SZ 07.01.2026
16:29 Uhr

(+) Landshuter Allee in München: Tempo 30 auf dem Mittleren Ring soll aufgehoben werden


Das hat Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter nun angeordnet, da sich die Luftqualität stetig verbessert hat. Warum die Stadt trotzdem neue Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung vorbereitet.

(+) Landshuter Allee in München: Tempo 30 auf dem Mittleren Ring soll aufgehoben werden

Seit eineinhalb Jahren müssen Autofahrer auf einem Teilstück des Mittleren Rings vom Gas gehen. Zwischen der sogenannten Parkharfe am Olympiapark und der Donnersbergerbrücke gilt seit Juni 2024 Tempo 30. Schon bald soll dort nun wieder ein weniger striktes Tempolimit von 50 Kilometern pro Stunde gelten. Das hat Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Mittwoch bekannt gegeben. Er habe die Verwaltung beauftragt, die Geschwindigkeitsbegrenzung von Tempo 30 so schnell wie möglich wieder aufzuheben, teilte Reiter mit. Das Referat für Klima- und Umweltschutz (RKU) soll den Luftreinhalteplan der Stadt entsprechend ändern und dem Stadtrat vorlegen.

Zur Erinnerung: Der Stadtrat hatte damals das Tempolimit beschlossen, um die Messwerte für Stickstoffdioxid an der Landshuter Allee zu senken. Mit diesem Beschluss umging das Gremium ein verschärftes Fahrverbot für Dieselautos, das auch für Wagen der Schadstoffklasse Euro 5 gegolten hätte. Etwa 50 000 Autos wären nach Reiters Angaben in München davon betroffen gewesen. Die Entscheidung des Stadtrats fiel nach einem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs im März 2024, das die Stadt zur Einhaltung des Grenzwerts für Stickstoffdioxid verpflichtete. Der liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresdurchschnitt.

Nachdem dieser aber bereits 2024 mit einem Messwert von 39 Mikrogramm unterschritten wurde und 2025 auf 38 Mikrogramm weiter gesunken war, sieht Reiter nun keinen Grund mehr, Tempo 30 beizubehalten. Ein von der Stadt beauftragtes Gutachten stelle für das Jahr 2026 sogar eine deutliche Einhaltung des Grenzwerts mit 35 Mikrogramm in Aussicht, auch bei Tempo 50. Ihm sei von Anfang an wichtig gewesen, die Einschränkungen nicht länger aufrechtzuerhalten als nötig, so Reiter.

Die CSU hatte die Aufhebung des Tempolimits bereits Anfang Dezember beantragt und sieht sich bestätigt. „Tempo 30 am Mittleren Ring ist endlich Geschichte“, sagt CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl. „Jetzt, da die Stickstoffdioxid-Grenzwerte eingehalten werden, ist Tempo 30 nicht mehr verhältnismäßig.“ Nun sei die Verwaltung gefordert, die Maßnahme, die täglich Zehntausende Pendler und Verkehrsteilnehmer belaste, so schnell wie möglich aufzuheben.

Bei den Grünen hingegen sieht man den Vorstoß kritisch. Zwar hatten sie damals anstelle von Tempo 30 ein Fahrverbot gefordert, doch dessen Rücknahme sei nach Einschätzung von Stadtrat Florian Schönemann jetzt dem Wahlkampf geschuldet. „Nun soll eine Maßnahme, die funktioniert, einfach ersatzlos abgeschafft werden, ohne dass ein Vorschlag auf dem Tisch liegt, wie weiterhin für saubere Luft gesorgt werden kann“, sagt Schönemann – zumal derzeit Lastwagen den Landshuter-Allee-Tunnel aus Brandschutzgründen nicht nutzen dürften. „Jetzt fahren täglich zig Laster oberirdisch direkt an den Wohnungen und der Messtation vorbei. Das belastet die Anwohnenden zusätzlich“, so Schönemann.

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Der Grenzwert für Stickstoffdioxid in der Stadt wurde im vergangenen Jahr auch an den anderen Stationen des Landesamts für Umwelt eingehalten. Außer an der Landshuter Allee misst die Behörde auch am Stachus, in Johanneskirchen, in Allach und an der Lothstraße. Auch die Werte an den 51 Messstellen, die die Stadt freiwillig betreibt, lagen 2025 darunter. An 30 dieser städtischen Messstandorte wird sogar der von 2030 an geltende strengere Grenzwert von 20 Mikrogramm unterschritten.

Nach Angaben des RKU ist aber bereits klar, dass weitere Maßnahmen notwendig werden, um den künftig strengeren Wert einzuhalten. Sollte der Grenzwert von 20 Mikrogramm schon dieses Jahr an mehreren Stellen überschritten werden, wovon auszugehen ist, muss die Stadt binnen zwei Jahren einen sogenannten Luftqualitätsfahrplan mit geeigneten Maßnahmen zur Stickstoffdioxid-Reduktion aufstellen, also noch bevor der neue Grenzwert gilt. Das schreibt die EU-Luftqualitätsrichtlinie vor. Das RKU arbeitet schon daran, ob dann neue Fahrverbote oder Tempolimits kommen, steht bislang nicht fest.

Zukunftsweisende Entscheidungen stehen in diesem Jahr an – etwa zu Olympia und in der Stadtpolitik. Das Oktoberfest bekommt neue Wirte und die wichtigste Festival-Arena bleibt geschlossen.

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