|
11.02.2026
16:32 Uhr
|
Die deutschen Kombinierer bleiben im tiefen Schnee des Val di Fiemme stecken und verpassen überraschend eine Medaille. Aber immerhin: Die angereiste Kirsty Coventry äußert sich nach dem Rennen positiv über die Sportart auf olympischer Bewährung.

Was wird aus dieser Sportart? Die Nordische Kombination (in der Mitte Vizenz Geiger vor seiner Schwächephase beim Olympiarennen in Tesero) könnte es bald nicht mehr geben bei Olympia. (Foto: Revierfoto/Imago)
IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hatte Verspätung, aber sie schaffte es gerade noch rechtzeitig, um der Gundersen-Entscheidung in der Nordischen Kombination beizuwohnen. In blauer Jacke, schwarzer Hose, weißen Boots und mit verspiegelter Piloten-Sonnenbrille samt Goldrand setzte sie sich auf einen der reservierten Plätze der Fis-Family-Tribüne direkt am Ziel. Rechts neben ihr Johan Eliasch, der Multimilliardär und Präsident des Ski-Weltverbandes (Fis).
Die beiden Top-Funktionäre wollten sich mal anschauen, wie sie sich so macht bei diesen Winterspielen, die Nordische Kombination. Denn die Sportart steht, in die Sprache der Tier- und Pflanzenwelt übersetzt, auf der Liste der akut vom Aussterben bedrohten Arten. Bei den nächsten Olympischen Spielen 2030 in den französischen Alpen könnten die Männer, die seit 1924 dabei sind, komplett aus dem Programm gestrichen werden. Die Frauen wurden bis heute nie berücksichtigt – eigentlich ein Verstoß gegen das Gleichheitsprinzip in der olympischen Charta des IOC. Das Argument: zu wenige Athletinnen und konkurrierende Nationen, zu schwache TV-Quoten und Vermarktungschancen auch bei den Männern, zu unattraktive Rennen und Zuschauerresonanz im Weltcup, zu wenig Reichweite.
Am Mittwoch reist eine Delegation des IOC zur Nordischen Kombination: Sie wird nach den Spielen entscheiden, ob die einzige Sportart, bei der nur Männer starten, weiter olympisch sein wird.
Coventry und Eliasch klatschten dann mehrmals in die Hände, standen auf, sie wirkten ziemlich angetan. Allerdings spendeten sie am Ende des Zehn-Kilometer-Laufs zunächst nicht den favorisierten Deutschen Applaus, sondern Jens Luraas Oftebro, dem neuen Olympiasieger aus Norwegen. Silber gewann Johannes Lamparter aus Österreich, Bronze der Finne Eero Hirvonen.
Der Mitfavorit Vinzenz Geiger hatte seine 29 Sekunden Rückstand nach dem Springen von der Normalschanze im zehn Kilometer entfernten Predazzo am anderen Ende des Val di Fiemme zunächst aufgeholt. Doch dann brach er in der letzten Runde an einem steilen Anstieg völlig ein. Bei warmen Bedingungen und auf weichem Untergrund hatte Geiger, der Olympiasieger von 2022, die Kraft verlassen. Er wurde nur Zehnter – noch hinter Johannes Rydzek, dem besten Deutschen auf Rang acht.
„Ich habe mich die letzten Tage schon nicht so gut gefühlt, es war leider nicht mein Tag. Bei den schweren Bedingungen und in einem olympischen Rennen muss man hundertprozentig fit sein, damit man eine Medaille holt“, sagte Geiger nach dem Wettkampf. Rydzek sprach von ganz schwerem, tiefem Geläuf, „wir mussten durch den Sulz waten“. Der dritte Deutsche Julian Schmid lief auf Rang 14, ein indiskutables Ergebnis für die erfolgsverwöhnten Kombinierer. „Scheinbar waren wir energetisch nicht auf dem Niveau, mithalten zu können“, analysierte Bundestrainer Eric Frenzel.
So unbefriedigend das Ergebnis für die deutschen Kombinierer war, ein Ziel hatten sie und alle anderen Nationen erreicht. Es war ein extrem spannendes Rennen, das sie den vielen Zuschauern an der Strecke und vor allem auch Coventry und ihrer IOC-Delegation zeigen konnten. Und als alle im Ziel angekommen waren, bekamen sie auch noch ihre Audienz. Coventry mischte sich unter die Athleten, hielt Smalltalk mit ihnen, auch mit dem geschlagenen Vinzenz Geiger: „Ich habe mich gerade mit ihr unterhalten dürfen, hätte ihr gerne noch ein bisschen mehr erzählt, sie hat gar nicht so viel gefragt“, erzählte Geiger: „Aber sie hat geschwärmt von dem Tag, dass es ‚super exciting‘ war“ – extrem aufregend also.
Fis-Präsident Eliasch schwärmte ebenfalls, „es war fantastisch, die Atmosphäre im Stadion, die IOC-Präsidentin war da und schien sehr enthusiastisch zu sein. Für mich war es das Olympia-Highlight, die Nordische Kombination zu sehen.“
Allerdings wird man sehen müssen, welche Entscheidung das IOC dann tatsächlich voraussichtlich im Mai treffen wird. Schwärmereien allein helfen der Nordischen Kombination nicht. Es geht bei der Analyse des IOC eher um knallharte Marketingfaktoren. Also letztlich auch darum, wie viel Geld eine Sportart in seine Kassen spült. Und doch war es immerhin ein Zeichen der Hoffnung, das dieser Tag für die Kombinierer aussendete – und womöglich auch für die Kombiniererinnen.
Johannes Rydzek wurde dann noch gefragt, was er Coventry gerne gesagt hätte, wenn er dazu gekommen wäre: „Es war heute große Werbung für unseren Sport, aber es war leider nur die halbe Kombination. Der andere Teil sitzt daheim vor dem Fernseher, sie hätten es genauso verdient und hier auch eine Show geliefert. Wie sie sich entwickelt haben die letzten Jahre: Chapeau! Ich hoffe, dass wir zusammen 2030 am Start sind.“
Am 17. Februar wird die nächste IOC-Delegation in Tesero erwartet, dann steht der Wettkampf der Nordischen Kombination von der Großschanze an. Es ist ein Mittagessen geplant mit den nationalen Verbänden und Karl Stoss, dem Vorsitzenden der IOC-Programm-Kommission – jenem Gremium, das empfiehlt, welche Sportarten aufgenommen werden, bleiben oder den olympischen Tod sterben. Es dürfte dort weiterhin viel Redebedarf geben.
Bis dahin wollen sich auch die deutschen Kombinierer erholen und vielleicht auch mal einen Ausflug nach Cortina machen. „Wir setzen die Hoffnung auf die zweite Woche, wenn es wieder kälter und härter wird“, sagt Bundestrainer Frenzel, Sportdirektor Horst Hüttel findet ohnehin: „Wir sind angetreten, um zu gewinnen und nicht nur dieses IOC-Thema im Kopf zu haben.“ Werbung machen, aber nicht hinterherlaufen: Das ist der Auftrag für Geiger, Rydzek und Schmid.
Lesen Sie mehr zum Thema
In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.
Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien
Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: