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24.02.2026
15:48 Uhr
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Die Schriftstellerin Judith Hermann ist auf den Spuren ihres SS-Großvaters ins polnische Radom gereist. Ein Gespräch über die Verbrechen der Vorfahren, das Schweigen in der eigenen Familie – und eine Rückkehr mit leeren Händen.

Die Schriftstellerin Judith Hermann ist 1970 in West-Berlin geboren und 1998 mit ihrer Kurzgeschichtensammlung „Sommerhaus, später“ bekannt geworden. Für ihre unter dem Titel „Wir hätten uns alles gesagt“ erschienene Poetikvorlesung bekam sie 2023 den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis. (Foto: Andreas Reiberg)
Als Judith Hermann mit ihrem Geschichtenband „Sommerhaus, später“ 1998 schlagartig berühmt wurde, war ihr karger, traumverlorener Stil völlig neu. Vor fünf Jahren sollte sie ihre Literatur bei den Frankfurter Poetikvorlesungen erklären. Im daraus entstandenen Buch „Wir hätten uns alles gesagt“ erzählt sie auch von ihrer Familie, von ihrem depressiven Vater und dessen Mutter, die aus St. Petersburg stammte. Jetzt erscheint „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“: kein Roman, eher ein autobiografischer Essay, mit allen Anzeichen der literarischen Verarbeitung. Es geht darin um den Vater von Judith Hermanns Mutter. Dass dieser Großvater 1932 in die NSDAP eintrat und bei der Waffen-SS war, beschreibt sie als in der Familie bekannte Tatsache. Geredet wurde nicht darüber, erzählt sie, es hieß, man erinnere sich kaum an ihn. Judith Hermann ist 1970 geboren, er starb vor ihrer Geburt. Ihr Buch ist eine Auseinandersetzung mit diesem deutschen Schweigen und ein literarischer Versuch, es zu brechen.
Jim Jarmusch redet gern, sollte man meinen. Sein neuer Film „Father Mother Sister Brother“, mit dem er in Venedig den Goldenen Löwen gewann, besteht ganz aus Gesprächen von Familien untereinander. Zeit, mal zu quatschen – über Pilze, Telepathie und vegane Gangsterrapper.
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