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12.02.2026
09:27 Uhr
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Wladyslaw Heraskewytsch aus der Ukraine wollte einen Helm mit Porträts von im Krieg getöteten Sportlern tragen. IOC und Skeleton-Weltverband geben seinen Ausschluss vom Wettkampf bekannt.

Skeletonfahrer Wladyslaw Heraskewytsch im Training. (Foto: Al Bello/Getty Images)
Im Streit um seinen Helm mit Bildern von im Krieg getöteten Sportkollegen ist der Ukrainer Wladislaw Heraskewytsch vom olympischen Skeleton-Wettbewerb ausgeschlossen worden. Diese Entscheidung traf eine Jury des Weltverbands IBSF. Zudem habe man dem Athleten die Akkreditierung für die Winterspiele entzogen, teilte das Internationale Olympische Komitee mit.
Der 27-Jährige wollte nicht auf das Tragen des vom IOC verbotenen Kopfschutzes verzichten und durfte daher auf der Bahn in Cortina d'Ampezzo nicht zum ersten Durchgang an den Start gehen. Das Internationale Olympische Komitee hatte zuvor entschieden, dass der Helm gegen das Neutralitätsgebot der Olympischen Charta verstößt.
Heraskewytsch will den Konflikt nun vor dem Internationalen Sportgerichtshof ausfechten. „Ich muss mich beraten lassen“, sagte er kurz nach seiner Disqualifikation für die olympischen Wettbewerbe im ZDF: „Wir werden einen Fall für den CAS vorbereiten und für unsere Rechte kämpfen.“
„Ich hatte alle Chancen auf eine Medaille, aber wir werden es jetzt nie erfahren“, sagte er: „Mein olympischer Moment wurde gestohlen. Aber es gibt Dinge, die wichtiger sind.“ Heraskewytsch hatte den Helm bereits in den Trainingsläufen getragen und immer wieder betont, dass er dies auch im Wettkampf plane. „Von Tag eins sagte ich: Ich werde diese Athleten nicht verraten. Wir sind auch wegen ihnen am Leben, wegen der Opfer, die sie gebracht haben. Sie verdienen es, hier zu sein.“
Politische Botschaften sind laut IOC-Regeln an den Wettkampfstätten untersagt. Die Dachorganisation hatte Heraskewytsch als Kompromiss angeboten, anstatt des Helms ausnahmsweise einen Trauerflor am Arm zu tragen. Das hatte der Ukrainer abgelehnt. Noch kurz vor der Entscheidung hatte Heraskewytsch via Instagram ein Einlenken des IOC und eine Entschuldigung gefordert. Auch bei einem Treffen mit IOC-Präsidentin Kirsty Coventry habe Heraskewytsch keinen Kompromiss akzeptiert, teilte das IOC weiter mit.
Auf dem Helm sind Bilder von rund 20 Athletinnen und Athleten zu sehen, die bei russischen Anschlägen ums Leben gekommen sind. Die Ukraine wehrt sich seit knapp vier Jahren gegen eine russische Invasion. Der Helm sei „eine Hommage an Athleten und einige von ihnen waren Medaillengewinner bei den Olympischen Jugendspielen. Das bedeutet, sie gehören zur olympischen Familie“, erklärte Heraskewytsch.
Ein offizielles Gesuch um eine Erlaubnis für den Kopfschutz lehnte das IOC jedoch unter Verweis auf die Regeln für politische Botschaften ab. Diese seien mit der Athletengemeinde abgestimmt. Es müsse allen Sportlerinnen und Sportlern möglich sein, sich in einem sicheren Umfeld auf ihre Leistung zu konzentrieren, unbeeinflusst von den zahlreichen Konflikten auf der Welt. Heraskewytsch sei es erlaubt, in Interviews rund um den Wettkampf seine Meinung frei zu äußern, hieß es weiter.
Der Ukrainer gehörte für die Skeleton-Rennen nicht zum Kreis der Topfavoriten. Zuspruch hatte er von anderen Mitgliedern der ukrainischen Olympia-Delegation und auch vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erhalten.
Der ukrainische Sportminister Matwij Bidnyj spricht über den Umgang mit dem Skeletonfahrer Wladyslaw Heraskewytsch und macht deutlich, was eine Rückkehr Russlands in den organisierten Sport für sein Land bedeuten würde.
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