ist das Ergebnis mehrerer Faktoren, insbesondere der resoluten Spielweise der Mannschaft. Unter dem leidenschaftlichen Maresca an der Seitenlinie ist Chelsea bekannt für hartnäckiges, enges Verteidigen am Mann, weil die daraus resultierenden Ballgewinne Konter eröffnen. Der Italiener wies seine Spieler nach dem Platzverweis an, sich „doppelt anzustrengen“.
Zusätzlich spielen die Unerfahrenheit des Teams sowie der hohe Druck und die Ambition, nach Jahren des Umbruchs wieder um große Titel mitzuspielen, eine Rolle. Deswegen mangelt es den Spielern manchmal an der Beherrschtheit, sie schätzen Spielsituationen nicht immer richtig ein. Vergleichbares war in der Vorsaison bei Artetas Elf zu beobachten, die sich insgesamt sechs Platzverweise einhandelte, drei davon in den ersten acht Ligaspielen.
Nach dem London-Derby ging es in der Analyse der beiden Trainer ebenso intensiv weiter wie zuvor auf dem Platz. Es falle ihm schwer, die genaue Bewertung der Fouls nachzuvollziehen, kritisierte Maresca und unterstellte den Unparteiischen, mit unterschiedlichem Maß zu messen. Zwar sei die rote Karte für Caicedo gerechtfertigt, räumte er ein, aber sein Spieler Chalobah sei in der Halbzeit mit einem blauen Auge in der Kabine gesessen. Als Grund dafür sah Maresca einen möglicherweise rotwürdigen Ellbogenschlag eines Gegenspielers. Doch der Referee habe nur lapidar entgegnet, es sei kein Ellbogen gewesen, berichtete der Trainer. Sein Kontrahent beklagte hingegen, dass Chelsea gezielt versucht habe, alle gelb vorbelasteten Arsenal-Spieler „ins Visier zu nehmen“, um eine zahlenmäßige Gleichstellung zu erreichen. Vorsichtshalber wechselte Arteta seine verwarnten Defensivakteure Martín Zubimendi und Riccardo Calafiori früh aus. Bisher kommen die Gunners noch ohne Platzverweis durch die Saison.
Die emotionale Balance des FC Arsenal hat sich in dieser Spielrunde bisher deutlich verbessert. Auch deshalb besitzen die Gunners nach einem Drittel der Saison eine gute Ausgangslage vor dem in England traditionell wichtigen Monat Dezember mit diesmal sechs Ligaspielen. Artetas Team gilt derzeit als Favorit auf den Titel auf der Insel – vorausgesetzt, die Spieler stehen sich nicht selbst im Weg.
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