SZ 24.11.2025
09:01 Uhr

(+) Kommunalwahlen: Wildpoldsried bootet Bürgermeisterin aus – ganz ohne Wahl


Auf Antrag der Freien Wähler wird der hauptamtliche Bürgermeisterposten zum Ehrenamt. CSU-Bürgermeisterin Schön sagt, als Mutter könne sie es sich nicht leisten, einen Vollzeitjob im Ehrenamt auszuführen – und zieht ihre Bewerbung zurück.

(+) Kommunalwahlen: Wildpoldsried bootet Bürgermeisterin aus – ganz ohne Wahl
Renate Schön beklagt ein „bedauerlich undemokratisches und diskriminierendes Politikmanöver“. (Foto: www.deniffel.eu)

Die Kommunalwahlen in Bayern finden erst in ein paar Monaten statt, am 8. März 2026. Der Wahlkampf läuft, Parteien und Kandidaten bringen sich in Stellung. In Wildpoldsried im Allgäu dagegen ist die Wahl bereits seit ein paar Tagen gelaufen – ganz ohne Wahl. Die örtlichen Freien Wähler haben es mit Hilfe des politischen Konkurrenten geschafft, die amtierende CSU-Bürgermeisterin Renate Schön auszubooten. Ein „bedauerlich undemokratisches und diskriminierendes Politikmanöver“ nennt Schön das.

Die Aufregung ist groß in Wildpoldsried. Seit sechs Jahren amtiert Schön als hauptamtliche Bürgermeisterin, sie hat einiges angeschoben in dem kleinen Dorf. Nun allerdings hat der Gemeinderat auf Antrag der Freien Wähler in einer von zahlreichen Bürgern besuchten Sitzung entschieden, das Bürgermeisteramt wieder zum Ehrenamt zu machen. Das mutet seltsam an in einer Zeit, in der die Aufgaben für Kommunen immer komplexer werden. Es mutet aber noch seltsamer an, wenn man die Begründung kennt, die Bürgermeisterin Schön im Gemeindeblatt Duranand anführt und die so auch in der örtlichen Presse kommuniziert wird: Die Freien Wähler wollen selbst einen Kandidaten zur Wahl stellen, Schöns Stellvertreter. Der ist jedoch pensioniert und will als hauptamtlicher Bürgermeister nicht auf seine Pension verzichten. Im Ehrenamt dagegen könnte er zusätzlich eine stolze Aufwandsentschädigung beziehen.

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Schön findet all dies diskriminierend und undemokratisch, weil sie sagt, sie habe über viele Jahre die Erziehung ihrer Kinder übernommen. Sie könne es sich nun nicht leisten, einen Vollzeitjob im Ehrenamt ohne Sozialversicherung und Altersvorsorge zu übernehmen. „Ich werde damit faktisch aus dem Amt gedrängt.“ Sie hat das so auch kommuniziert, vor der Abstimmung, weshalb die Freien Wähler den Gemeinderat mit ihrem Antrag letztendlich dazu gezwungen haben, eine Vorentscheidung um den Bürgermeisterposten zu treffen. Weitere aussichtsreiche Kandidaten gibt es nicht in Wildpoldsried.

Die Allgäuer Zeitung hat CSU-Räte befragt, warum sie ihrer Parteifreundin in den Rücken fallen, erhellende Antworten gab es nicht. Einer der Räte teilte mit, er sei grundsätzlich der Überzeugung, dass es besser wäre, beim Hauptamt zu bleiben. „Dann könnten die Wähler entscheiden, wer Bürgermeister bleiben soll.“ Fürs Ehrenamt hat er aber trotzdem gestimmt.

Renate Schön wiederum hat überregional einen guten Ruf, weshalb sie nun wohl doch hauptamtliche Bürgermeisterin bleiben kann. Ein anderer CSU-Ortsverband ist auf sie zugekommen, angesichts der Posse in Wildpoldsried hat sie das dortige Angebot gerne angenommen: Sie wird sich nun in Bad Grönenbach als Bürgermeisterin bewerben. Einen Gegenkandidaten gibt es bislang nicht.

Ein Tierschutzaktivist filmt mit versteckter Kamera, wie Arbeiter Kälbern und Kühen gegen den Kopf treten und sie schlagen, bis der Stock bricht – ausgerechnet auf dem Hof, der bereits 2019 im Fokus des Allgäuer Tierschutzskandals stand. Experten sprechen von „krassen Bildern“.

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