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22.02.2026 12:20 Uhr |

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Dass sich Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) am 8. März erneut zur Wahl des Münchner Oberbürgermeisters stellen kann, hat er ironischerweise dem CSU-Ministerpräsidenten Markus Söder zu verdanken: Der initiierte vor drei Jahren, dass die Altersgrenze für Landräte und Bürgermeister in Bayern aufgehoben wurde; bis dahin durften sie beim Amtsantritt nicht älter als 66 Jahre sein. Die Gesetzesänderung eröffnete dem inzwischen 67 Jahre alten Reiter die Möglichkeit, in diesem Jahr ein weiteres Mal anzutreten.
34 Fragen zum Durchklicken – und am Ende ein Ergebnis: Mit dem SZ-Wahlcheck finden Sie heraus, welche Partei bei der Kommunalwahl in München Ihrer Meinung am nächsten kommt.
Seine erste Amtszeit begann 2014, die zweite 2020 – beide Male setzte er sich jeweils in der Stichwahl gegen Konkurrenz aus der CSU durch, erst gegen Josef Schmid, dann gegen Kristina Frank. Als Reiter 2014 die Nachfolge seines Parteikollegen Christian Ude übernahm, der damals noch aus Altersgründen nicht mehr kandidieren konnte, beendete er eine fast 25 Jahre bestehende rot-grüne Koalition im Stadtrat und regierte mit einer schwarz-roten Mehrheit. Weil die Grünen 2020 stärkste Fraktion wurden und mit den Christsozialen keine Mehrheit mehr möglich war, stand Reiter in den vergangenen sechs Jahren wieder einem Bündnis mit den Grünen vor, diesmal mit seiner SPD als Juniorpartner. Er hat den Koalitionspartner freilich oft spüren lassen, dass er mit der CSU glücklicher wäre.
Der diplomierte Verwaltungswirt arbeitet seit dem Abschluss seines Studiums bei und für die Landeshauptstadt München, zunächst in verschiedenen Funktionen in der Stadtkämmerei. 2009 wurde er vom Stadtrat zum Referenten für Arbeit und Wirtschaft gewählt, aus diesem Amt heraus bewarb er sich dann erfolgreich als Oberbürgermeister. Seine bisherige Amtszeit war geprägt von globalen Krisen, erst die Flüchtlingswelle 2015, zu Beginn der Zwanzigerjahre dann die Corona-Pandemie.
Reiter versteht sich als lösungsorientierter Pragmatiker, nicht als Ideologe. In der Parteiarbeit engagiert er sich nicht sonderlich, ein Amt in der Münchner SPD hatte er nie. Trotzdem kürten ihn die hiesigen Sozialdemokraten mit einer überwältigenden Mehrheit im November zu ihrem offiziellen OB-Kandidaten. In seiner Dankesrede sagte Reiter, er wolle „mit Hirn, Herz und Handlungen“ die Stadt gestalten. Wichtigster Punkt in seiner Politik ist bezahlbarer Wohnraum; das Thema Wohnen und Mieten stand bereits 2020 ganz oben auf seiner Agenda.
Die SZ hat die Münchner OB-Kandidaten der drei größten Parteien zum Interview ohne Worte gebeten: Welche zarte Seite Clemens Baumgärtner offenbart, warum Dominik Krause zum Bohrer greift und welche Sportart Dieter Reiter liebt (außer Fußball).
Zumindest indirekt hat es auch Dominik Krause (Grüne) der Aufhebung der Altersgrenze zu verdanken, dass er nun für seine Partei als OB-Kandidat antritt. Dabei ist Krause erst 35 Jahre alt und damit nur unwesentlich älter als es Hans-Jochen Vogel (SPD) war, als dieser 1960 mit 34 Jahren zum jüngsten Oberbürgermeister der Münchner Geschichte gewählt worden ist.
Ursprünglich hatte sich Krauses Parteifreundin Katrin Habenschaden gute Chancen bei der OB-Wahl 2026 ausgerechnet, doch als klar war, dass sie dann erneut gegen Dieter Reiter antreten müsse, zog sie sich im Herbst 2023 aus der Politik zurück und wechselte zur Deutschen Bahn. Das Amt des Zweiten Bürgermeisters übernahm damals Dominik Krause, bis dahin Co-Vorsitzender der Fraktion von Grünen und Rosa Liste.
Bei den Münchner Grünen hatte Krause zu dieser Zeit schon alle Führungspositionen durchlaufen: Er war Chef der Grünen Jugend (von 2012 bis 2014), dann auch des Kreisverbands (2019/2020), schließlich Vorsitzender der Stadtratsfraktion (2022/23). In den Stadtrat gewählt wurde er erstmals 2014, also mit 23 Jahren.
Mehr als ein Dutzend Oberbürgermeister-Kandidaten und ein riesiger Stimmzettel, auf dem für den Stadtrat 80 einzelne Stimmen vergeben werden können – was bei der Kommunalwahl zu beachten ist.
Nach seinem Zivildienst hatte Krause Physik an der TU München studiert; in seiner Masterarbeit beschäftigte er sich mit dem Energiesystem der bayerischen Landeshauptstadt. Er weiß also, wovon er spricht, wenn er eine Energiewende propagiert. Und als passionierter Radfahrer und Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs kann er auch auf eigene praktische Erfahrungen verweisen, wenn er sich für eine Verkehrswende engagiert. Auf einen Dienstwagen, der ihm als Bürgermeister zustehen würde, hat Krause verzichtet.
Als Dieter Reiter im vorigen Jahr wegen einer Schulter-Operation mehrere Wochen krankgeschrieben war, führte Krause als sein erster Stellvertreter die Amtsgeschäfte ohne größere Aufregung weiter. Diese Phase habe ihn ermuntert und ermutigt, die Stadt auch über einen längeren Zeitraum zu regieren und zu gestalten, sagte er unlängst in einer Gesprächsrunde. In Rathaus-Kreisen gilt Dominik Krause als korrekt und durchaus abwägend. „Er trifft niemals eine Entscheidung aus dem Bauch heraus“, sagt die Fraktionsvorsitzende Mona Fuchs: „Er trifft sie immer aufgrund von wissenschaftlichen Erkenntnissen.“
Obwohl die CSU ihren OB-Kandidaten Clemens Baumgärtner bereits sehr früh benannt hatte, nämlich im Juli 2024, präsentierte sie der breiten Öffentlichkeit auf den Wahlkampfplakaten und -bildern lange Zeit nur eine dicke, runde, blaue Brille. Erst in jüngerer Vergangenheit wurde das Gesicht dahinter zunehmend sichtbar.
Baumgärtner hat seine Kampagne ganz auf diese Brille abgestellt. Mit einer gewisser Selbstironie verriet er einmal, dass er mit dem markanten Gestell die Blicke von seiner Leibesfülle ablenken wolle. Inzwischen hat er zwar deutlich abgenommen, die Brille ist als Markenzeichen geblieben.
Im Rennen um den OB-Sessel hat der 49-Jährige eine schwierigere Ausgangsposition als seine Konkurrenten Reiter und Krause: Im Gegensatz zu denen kann er nicht aus einem Amt heraus kandidieren, ist also nicht schon dank einer Funktion in der Öffentlichkeit präsent.
Sechs Jahre lang hat die SZ überprüft, was aus dem Koalitionsvertrag eingelöst wurde – von Wohnen, über Radfahren bis Kitas. Die große Bilanz im interaktiven München-Tracker.
Der Wirtschaftsanwalt Baumgärtner war 2018 als Nachfolger seines Parteifreunds Josef Schmid zum Referenten für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt gewählt worden; als solcher war er auch für das Oktoberfest verantwortlich. Aus dieser prestigeträchtigen Position wurde Baumgärtner dann am Ende seiner Amtszeit abgewählt, weil die SPD ihren Kandidaten Christian Scharpf an seiner Stelle installieren wollte. Seit März 2025 ist Baumgärtner deshalb ohne ein städtisches Amt. Für den OB-Wahlkampf hat er sich ein Jahr Zeit genommen, in dieser Zeit lebe er von Erspartem, teilte er mit.
In der sichersten und wirtschaftlich stärksten Großstadt Deutschlands setzt Baumgärtner in seinem Wahlkampf schwerpunktmäßig auf die Themen Sicherheit und Wirtschaft – klassische Gebiete der CSU. „Ideologie und Bevormundung lehne ich ab“, sagt Baumgärtner, er stehe „für eine pragmatische und sachorientierte Politik“. Wer das bezweifelt, den verweist er darauf, dass er im Bezirksausschuss Untergiesing-Harlaching zwischen 2012 und 2018 einem schwarz-grünen Bündnis vorgestanden habe.
In seine Amtszeit als Wirtschaftsreferent fallen der Umzug der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA von Frankfurt nach München und die Ansiedlungen von global tätigen Unternehmen wie Apple und Google. Außerdem gilt er als der Mann hinter den zehn Großkonzerten der britischen Pop-Sängerin Adele auf dem Riemer Messegelände im August 2024.
Dieter Reiter bewirbt sich für eine dritte Amtszeit. Gegen wen tritt er an? Eine Vorstellung aller Anwärter vom Ex-Kultusminister bis zu einem Doppel-Wumms – mit einer längst überholt geglaubten Männerdominanz.
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