|
08.01.2026
12:47 Uhr
|
Nach einem „externen Zugriff“ hat das Krankenhaus seine Internetverbindung gekappt. Ob Patientendaten gestohlen wurden, ist unklar. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt.

Noch am Mittwoch haben die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und das bayerische Landeskriminalamt die Ermittlungen nach dem Hackerangriff übernommen. (Foto: Foto: Wikipedia)
Nach einem mutmaßlichen Hackerangriff musste die Kreisklinik Roth in Mittelfranken ihre Notaufnahme für etwa 24 Stunden schließen. Wie das Krankenhaus und das Landratsamt Roth mitteilten, nahm sie am frühen Donnerstagnachmittag wieder ihren Betrieb auf. Zuvor hatte es geheißen, die kommunale Klinik habe wegen eines „externen Zugriffs“ auf das interne IT-Netzwerk sicherheitshalber ihre Internetverbindung nach außen getrennt.
Zu der Frage, ob die Hacker Zugriff auf Patientendaten nahmen, äußerte sich eine Sprecherin des Landratsamts nicht. Nach aktuellem Stand hätten die Sicherheitsmechanismen gegriffen, hieß es in der ersten Mitteilung des Landratsamts am Donnerstagmorgen. Gleichwohl könne nicht ausgeschlossen werden, dass es „kurzzeitig zu einem externen Zugriff“ gekommen ist.
Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.
Noch am Mittwoch hatten die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und das bayerische Landeskriminalamt die Ermittlungen in dem Fall übernommen. Zu möglichen Hintergründen der Täter, ihren Zielen oder der Art des mutmaßlichen Hackerangriffs erteilten am Donnerstag weder Polizei noch Staatsanwaltschaft Auskünfte. Dies sei Gegenstand der Ermittlungen, hieß es von einem Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft.
Der Klinikbetrieb, etwa die stationäre Versorgung und Behandlung im medizinischen Versorgungszentrum, lief der Pressemitteilung des Landratsamts zufolge mit zwischenzeitlicher Ausnahme der Notaufnahme weiter, wenngleich unter besonderen Umständen. Mangels Internetverbindung nach außen nutze man etwa Faxgeräte zur Übersendung von Laborergebnissen oder stelle, wie bis vor Kurzem üblich, Rezepte analog aus. Operationen müssten nicht verschoben werden.
Die Notaufnahme dagegen sei zur Sicherheit der Patienten zeitweise geschlossen worden, weil etwa Empfang und Versand radiologischer Aufnahmen nicht möglich gewesen seien. Die Notfallversorgung in der Region sei dennoch gesichert und die Rettungsleitstelle informiert gewesen, um Notfälle in die umliegenden Krankenhäuser umzuleiten. Angesichts von Schnee und Glätte droht dieser Tage besonders die Zahl der Stürze, Prellungen und Frakturen zu steigen.
Die Sprecherin des Landratsamts betonte, die Menschen in dieser ländlichen Region Mittelfrankens wüssten aber ohnehin, wohin sie sich im Notfall wenden könnten, und nannte das Südklinikum Nürnberg und das Klinikum Altmühlfranken als Alternativen.
Vollständig mit dem Internet verbunden werde die Klinik erst wieder, wenn Ermittlungen sowie forensische Untersuchungen abgeschlossen seien und „aus fachlicher Sicht Entwarnung“ gegeben werden könne, hieß es.
Der mutmaßliche Hackerangriff in Roth wäre nicht der erste auf bayerische Krankenhäuser. Im September 2024 etwa sahen sich die Wertachkliniken in Schwaben einer Attacke auf ihre IT-Systeme ausgesetzt. Im Dezember 2024 berichtete das Klinikum Ingolstadt von einem abgewehrten digitalen Ausspähversuch. Im Juli vergangenen Jahres kam es zu einem Hackerangriff auf den Klinikbetreiber Ameos, der auch in Bayern Standorte hat.
Angesichts der zunehmenden Angriffe auf die kritische Infrastruktur in Deutschland und verschiedener Gefahren für das Gesundheitssystem, darunter Cyberangriffe, kündigte Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) im vergangenen Jahr Investitionen in seine Sicherheit und bayernweit Krisenübungen in Kliniken und Gesundheitsämtern an. Welchen Gefahren Krankenhäuser ausgesetzt sind, zeigte sich zuletzt in Berlin, wo mehrere Kliniken von einem Anschlag auf das Stromnetz betroffen waren.
Zu Beginn dieser Woche forderte Bayerns Gesundheitsministerin Gerlach, Deutschlands Gesundheitssystem müsse im neuen Jahr „stärker als bisher auf Krisen vorbereitet werden“. Aus ihrer Sicht brauche es dabei „dringend“ bundesweite Regelungen, etwa für eine „effiziente Bevorratung von Arzneimitteln“, für die „strategische Patientensteuerung“ und für die „Gesundheitsversorgung der Bevölkerung im Krisenfall“, hieß es in einem Facebook-Post ihres Ministeriums. Gerlach hält daher einen „bundesweiten Gipfel für Gesundheitssicherheit“ für notwendig.
128 Freiwillige kümmern sich im Kreis Coburg um ältere Menschen, damit sie länger selbständig leben können. Eine Reportage über eine Pflegeidee für die Zukunft.
Lesen Sie mehr zum Thema
In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.
Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien
Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: