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27.11.2025
15:49 Uhr
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Der Chemiekonzern aus Bayern stellt in Burghausen hochreines Silizium für Halbleiter her und beliefert damit die halbe Welt. Doch die Produktion erfordert riesige Mengen Energie – und weil die teuer ist, will Wacker nun beim Personal sparen.

Im Stammwerk von Wacker im oberbayerischen Burghausen hatten einander die Beschäftigten des Chemie-Konzerns schon im Oktober mit sorgenvoller Miene die ersten Gerüchte zugeraunt. Kurz darauf hatte die Münchner Zentrale hohe Verluste zum Ende des dritten Quartals und ein Sparprogramm angekündigt. Am Donnerstag hat die Konzernspitze ihre Pläne präzisiert: Demnach will Wacker in den beiden kommenden Jahren unter anderem 1500 Arbeitsplätze abbauen, die meisten davon in Deutschland.
Das dürfte auch den Standort Burghausen hart treffen, denn dort im Herzen des bayerischen Chemiedreiecks arbeiten bei Wacker bisher mehr als 8000 Menschen, also fast jeder Zweite der weltweit zuletzt 16 600 Wacker-Beschäftigten. Mehr als 2000 Menschen sind noch an anderen deutschen Wacker-Standorten unter anderem in Halle, Jena, Köln und im sächsischen Münchritz tätig. Insgesamt weitere 4000 Menschen beschäftigt Wacker in den Niederlanden, Norwegen, Spanien, Tschechien und Brasilien sowie an jeweils mehreren Standorten in den USA und in Asien.
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In Burghausen stellt der Konzern unter anderem Polysilizium für Halbleiter her, in rund jedem zweiten Computerchip weltweit steckt extrem reines Silizium von Wacker. Doch die Herstellung erfordert riesige Mengen an Energie. Schon jetzt verbrauchen die Unternehmen im bayerischen Chemiedreieck etwa ein Prozent des gesamten deutschen Strombedarfs, ein großer Teil davon geht allein auf das Konto von Wacker in Burghausen. „Insbesondere am Standort Deutschland erweisen sich die viel zu hohen Energiepreise und bürokratische Hemmnisse weiterhin als zentraler Bremsklotz für eine erfolgreiche Entwicklung der chemischen Industrie“, sagte Wacker-Vorstandschef Christian Hartel am Donnerstag.
Obwohl die Energiepreise etwa in China und den USA deutlich niedriger sind, hatte Wacker zuletzt auch in Burghausen weiter investiert. Unter anderem sind erst in diesem Sommer eine neue Fertigungslinie für hochreines Silizium und damit 150 neue Arbeitsplätze entstanden. Wacker hat 300 Millionen Euro in die Anlage gesteckt und dafür Förderungen in Höhe von rund 46 Millionen Euro vom Freistaat, dem Bund und der EU erhalten.
Energieversorger und Netzbetreiber bemühen sich derzeit unter hohem Druck um die nötige Infrastruktur für das Chemiedreieck, dessen Industrie mit dem anvisierten Abschied von Erdöl und Erdgas noch sehr viel mehr Strom benötigen wird als ohnehin schon. So sind leistungsfähige neue Stromtrassen und Umspannwerke geplant; der Burghauser Stadtrat weist gerade Baugebiete für zwei wasserstofffähige Gaskraftwerke aus.
Als reiner Energieträger ist Wasserstoff der Industrie derzeit aber noch zu teuer – zumal sie ihn auf absehbare Zeit noch deutlich dringender als Ausgangsstoff für ihre Produkte benötigt. Erst im September hat die Regierung von Oberbayern dem Fernleitungsnetzbetreiber Bayernets die Pläne für eine Wasserstoff-Pipeline vom benachbarten Österreich ins Chemiedreieck genehmigt.
Der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK ) drängt die Politik angesichts des Sparprogramms bei Wacker zur Eile. Der verkündete Stellenabbau reihe sich ein in zahlreiche ähnliche Meldungen, sagte BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl am Donnerstag. Jeden Monat verliere die deutsche Industrie etwa 10 000 Beschäftigte, davon rund 2000 allein in Bayern. „Wir haben keine Zeit mehr, über die dringend nötige Wirtschaftswende in unserem Land nur zu diskutieren. Im Gegenteil: Die Zeit läuft uns davon. Unsere Betriebe stehen bereits mit dem Rücken zur Wand“, betonte Gößl. Weder die Ampelregierung noch die aktuelle Bundesregierung hätten die nötigen Strukturreformen angepackt. „Der Bundeskanzler fordert Geduld. Wir fordern Taten.“
Das meteorologische Observatorium am Hohen Peißenberg registriert seit 1781 durchgehend das Wetter. Das Messen läuft dort beim Deutschen Wetterdienst längst automatisch, die Wissenschaftler erforschen stattdessen den Klimawandel.
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