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28.12.2025
10:24 Uhr
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Die berühmte Welle am Münchner Eisbach ist nach wenigen Tagen schon wieder verschwunden. Mitarbeiter der Feuerwehr haben einen Balken entfernt, den Surfer dort illegal eingebaut hatten.

Ein Mitarbeiter der Münchner Berufsfeuerwehr ist am Sonntagmorgen am Eisbach im Einsatz. (Foto: Peter Kneffel/dpa)
Die Auseinandersetzung um die Eisbachwelle in München eskaliert. In Anwesenheit von Polizeibeamten haben Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr am frühen Sonntagmorgen die Einbauten und Vorrichtungen abgebaut, die an den Weihnachtsfeiertagen in den Eisbach eingebracht worden waren, damit eine surfbare Welle entsteht.
Um kurz vor acht Uhr waren die ersten Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr vor Ort, wie ein Sprecher auf SZ-Nachfrage bestätigt. Man habe den Auftrag der Stadt München bekommen, den Balken im Eisbach wieder zu entfernen. Die Arbeiten haben etwa eine Stunde gedauert. Gegen neun Uhr war der Eisbach dann wieder im alten Zustand – also ohne die berühmte Welle. „Ich weiß nicht, wie lange dieses Spiel noch so weitergehen soll“, sagt der Feuerwehrsprecher.
In der Nacht auf den ersten Weihnachtsfeiertag hatten unbekannte Surf-Aktivisten in einer illegalen Aktion einen meterlangen Holzbalken ins Wasser gelassen. Er war an mehreren Seilen befestigt und bewirkt, dass sich die Welle am Rande des Englischen Gartens wieder aufbaut. Ein Vertreter der Stadt nannte die Einbauten „widerrechtlich“ und kündigte an, sie aus Sicherheitsgründen entfernen zu lassen. Das haben nun die Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr am Sonntag erledigt.
Den bis dato unbekannten Surfern droht derweil ein juristisches Nachspiel. Würden diejenigen erwischt, die für die Aktion verantwortlich sind, droht ihnen ein Bußgeld von 50 000 Euro; dies ist in einer Allgemeinverfügung festgelegt.
Die Surf-Community zeigt sich entsetzt von der Rückbauaktion am Sonntagmorgen, Sportler sprechen von einer „Kampfansage der Stadt an uns Surfer“. Der Surf-Club München, einer von zwei Vereinen, die sich für die Welle engagieren, kritisiert am Sonntagvormittag in einer Mitteilung das Entfernen der Rampen. Zugleich fordert er die Stadtpolitik zum Handeln auf, um die Welle wiederherzustellen.
Was über die weltberühmte Attraktion bekannt ist, stimmt offenbar nicht ganz: Die Wasserwalze entstand nicht einfach so, zumindest nicht immer. Surfer haben mit verbotenen Tricks nachgeholfen. War es das mit dem Ganzjahresspaß?
Der Einsatz der Feuerwehr sei „keine rein technische Maßnahme, sondern eine politische Entscheidung, oder genauer gesagt: das Ausbleiben einer politischen Entscheidung. Die Verwaltung handelt, während die Politik schweigt“. Es gehe nun um die Frage, ob die Stadtpolitik „Anspruch und die Kraft“ habe, München aktiv zu gestalten. Hintergrund ist das Versprechen von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und anderen führenden Politikern, eine „schnelle Lösung“ zu finden, um die Welle wiederherzustellen.
Das Wellenreiten am Eisbach, schreibt der Surf-Club, sei „ein Aushängeschild für eine moderne, lebenswerte Stadt. Dieses Stück urbaner Identität darf nicht zerstört werden.“ Der Surf-Club weiter: „Wir fordern die politisch Verantwortlichen im Stadtrat auf, jetzt Haltung zu zeigen: Übernehmen Sie Verantwortung, treten Sie in echten Dialog mit Nutzerinnen und Nutzern, Vereinen und Öffentlichkeit. Treffen Sie eine politische Entscheidung für eine lebendige Stadtgesellschaft.“
Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD), die OB Reiter derzeit vertritt, hatte sich am ersten Weihnachtstag noch über die Rückkehr der Welle gefreut. Wegen der Feiertage sei es „derzeit jedoch nicht möglich, die jüngsten Veränderungen vor Ort abschließend nachzuvollziehen und verlässliche Auskünfte“ zu geben zur Frage, ob die Einbauten entfernt werden müssten. Dies ist nun geschehen.
Aktivisten haben das Münchner Wahrzeichen auferstehen lassen. Doch sie können sich nicht dazu bekennen, denn es droht ein hohes Bußgeld. Der Surf-Club München wirft der Stadt indes eine „administrative Blockade“ vor.
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