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27.02.2026
15:16 Uhr
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Die Fraktion will über einen Antrag das Stellenmoratorium der Staatsregierung konkret für die Schulen aufweichen. Zuvor hatte ein Bericht des Kultusministeriums aufgezeigt, dass vielerorts größere Klassen oder der Wegfall von Wahlfächern droht.

Blick ins Klassenzimmer. „Unser wichtigstes Ziel ist ein Stundenplan, auf den sich unsere Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte verlassen können“, sagt die Kultusministerin. (Foto: Bodo Schackow/dpa)
Die Grünen im bayerischen Landtag fordern, das generelle Stellenmoratorium beim Staat für den Bereich der Schulen aufzuweichen. Hintergrund ist das Gesamtkonzept zur Unterrichtsversorgung im kommenden Schuljahr, in dem das Kultusministerium den Lehrermangel und beträchtliche Lücken vor allem an Mittelschulen, aber etwa auch an Gymnasien aufgezeigt hatte. Konkret war die Rede davon, dass Klassen vielerorts größer werden könnten oder auch Angebote wie Wahlfächer und Arbeitsgruppen an manchen Schulen gestrichen werden müssen.
„Das von Markus Söder verhängte Stellenmoratorium ist ein Sparbeschluss auf dem Rücken unserer Kinder – am Ende zahlen die Familien den Preis“, teilte Gabriele Triebel am Freitag mit, die Sprecherin für Bildung der Landtags-Grünen. Über einen Änderungsantrag zu den laufenden Beratungen zum Doppelhaushalt will die Fraktion erreichen, dass es 3000 neue Lehrkräftestellen gibt; davon allein knapp 2000 für das laufende Jahr.
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Das Moratorium im Zuge des Ziels der Staatsregierung, für den Doppeletat 2026/2027 keine neuen Schulden aufzunehmen, bedeutet, dass für das Haushaltsjahr 2026 und damit für das nächste Schuljahr keine zusätzlichen staatlichen Stellen geschaffen werden dürfen. Es findet nur eine Nachbesetzung statt, etwa bei Pensionierung oder anderer Fluktuation.
Das Moratorium gilt für alle Ressorts der Staatsregierung, vor allem bei Lehrkräften und Polizei war die Regelung aber schon länger umstritten. Der Haushaltsentwurf wurde im Dezember von Finanzminister Albert Füracker (CSU) vorgelegt, nun berät der Landtag darüber. Im Frühjahr könnte der Etat dann den Landtag abschließend passieren. Das Moratorium selbst ist aber schon beschlossene Sache.
Am Donnerstag hatte Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) ihr Gesamtkonzept zur Versorgung veröffentlicht. Diese Publikation hatte sie vergangenes Jahr neu eingeführt, um Transparenz beim Thema Lehrermangel zu schaffen und die Personalplanung ihres Hauses sozusagen gläsern zu machen: „Unser wichtigstes Ziel ist ein Stundenplan, auf den sich unsere Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte verlassen können.“ Die Ministerin selbst ließ sich nicht mit kritischen Tönen zum Stellenmoratorium zitieren, durch den umfangreichen Bericht ziehen sich diese aber wie ein roter Faden.
Darin heißt es: Mehr Schüler, aber keine zusätzlichen Stellen – die übliche Kopplung des rechnerischen Lehrkräftebedarfs an die Entwicklung der Schülerzahlen werde durch das Moratorium „durchbrochen“. In der schulischen Praxis ergebe sich dadurch „eine verschärfte Versorgungslage“, den Mehrbedarf gelte es durch alternative Maßnahmen aufzufangen. Das Moratorium kommt demnach auf die ohnehin angespannte Lage durch den Lehrermangel noch oben drauf. Besonders betroffen sind die Mittelschulen. Auf diese setzen die Grünen einen Fokus ihres Änderungsantrags, alleine dort soll es mindestens 500 zusätzliche Stellen geben.
Kritik kam nach der Veröffentlichung des Versorgungskonzepts von diversen Berufsverbänden. Etwa der bayerische Philologenverband lobte einerseits die „transparente Darstellung“ des Ministeriums, beklagte aber: „Statt den Bildungsbereich weiter zu stärken, verwehrte der Landtag sehenden Auges mit dem Moratorium zusätzliche Stellen und sorgt nun für weiteren Druck.“
Wie soll man Unterricht machen, wenn man fast nur belastete Lehrer hat? Dieser Frage ist das Institut für Zeitgeschichte nachgegangen. Das Ergebnis: Der Bildungsneustart nach der NS-Zeit lief in Bayern nach sehr speziellen Maßstäben.
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