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26.02.2026
08:32 Uhr
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Nach dem Tierschutzskandal am Schlachthof Buckl und der Schließung der Firma war die Eierbranche in Bedrängnis: In ganz Süddeutschland gab es keinen großen Hennen-Schlachthof mehr. Nun gibt es eine Lösung.

In Bayern wird es jetzt wieder einen großen Schlachthof für schlachtreife Legehennen geben. (Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/DPA)
Der Tierschutzskandal am Schlachthof Buckl im mittelfränkischen Wassertrüdingen im Frühjahr 2025 hat die Legehennen-Halter in Bayern in arge Bedrängnis gebracht. Denn Buckl, wie das Unternehmen in der Geflügelszene kurz genannt wurde, war mit einer Schlachtkapazität von 60 000 Althennen am Tag der mit Abstand größte Legehennen-Schlachthof nicht nur in Bayern, sondern in ganz Süddeutschland. Seit Buckl geschlossen ist, müssen die schlachtreifen Althennen aus Bayern größtenteils bis nach Polen zum Schlachten gefahren werden. Denn hierzulande fehlen die Kapazitäten. Das bedeutet Strapazen für die Tiere.
Nun soll es bald wieder einen großen Althennen-Schlachthof in Bayern geben. Die TLC Landgeflügel GmbH aus Massing im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn hat dieser Tage bekannt gegeben, dass sie in das Geschäft mit den Althennen einsteigen wird. „Wir haben uns entschieden, in Zukunft zusätzlich zu Masthähnchen auch Althennen und Elterntiere zu schlachten und zu vermarkten“, sagt Patrick Fritz, Vertriebsleiter bei TLC. „Die entsprechenden Anträge sind gestellt, wir hoffen, dass sie zeitnah genehmigt werden.“ Stand heute könnten nach Fritz' Worten bei TLC 25 000 Althennen pro Tag geschlachtet und verarbeitet werden. Geplant sei, die Kapazität auf bis zu 60 000 Tiere am Tag zu erhöhen. Das wäre dann die Größenordnung von Buckl.
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TLC Landgeflügel ist ein mittelständisches Familienunternehmen in dritter Generation. So kann man es im Internet nachlesen. Nach den Worten von Fritz hat die Firma einen Jahresumsatz zwischen 20 und 25 Millionen Euro, sie ist damit ein eher kleiner Player in der Schlachtszene. Bisher wird bei TLC ausschließlich Mastgeflügel geschlachtet und vermarktet, den Angaben zufolge zwischen 15 000 und 20 000 Tiere pro Schlachttag. Ebenfalls im Internet betont TLC den hohen Stellenwert, den eine moderne Tierhaltung bei den Landwirten, das Tierwohl und eine nachhaltige Produktion für das Unternehmen haben. Die Firma bietet sowohl Bio-Geflügel als auch konventionelles Geflügel an.
Beim Schlachten legt TLC nach den Worten von Fritz ebenfalls großen Wert auf hohe Standards. Die Tiere werden demnach vor dem Schlachten mit einer CO₂-Anlage betäubt. Das Verfahren gilt als sicherer und tierfreundlicher als die Strom-Wasser-Betäubung, wie sie beispielsweise am Schlachthof Buckl eingesetzt wurde. Sollte TLC die Genehmigung für die Legehennen-Schlachtung bekommen, wäre das Unternehmen nach Angaben des Landesverbands der bayerischen Geflügelwirtschaft der einzige Legehennen-Schlachthof in Deutschland mit einer solchen CO₂-Betäubung.
Im Betrieb der Firma Buckl sollen Mitarbeiter lebende Hühner ohne Notwendigkeit schwer gequält haben. Das zeigen Filme einer Tierrechtsorganisation. Die staatliche Kontrollbehörde greift durch. Der Anwalt der Firma nennt die Vorwürfe „überraschend“.
Außerdem werden bei TLC nach Angaben von Vertriebsleiter Fritz seit Langem alle Bereiche, in denen Mitarbeiter mit lebenden Tieren zu tun haben, mit Videokameras überwacht. Nach Überzeugung von Tierschutz-Experten wie dem Veterinärmediziner Kai Braunmiller ist so eine Videoüberwachung die effizienteste Vorsorge gegen Tierschutzskandale wie auf dem Schlachthof Buckl. Die heimlich gedrehten Bilder der Tierrechtsorganisation Aninova von dort zeigen, wie Arbeiter lebenden Hennen Hälse und Körper verdreht, die Tiere mit Fäusten und Stangen traktiert und ihnen andere Grausamkeiten mehr angetan haben. Die strafrechtliche Aufarbeitung des Tierschutzskandals steht inzwischen vor dem Abschluss.
In der Legehennen-Branche begrüßen sie die Pläne von TLC sehr. Verbandschef Robert Schmack und seine Mitarbeiter hatten sich über Monate hinweg dafür eingesetzt, dass der geschlossene Schlachthof Buckl wieder geöffnet werden kann – mit einer neuen GmbH, einer neuen Geschäftsführung und einer neuen Schlachtmannschaft. Ein wichtiger Grund dafür war, dass sich die Branche nicht mit den langen Transportwegen der schlachtreifen Legehennen nach Polen abfinden wollte. Allein in Bayern fallen jedes Jahr um die fünf Millionen schlachtreife Legehennen an. Doch die Bemühungen waren alle gescheitert – auch wegen unwägbarer finanzieller Risiken. Nach Bekanntwerden der Pläne von TLC seien eine Reihe bereits gebuchter Legehennen-Transporte wieder storniert worden, sagt Verbandschef Schmack. Das zeige ihm, dass sich die Initiative gut entwickle.
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