SZ 07.12.2025
14:17 Uhr

(+) Oliver Rathkolbs „Ökonomie der Angst“: Zerstörte Wahrheiten


Oliver Rathkolb vergleicht die erste und die zweite Turboglobalisierung und damit sozusagen Wilhelm II. mit Donald Trump. Schon einmal war Angst Treiber in Politik und Gesellschaft. Kann heute ein „digitaler Humanismus“ helfen?

(+) Oliver Rathkolbs „Ökonomie der Angst“: Zerstörte Wahrheiten

Der Wiener Politikwissenschaftler Oliver Rathkolb vergleicht in seinem neuen Buch „Ökonomie der Angst. Die Rückkehr des nervösen Zeitalters“ die „erste und die zweite Turboglobalisierung“. Der Untertitel erinnert an die brillante Studie Volker Ullrichs über das kaiserliche Deutschland vor 1914 „Die nervöse Großmacht“ (S. Fischer, 1997), obwohl sie im Apparat des Buches nicht auftaucht. Wie auch immer: Das Agieren des ebenso umtriebigen wie wankelmütigen deutschen Kaisers Wilhelm II. nach der Devise: „Sic volo, sic iubeo, voluntas regis suprema lex est“ (So will ich es, so befehle ich es, der Wille des Königs ist das oberste Gesetz) gleicht dem plakativen Gehabe nach aufs Haar der Politik des aktuellen Präsidenten der USA. Ob diese Politik in einen großen Krieg führt wie 1914, wird erst die Zukunft erweisen. Sicher ist bisher jedoch, dass Putins Krieg in der Ukraine und Trumps Politik unter dem vielfältigen Druck anderer aktueller politischer, sozialer und ökologischer Probleme die Nachkriegsordnung zerstört haben. Die multiple Krisenlage produziert viele Ängste: vor Energieknappheit, sozialem Abstieg, Klimakatastrophen, um nur die wichtigsten zu nennen. So wird Angst zum Treiber der Politik und in der Gesellschaft. Joachim Radkau prognostizierte 1998 in der New York Times ein „Zeitalter der Nervosität“, nachdem Lael Brainard schon ein Jahr zuvor davon gesprochen hatte, die „Globaphobia“ habe die Globalisierung abgelöst.

Philipp Ruch vom Zentrum für Politische Schönheit und der Historiker Thomas Weber werben streitlustig für neue Ansätze der Geschichtswissenschaft zur Rettung der Demokratie. Der Untergang Weimars müsse ganz anders betrachtet werden als bisher.

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