SZ 05.02.2026
10:01 Uhr

(+) Konjunktur: Aufträge in der Industrie steigen stark


Es gibt Hoffnung für die kriselnde deutsche Industrie. Fast acht Prozent mehr Bestellungen stehen in den Büchern. Ein Großteil geht auf die Rüstungsindustrie zurück.

(+) Konjunktur: Aufträge in der Industrie steigen stark
Artilleriemunition in einem Werk des Rüstungsherstellers Rheinmetall. Gerade dieser Wirtschaftssparte ist das Auftragsplus zu verdanken. (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

In der deutschen Industrie mehren sich die Zeichen für eine Trendwende: Im Dezember erhielten die Unternehmen den vierten Monat in Folge mehr Aufträge. Die Zahl der Bestellungen stieg im Monatsvergleich um 7,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Das größte Plus seit Dezember 2023 kommt völlig überraschend: Analysten hatten eher einen Dämpfer erwartet und waren im Schnitt von einem Rückgang um 2,2 Prozent ausgegangen.

Bei dem kräftigen Plus spielten Großaufträge eine wichtige Rolle. Ohne sie wäre der Auftragseingang nur um 0,9 Prozent höher als im Vormonat ausgefallen, erklärten die Statistiker. Dennoch sehen Experten Anlass für Optimismus. „Die deutsche Industrie steht vor einem Aufschwung“, schrieb Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der Liechtensteiner VP Bank. Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) äußerte sich ähnlich: „Das sieht jetzt wirklich sehr stark nach Trendwende aus“, sagte der Ökonom

Im weniger schwankenden Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang im vierten Quartal 2025 um 9,5 Prozent höher als im vorherigen Quartal. „Das ist die stärkste konjunkturelle Erholung, die die deutsche Wirtschaft ⁠seit der Wiedervereinigung erlebt hat – mit Ausnahme des Aufschwungs nach der Pandemie im Sommer 2021“, sagte Ökonom Robin Winkler von Deutsche ‌Bank Research.

Vor allem die Investitionen in die Verteidigung, die durch ein schuldenfinanziertes Ausgabenprogramm getragen werden, haben die Auftragslage der Industrie verbessert. Sowohl im Maschinenbau als auch bei der Herstellung von Metallerzeugnissen wurden laut Statistischem Bundesamt im Dezember erhebliche Zuwächse verzeichnet. In der Automobilindustrie ging der Auftragseingang hingegen um 6,3 Prozent im Monatsvergleich zurück.

Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung, sprach von einem „fulminanten Auftragsschub“ für die Industrie im Dezember. Das Auftragsvolumen habe ein Niveau wie zuletzt Anfang 2022 erreicht. „Das Quartalsplus bei den Auftragseingängen ist dabei ein weiteres Indiz, dass die steigenden Staatsausgaben im neuen Jahr die Wirtschaft ankurbeln werden.“ Auch der Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung sieht vor, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um ein Prozent wachsen wird.

Erstmals stellt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche einen Jahreswirtschaftsbericht vor. Sie nutzt das vor allem, um Reformen einzufordern – denn das bisschen Wachstum reicht ihr nicht.

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