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16.12.2025
14:15 Uhr
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Ein Jahr nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt wird in der Stadt ein Mann mit mutmaßlich „islamistischer Motivation“ festgenommen.

In Magdeburg ist am vergangenen Freitag ein 21-Jähriger in Gewahrsam genommen worden, nachdem er Anschlagspläne geäußert haben soll. Durch seine Festnahme sollte ein möglicher Anschlag auf größere Menschenmengen verhindert werden, wie eine Sprecherin des Innenministeriums in Sachsen-Anhalt der dpa bestätigte. Von einer möglicherweise „islamistischen Motivation“ war die Rede.
Details dazu, wie konkret die Äußerungen des Mannes gewesen sind, gibt es bislang nicht. Auch über einen möglichen Anschlagsort ist nichts bekannt.
Der 21-Jährige aus Zentralasien war im Juni 2024 mit einem Visum nach Deutschland eingereist und hat im März eine Ausbildung zum Pflegefachmann begonnen. Er ist nach Behördenangaben zuvor nicht polizeilich in Erscheinung getreten. Das erklärte Birgit Specht, Direktorin des Landeskriminalamtes, bei einer Pressekonferenz an diesem Dienstag. Am vergangenen Donnerstag sei eine Information des Bundeskriminalamtes bei den Landesbehörden eingegangen.
Das Innenministerium in Magdeburg teilte auf Anfrage mit, es bereite eine Abschiebung aufgrund einer „auf Tatsachen gestützten Prognose zur Abwehr einer besonderen Gefahr für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland oder einer terroristischen Gefahr“ vor. Der Mann werde in sogenannte Vorbereitungshaft genommen.
Der Weihnachtsmarktsaison sei durch die für die Gefahrenabwehr zuständigen Behörden eine besondere Bedeutung beizumessen, so das Innenministerium. Das gelte insbesondere angesichts der aktuellen nationalen sowie internationalen Sicherheitslage und vor dem Hintergrund der Amokfahrt vom 20. Dezember 2024 auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt.
Erst am Freitag waren mehrere Männer wegen mutmaßlicher Anschlagspläne auf einen Weihnachtsmarkt in Niederbayern festgenommenen worden. Das wurde am Wochenende bekannt. Pläne für einen Anschlag an einem bestimmten Tag oder an einem bestimmten Weihnachtsmarkt gab es nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht, wie der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte.
Laut Generalstaatsanwaltschaft München gehen die Ermittler von einem islamistischen Motiv aus. Am Samstag ergingen Haftbefehle gegen vier der Männer. Einer wurde in Präventivgewahrsam genommen.
Die Festnahmen erfolgten knapp ein Jahr nach dem Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt. Ein 51-Jähriger aus Saudi-Arabien war mit einem Mietwagen durch die Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt gefahren. Ein neunjähriger Junge sowie fünf Frauen im Alter von 45 bis 75 Jahren kamen ums Leben.
Mehr als 300 weitere Menschen wurden verletzt. Der Mann steht derzeit in Magdeburg vor Gericht. Dem Arzt werden mehrfacher Mord und versuchter Mord vorgeworfen. Außerdem legt die Generalstaatsanwaltschaft dem Mann gefährliche Körperverletzung zur Last.
Psychotherapeut Christian Lüdke betreut Opfer des Anschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt. Ein Gespräch darüber, wie es ihnen heute geht und was man nach einem Trauma vermeiden sollte.
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