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01.12.2025
13:30 Uhr
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Das Passagieraufkommen an deutschen Flughäfen liegt noch immer unter dem Niveau der Vor-Corona-Zeit. Das hat gleich mehrere Gründe.

Lufthansa hat das Angebot in der Vergangenheit deutlich ausgedünnt, viele Strecken innerhalb Deutschlands werden gar nicht mehr oder nur noch selten geflogen. Andere Fluggesellschaften wie Easyjet oder Ryanair bedienen keine innerdeutschen Strecken mehr. Und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden (Destatis) ist der innerdeutsche Flugverkehr in diesem Sommer um 0,7 Prozent zurückgegangen – auf jetzt noch 5,3 Millionen Reisende.
Vergleicht man dieses Niveau mit der Situation der Vor-Corona-Zeit, ist die Veränderung dramatisch. Destatis zufolge liegt die Passagierzahl auf deutschen Inlandsflügen 2025 um 54,9 Prozent unter derjenigen des Jahres 2019. Und das hat gleich mehrere Gründe: Das Angebot ist geringer, die Nachfrage insbesondere von Geschäftsreisenden zurückgehend. Videokonferenzen ersetzen persönliche Meetings und Treffen. Trotz der Misere bei der Deutschen Bahn sind auch mehr Reisenden auf die Schiene umgestiegen. Bahnstrecken wie etwa zwischen München und Berlin sind in den vergangenen Jahren deutlich attraktiver geworden.
Kurz: Innerdeutsche Flüge sind aus der Mode. Gleichzeitig sind die Preise für Inlandsflüge zuletzt deutlich gestiegen. Die Lufthansa verweist immer wieder auf die gestiegenen Kosten. Die Flugsicherung oder Dienstleistungen wie Sicherheitskontrollen werden teurer. Dazu kommt die Luftverkehrsabgabe. Innerdeutsche Flüge würden sich kaum noch lohnen, sagen Experten. Immerhin: Lufthansa etwa unterhält vor allem noch Verbindungen zu den beiden Drehkreuzen in Frankfurt und München. Ohne diese Zubringerflüge würde die Gesellschaft ihre Jets auf den Langstrecken kaum füllen können.
Denn insgesamt steigt der Luftverkehr in Deutschland weiter, nämlich ins Ausland. Nach den Destatis-Zahlen starteten von April bis Oktober 2025 etwa 68,5 Millionen Fluggäste von den deutschen Hauptverkehrsflughäfen ins Ausland, 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Aber auch hier ist das Niveau der Vor-Corona-Zeit noch nicht wieder erreicht. Die Zahl der Reisenden bleibt 2025 um 2,8 Prozent unter dem Niveau des Rekordsommers 2019.
Im Interkontinentalverkehr sind die USA mit 4,5 Millionen Reisenden aus Deutschland das beliebteste Reiseziel, auch wenn das Passagieraufkommen um 1,4 Prozent im Vergleich zum Sommer 2024 gesunken ist. Verglichen mit 2019 liegt das Minus gar bei 3,6 Prozent. Ein Grund könnte die Ablehnung der umstrittenen Politik von US-Präsident Donald Trump sein. Zweitliebstes Flugziel außerhalb Europas war im Sommer Ägypten mit 1,4 Millionen Reisenden, 12,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Im Luftverkehr mit europäischen Zielen bleibt Spanien das Reiseland Nummer eins: Im Sommer wurden 10,5 Millionen Fluggäste gezählt, ein Plus von rund 1,5 Prozent und auch mehr als das Vor-Corona-Niveau. „Das zweithäufigste europäische Ziel von Flugreisenden aus Deutschland war die Türkei“, teilten die Statistiker mit. 7,7 Millionen Reisenden flogen dorthin, 7,8 Prozent mehr Menschen als im Sommer 2024 und sogar 33,7 Prozent mehr als im Sommer 2019. Auf Platz drei folgt innerhalb Europas Italien. Einen besonders deutlichen Anstieg gab es für Griechenland mit 4,5 Millionen Reisenden, das Plus gegenüber dem Sommer 2019 liegt bei 27 Prozent.
Mitte November hatte die Bundesregierung Maßnahmen zur Unterstützung der Luftfahrtindustrie beschlossen. Zum 1. Juli 2026 soll die Ticketsteuer im Luftverkehr sinken. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verspricht eine Entlastung in einer Größenordnung von etwa 350 Millionen Euro. Auch die Kosten für die Flugsicherung sollen geringer werden. Erst im Mai 2024 hatte die damalige Ampelkoalition die Luftverkehrsteuer deutlich erhöht, dies soll nun wieder zurückgenommen werden. Die Maßnahme wurde von Grünen und Umweltschützern deutlich kritisiert und zusammen mit einer Subvention beim Industriestrompreis als „Geschenk für die fossile Industrie“ kritisiert.
Die Steuer für Starts von deutschen Flughäfen war 2011 von der damaligen schwarz-gelben Bundesregierung auch zur Etatsanierung eingeführt worden. Im Inland und auf Kurzstrecken sind derzeit pro Flug 15,53 Euro fällig, für Mittelstrecken 39,34 Euro und für Fernziele 70,83 Euro. Zahlen müssen dies die Fluggesellschaften.Die Branche fordert seit Langem eine Senkung der Luftverkehrssteuer. International tätige Airlines platzieren ihre Flugzeuge zunehmend an Standorten mit niedrigeren Kosten, dies geht zulasten deutscher Flughäfen.
Auch die Lufthansa kritisierte zuletzt immer wieder, dass andere Fluggesellschaften deutliche Vorteile haben, weil sie niedrigere Kosten und ihren Standort etwa am Golf haben und dort staatlich gefördert werden. Lufthansa hatte zuletzt auch das Angebot an Direktverbindungen von kleineren und mittleren Flughäfen ins europäische Ausland reduziert.
Leonhard Birnbaum leitet Europas größten Stromnetzbetreiber Eon. Der Manager klagt, dass die Energiewende Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden sei: Der Boom bei Ökostrom-Anlagen überlaste die Netze. Birnbaum fordert harte Reformen.
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