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06.02.2026
18:06 Uhr
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Die monatelangen Bauarbeiten zwischen Nürnberg und Regensburg haben begonnen, für die wichtige Bahnstrecke zwischen München, Rosenheim und Salzburg gibt es einen ähnlichen Plan. Der stößt auf viel Widerstand.

Für voraussichtlich fünf Monate macht die Deutsche Bahn ihre Strecke zwischen Nürnberg und Regensburg komplett dicht, um in dieser Zeit Gleise, Oberleitungen und Bahnhöfe von Grund auf zu sanieren. Am Freitag haben die Arbeiten begonnen, das formelle Startsignal gab Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter gemeinsam mit seinem CSU-Parteifreund Ulrich Lange vom Bundesverkehrsministerium und dem DB-Vorstand für Infrastrukturprojekte, Gerd-Dietrich Bolte, am Nachmittag in Neumarkt in der Oberpfalz. Zur gleichen Zeit kritisierten mehrere Abgeordnete der Grünen aus Deutschland, Österreich und Südtirol nach einem Treffen in Kufstein ähnliche Sanierungspläne der DB für die Strecke München-Rosenheim-Salzburg.
Auch diese noch einmal deutlich wichtigere Trasse will die Bahn während zweier jeweils fünfmonatiger Vollsperrungen generalsanieren – im ersten Halbjahr 2027 zwischen Rosenheim und Salzburg und im ersten Halbjahr 2028 zwischen München und Rosenheim. Speziell diese sogenannte Korridorsanierung im Abschnitt München-Rosenheim werde zum Fiasko für Pendler, Wirtschaft und den internationalen Warenverkehr, prognostizieren die beiden bayerischen Verkehrspolitiker Victoria Broßart und Markus Büchler zusammen mit grünen Landes- und Bundespolitikern aus Österreich und Südtirol.
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„Die Vollsperrung der für die Region und den internationalen Schienenverkehr mit Österreich und Italien so wichtigen Bahnstrecke ist nicht hinnehmbar“, sagte der bayerische Landtagsabgeordnete Büchler. Die Fahrzeiten mit den geplanten Ersatzbussen würden für Pendler unzumutbar.
Die Rosenheimer Parlamentarierin Broßart, die Obfrau der Grünen im Verkehrsausschuss des Bundestags ist, wies auf die Bedeutung der Strecke für die Wirtschaft und den Warenaustausch mit Österreich und Italien hin. Lieferketten würden massiv beeinträchtigt, Produktionen seien nicht mehr planbar und die Transportkosten unkalkulierbar. So bestehe die Gefahr, dass viele Unternehmen von der umweltfreundlichen Schiene auf Lkws umsteigen. Denn der Alpentransit von Deutschland über Passau, Oberösterreich und die Tauernstrecke sei um 500 Kilometer länger als die Route über Tirol und den Brenner.
Von diesem Wochenende an sind zwei wichtige Bahnstrecken monatelang dicht, eine in Nordrhein-Westfalen und eine in Bayern. Was die Bahn dort plant, warum es für Kritik sorgt - und was das für Fahrgäste bedeutet.
Die grünen Abgeordneten fordern deshalb, die Sanierungspläne der Bahn zu ändern, so lange wie möglich ein Gleis offenzuhalten und die Strecke bei eingeschränktem, aber weiterhin laufendem Betrieb zu sanieren. Die gleiche Forderung hatten im Januar schon die österreichische Westbahn und die Bayerische Regiobahn erhoben, die auf der Rosenheimer Strecke im Fernverkehr fahren und die Regionalverbindungen bedienen.
Bestellt und bezuschusst wird der Regionalverkehr von der staatlichen Bayerischen Eisenbahngesellschaft. Deren Geschäftsführerin Bärbel Fuchs hatte schon vor einem Jahr im Verkehrsausschuss des Landtags den desolaten Zustand des Bahn-Netzes in Bayern beklagt und zugleich starke Zweifel an der Notwendigkeit der geplanten Vollsperrung zwischen München und Rosenheim geäußert. Die Strecke sei in den vergangenen Jahren so ertüchtigt worden, dass Teilsperrungen ausreichen könnten. Eine Vollsperrung werde wohl ein Chaos verursachen.
Die Bahn beharrt indes auf ihrem Konzept der Korridorsanierung mit Vollsperrung, das sie erstmals von Juli bis Dezember 2024 an der sogenannten Riedbahn zwischen Frankfurt am Main und Mannheim erprobt hat. Allerdings standen für diesen Abschnitt vergleichsweise nahe und leistungsfähige Alternativtrassen zur Verfügung, was für die Strecke München-Rosenheim nicht der Fall ist.
Derzeit muss die Strecke zusätzlich einen Teil des Ausweichverkehrs wegen der Vollsperrung zwischen Nürnberg und Regensburg aufnehmen. Diese hat Auswirkungen teils bis auf weit entfernte Nebenbahnen.
Kurz vor den bayerischen Kommunalwahlen machen die Bürgerinitiativen rund um Rosenheim gegen das umstrittene Großprojekt Brenner-Nordzulauf mobil. Die Planung der DB für zwei zusätzliche Bahngleise Richtung Brennerbasistunnel soll noch in diesem Jahr den Bundestag erreichen.
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