SZ 11.01.2026
14:47 Uhr

(+) Krise des Völkerrechts: Allerhöchste Einsturzgefahr


Der Coup von Caracas bestätigt die Diagnose von Christoph Safferling – das Völkerrecht ist bedroht wie nie zuvor. Sein Buch ist zugleich hellsichtige Analyse und eine „Art Selbstanklage“, doch noch möchte er die Hoffnung nicht aufgeben.

(+) Krise des Völkerrechts: Allerhöchste Einsturzgefahr
Staatschef in Handschellen: Ein Graffito des Künstlers Pedro Martin, genannt Marthi, von Venezuelas Präsident Nicolas Maduro in Miami. (Foto: Lynne Sladky/AP)

Kein Geringerer als Wolfgang Naucke, der im September verstorbene Doyen der bundesdeutschen Strafrechtswissenschaft, warf seiner Disziplin einst vor, eine „Schönwetter“-Dogmatik im Umgang mit staatsverstärkter Kriminalität zu betreiben. Diese interessiere sich nur für gewöhnliche Kriminelle, ignoriere dagegen die Täterrolle von Staaten und deren massive Menschenrechtsverletzungen. Seine Kritik formulierte Naucke Mitte der Neunzigerjahre, als sich Strafjustiz und Kriminologie bekanntlich schwertaten, dem DDR-Unrecht mit juristischen Mitteln beizukommen. Seither hat sich die deutsche Haltung zum humanitären Völkerrecht grundlegend verändert. Nicht mehr Verweigerung und Abwehr, sondern ein geradezu emphatisches Bekenntnis bestimmen heute die offizielle Politik. 1998 trat die Bundesrepublik als einer der ersten Staaten dem ständigen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag bei, verabschiedete kurz darauf ein eigenes Völkerstrafgesetzbuch und wirkte als Vorreiter bei der weltweiten Umsetzung des sogenannten Weltrechtsprinzips. Mit Unterstützung des Bundes und des Landes Bayern leistet sich die Stadt Nürnberg eine „Internationale Akademie Nürnberger Prinzipien“, zu deren Aufgaben es gehört, am Geburtsort des modernen Völkerstrafrechts das Erbe der Nürnberger Prozesse zu pflegen und für die Anforderungen der Gegenwart wetterfest zu machen.

Die Top 20 der Redaktion „Das Politische Buch“ zeigen, welche Analysen zu aktuellen Konflikten 2025 aus der Masse hervorstachen – und welche zeithistorischen Werke essenzielle Erkenntnisse brachten.

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: