SZ 27.01.2026
05:02 Uhr

(+) Nach Protesten: Berichte: Irans Sicherheitskräfte verschleppen wohl Verletzte aus Kliniken


Laut mehreren Berichten werden Protestteilnehmer aus Krankenhäusern verschleppt und inhaftiert. Auch Ärzte sollen betroffen sein.

(+) Nach Protesten: Berichte: Irans Sicherheitskräfte verschleppen wohl Verletzte aus Kliniken
Bei den Protesten sind Tausende Menschen ums Leben gekommen. (Foto: Uncredited/UGC/AP/dpa)

Iranische Sicherheitskräfte gehen nach Angaben einer UN-Expertin offenbar gegen verletzte Demonstranten vor. Es gebe Berichte, wonach Protestteilnehmer aus Krankenhäusern verschleppt und inhaftiert würden, sagte die UN-Sonderberichterstatterin für Iran, Mai ‍Sato, am Montag in einem Videointerview der Nachrichtenagentur Reuters. Dies wäre ein schwerer Verstoß gegen ‌das völkerrechtlich verankerte Recht auf medizinische Versorgung.

Demnach würden Sicherheitskräfte Personen identifizieren, die im Zusammenhang mit den Protesten verletzt wurden, und sie aus den Krankenhäusern holen, um sie festzunehmen. Zudem würden Familien gezwungen, 5000 bis 7000 Dollar zu zahlen, damit die Leichname ihrer Angehörigen ⁠freigegeben werden. Dies stelle angesichts der Wirtschaftskrise in Iran eine erdrückende Last dar.

In iranischen Medizinerkreisen wurden einige der Vorwürfe bestätigt. Ein Arzt aus der nördlichen Stadt Rascht sagte Reuters, Angehörige der Revolutionsgarde hätten Dutzende operierte Patienten mit Schusswunden ‍abtransportiert. „Wir wissen nicht, was mit ihnen geschehen ‌ist“, sagte er. In Teheran sagten eine Krankenschwester und zwei Ärzte, Sicherheitskräfte hätten Kliniken nach Akten von behandelten und dann entlassenen Demonstranten durchsucht, um diese festzunehmen.

Die Deutsche Welle hatte Anfang Januar von einem Krankenhaus berichtet, aus dem Sicherheitskräfte Verletzte abführten, vor zwei Tagen schrieb außerdem die NGO Iran Human Rights über solche Fälle. Einer Quelle der Menschenrechtsorganisation zufolge seien auch Ärzte verhaftet worden, die verletzten Demonstranten halfen.

Die iranische Vertretung in Genf reagierte bislang nicht auf eine Anfrage um ⁠Stellungnahme. Die seit Dezember andauernden regierungskritischen Proteste haben zur härtesten Niederschlagung seit der Islamischen Revolution 1979 geführt. Die in den USA ansässige Menschenrechtsgruppe HRANA beziffert die ‍Zahl der Toten durch die Unruhen auf ‌6126, darunter 214 Sicherheitskräfte. Offiziellen Angaben zufolge kamen 3117 Menschen ums Leben.

Der Aufstand in Iran ist niedergeschlagen – wieder einmal. Aber was kommt nach der Gewalt? Neue Proteste, meint der österreichisch-iranische Schriftsteller Amir Gudarzi, der schon 2009 auf die Straße ging. Ein Gespräch über das Weitermachen.

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: