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17.12.2025
09:07 Uhr
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In einem ungewöhnlichen Setting präsentiert sich der vom Hip-Hopper zum Schlagerstar gewandelte Apache 207 in München. Bei seinem ersten von drei ausverkauften Konzerten in der Stadt wird er lautstark gefeiert.

Okay, man wusste ja eigentlich, was kommt. Aus dem Internet, den bereits erschienenen Kritiken. Aber wie es dann so da steht, auf der Mittelbühne, dieses große Flugzeug, das nach einem passenden Filmintro und einem großen Knall von einem herunterfallenden Vorhang freigelegt und die nächsten zwei Stunden beim Konzert von Apache 207 in der ausverkauften Olympiahalle als Kulisse dienen wird – doch, das hat schon was. Auch der Moment, in dem sich das Flugzeug quer in der Mitte teilt und Apache 207 alias Volkan Yaman im Pilotenlook mit dem Cockpit nach unten fährt – ein bisschen protzig, klar. Aber gut, das passt ja auch zu diesem Überflieger.
30 Goldene Schallplatten, 15 mal Platin, zweimal Diamant. Meistgestreamter deutscher Künstler des Jahres 2023 auf Spotify. An Superlativen herrscht bei dem 28-jährigen Deutschrapper mit türkischen Wurzeln aus Ludwigshafen am Rhein kein Mangel. Und dazu gehört auch die aktuelle, ausverkaufte Stadien-Tour mit gleich drei Konzerten in der Olympiahalle. In diese Umlaufbahnen hat Apache 207 nicht zuletzt 2023 der gemeinsame Song „Komet“ mit Udo Lindenberg bugsiert. „Und wenn ich geh’. Dann so, wie ich gekommen bin, wie ein Komet“, heißt es da. In der Olympiahalle bringt ihn der Sänger als letzten regulären Song zum Glühen.
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Glühen, brennen oder schmelzen tut auch sonst so einiges bei diesem Konzert. Dazu gehören kleine Flammen, die um das Flugzeug herum aufflackern. Die Leuchtbänder, die alle Fans am Eingang bekommen haben. Und die in der Flugzeug-Metaphorik erst als „rote Anschnallzeichen“ und später als romantische Lichteffekte dienen. Und vielleicht sind auch ein paar Herzen dahingeschmolzen bei dem zwei Meter großen Rapper im dunklen Glanzanzug, mit langem Zopf, dunkler Sonnenbrille und ebensolcher Stimme, der aber eigentlich kein Rapper ist. Also nicht bei diesem von den Fans gefeierten Konzert. Und auch nicht auf der aktuellen Platte „21 Gramm“, von der es an diesem Abend zahlreiche Songs gibt.
Denn was auf der Platte zu hören ist, das sind, und das wurde auch schon mehrfach gesagt, ja, das sind eigentlich Schlager. Die Platte sei zudem seine persönlichste bis jetzt. Hieß es. Etwa weil er in „Morgen“ über die Einsamkeit in seiner 10 000-Euro-Suite singt. Oder in „Fame“: „Mama, schau her, dein Sohn hat es endlich geschafft / Du wurdest eine Millionärin über Nacht.“ Aber vielleicht geht man ihm da nur auf den Leim. Weil er selbst auf dem Album gleich am Anfang behauptet, dass es „ein ehrliches“ ist. Ansonsten ist es aber so, dass man diesen „Apachen“ mit den langen Haaren und der Sonnenbrille doch mehr als Kunstfigur empfindet. Und da passt es auch, dass man ihn am Anfang als eine Art Videospielfigur im Piloten-Look sieht.
Tatsächlich gibt es auch zwischendrin ein kurzes Videospiel als Pausenfüller, bei dem die Fans durch Rufen ein Flugzeug durch 14 Ringe steuern können. Was in München bis ins Ziel klappt. Respekt! Olympia kann kommen! Gerufen und gesungen wird auch sonst viel. Und da wären wir wieder beim Schlager. Die Songs, die, wie Apache 207 verrät, erstmals mit einer vierköpfigen Band live gespielt werden, sind allesamt mitsingbar. Sie sind eingängig, gehen gut ins Ohr, haben unter anderem 80er-Jahre-Pop, Eurodance und ein bisschen Rock als Einfluss. Es gibt viel Autotune, viel Herz und Schmerz. Aber Hip-Hop? Den gibt es abgesehen von ein paar klassischen Rap-Passagen nicht.
Letztere kommen genauso wie die rockigen Momente nach der erwähnten Umzugspause verstärkt zum Tragen. Als Apache 207 statt des feinen Anzugs eine bunte Lederkluft trägt. Da darf der junge Gitarrist bei „GWHF“ dann auch mal ein Solo abliefern, inklusive Feuerfontäne. Apache 207 selbst singt mal im, mal auf dem Flugzeug, mal daneben oder auch darum herum. Bei „Wolken“ schwebt er in einer „magischen Wolke“ durchs Publikum. Und gleich zweimal umrundet er im Konzert die Bühne, um das Publikum abzuklatschen. Einmal holt er auch einen Fan auf die Bühne, der für den Song „Miami“ den Anheizer geben darf. Und bei „Nie mehr gehen“ dürfen sechs Männer von den Flugzeugflügeln herunter ihre Beine baumeln lassen.
Ob das ein Statement ist? Weil für solche Rollen bei Rock- oder Hip-Hop-Machos sonst gerne Frauen auf die Bühne geholt werden? Oder ist es noch ein letztes Symbol für die Straßen-Hip-Hop-Bruderschaft, die in Apaches Musikvideos ja immer noch vielfach beschworen wird, nur hier beim Konzert nicht? Was man sich aber auch ab und zu fragt: Ist das hier eine Schlagerparodie oder meint der Ex-Rapper das alles ehrlich? Aber ist am Ende wohl egal. Denn wie heißt es in „Loser“ richtig: „Alles ausverkauft“.
Markus Kavka hat das Ende des Musikfernsehens miterlebt. Kommt nun das Ende des Jugendradios? Ein Gespräch über drohende Eintönigkeit – und eine Hoffnung.
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