SZ 04.02.2026
16:52 Uhr

(+) Nutri-Score: Warum sich die Fruchtzwerge im Regal plötzlich wegducken


Seit Anfang Januar gelten neue Kriterien für die Nährwertskala Nutri-Score im Supermarkt. Viele Markenprodukte schneiden nun schlechter ab. Nicht nur die Fruchtzwerge reagieren darauf.

(+) Nutri-Score: Warum sich die Fruchtzwerge im Regal plötzlich wegducken
Der Kinder-Joghurt Fruchtzwerge schneidet gar nicht schlechter ab als vorher, scheut den Nährwert-Vergleich aber trotzdem. (Foto: Imago)

Die Fruchtzwerge sind ausgestiegen, Rockstar und Schwip Schwap auch, jeweils aus unterschiedlichen Gründen. Und das sind nur einige wenige Markenprodukte, die vom Nutri-Score genug haben. Denn seit Jahresanfang funktioniert die auf vielen Verpackungen abgebildete Lebensmittelampel anders als früher. Sie ist jetzt strenger. Welches Produkt wo auf der fünfstufigen Ampel vom grünen A zum roten E landet, hat sich teilweise verschoben.

Zwei Jahre hatten die Hersteller Zeit, um sich auf den Wechsel vorzubereiten, sich darauf einzustellen oder sogar die Rezeptur mancher Produkte anzupassen. Aber das tat kaum einer.

Seit Anfang Januar gilt nun: Zucker, Fett und Salz werden von dem unabhängigen Gremium aus internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, das über die Skala wacht, auf einer neuen Grundlage berechnet. Faktisch macht das ein neuer Algorithmus für jedes Produkt.

Der Rückgang beim Bierabsatz ist so stark wie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1993 nicht. Aber es fehlt etwas in der Statistik.

Und der gilt überall gleich, in Deutschland wie in allen anderen europäischen Ländern, in denen die Lebensmittelampel eingeführt wurde. Zuerst war das Frankreich, wo der Lizenzgeber Santé Publique seinen Sitz hat. Seit fünf Jahren ist die bunte Skala auch auf Verpackungen vieler Lebensmittel in Deutschland zu sehen.

Doch weil sich der Score vieler Lebensmittel verschlechtert hat, meiden viele Markenprodukte die Ampel jetzt. Seit 2023 widerriefen laut der Verbraucherorganisation Foodwatch 33 Hersteller ihre Registrierung für den Nutri-Score. Danone zog etwa die auf Kinder ausgerichtete Fruchtzwerge-Joghurts zurück sowie pflanzliche Milchalternativen der Marke Alpro und Joghurtgetränke von Actimel. Wobei die Fruchtzwerge gar nicht schlechter abschnitten als vorher. Warum der französische Lebensmittelhersteller sie dennoch nicht mehr bewerten lassen will, teilte er trotz Anfrage nicht mit. Der Alpro-Mandeldrink wäre von B auf C abgesackt, da das Getränk relativ viele Kalorien, aber nur wenig Protein enthält. Actimel Classic wäre sogar von B auf E gefallen, weil Trinkjoghurts nun nicht mehr als Mahlzeiten, sondern als Getränke gelten. Enthalten sie viel Zucker, droht wie in diesem Fall ein Absturz in den roten Bereich.

Auch die Marken Pepsi, Schwip Schwap und Rockstar des US-Konzerns Pepsico oder das Schnittbrot von Harry-Brot sowie Tomatenketchup von Werder rutschten um mindestens eine Stufe ab. Pepsi Zero etwa, weil nun auch Süßstoff Punktabzug gibt und nur noch für ein gelbes C gereicht hätte. Harry-Schnittbrot hätte sogar um zwei Stufen von A auf C zurückgehen müssen, weil der neue Algorithmus Salz strenger gewichtet und zu wenig Ballaststoffe in dem Brot enthalten sind.

Hersteller können sich geräuschlos von der Bewertung verabschieden. Es gibt keine Pflicht, sich der Ampel auszusetzen – wer sich ihr stellt, tut das freiwillig. Andersherum können die Konzerne ihre positiv bewerteten Produkte auch gezielt ins Rennen schicken.

So hat sich Danone nicht gänzlich aus dem Ranking verabschiedet. Mit Activia und Dany lässt er zwei Marken weiterhin mit der ansonsten ungeliebten Ampel kennzeichnen. Denn hier ist Danone offenbar der Ansicht, den Vergleich mit den Joghurts anderer Hersteller nicht scheuen zu müssen.

Genau dazu soll die Ampel Verbrauchern im Wesentlichen laut Bundesernährungsministerium dienen: zur besseren Orientierung am Einkaufsregal. Supermarktkunden sollen mithilfe der Ampel die Nährwerte ähnlicher Lebensmittel relativ schnell vergleichen und dann leichter eine Entscheidung treffen können. Sie ist nicht dazu gedacht, sich nur von grünen A-Produkten zu ernähren.

Doch die Zahl der Verbraucher, die sich nach der Ampel richten, ist ohnehin überschaubar, hat Foodwatch in einer Umfrage herausgefunden. Danach kennen zwar fast 80 Prozent der Verbraucher den Nutri-Score, aber nur etwa jeder Dritte nutzt ihn „häufig bis sehr häufig“, um zu entscheiden, was er kauft. Die Verbraucherorganisation fordert deswegen, das Logo verbindlich für alle Produkte einzuführen. Eine Forderung, die aber in der Bundesregierung derzeit wohl kaum mehrheitsfähig ist.

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