SZ 09.12.2025
09:08 Uhr

(+) Kinderpsychiater vor Gericht: Ein Prozess wird zur Farce


Der prominente Arzt Michael Winterhoff soll Kinder und Jugendliche nach zweifelhaften Diagnosen mit Medikamenten ruhiggestellt haben. Doch vor Gericht häufen sich die seltsamen Szenen.

(+) Kinderpsychiater vor Gericht: Ein Prozess wird zur Farce
Michael Winterhoff im vergangenen Februar vor dem Landgericht Bonn. Der Kinderpsychiater und Buchautor ist wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung angeklagt. (Foto: Christoph Hardt/IMAGO/Panama Pictures)

Nach gut 50 Prozesstagen hatte das Landgericht Bonn Stephan Bender geladen, den Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Köln. Er ist im Verfahren gegen den Bonner Kinderpsychiater Michael Winterhoff der Hauptsachverständige und sollte beurteilen, ob dessen Behandlungen medizinisch gerechtfertigt waren oder nicht. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat der angeklagte Arzt junge Patienten misshandelt und in ihrer Gesundheit geschädigt, indem er ihnen auf der Grundlage von Diagnosen, die in der Fachwelt nicht anerkannt sind, Pipamperon verschrieb. Das Medikament wirkt sedierend und kann schwere Nebenwirkungen verursachen. Mit zehn Fällen ehemaliger Patientinnen und Patienten Winterhoffs hat sich das Gericht seit Mitte Februar beschäftigt. Der Kinderpsychiater und Bestsellerautor, der 2008 mit dem Buchtitel „Warum unsere Kinder zu Tyrannen werden“ bekannt wurde, bestreitet alle Vorwürfe.

Im Prozess um den Jugendpsychiater Michael Winterhoff wird immer klarer: Er hatte wohl freie Hand. Kaum jemand schien zu hinterfragen, welche Medikamente er den Kindern verschrieb. Über ein Verfahren, das an sich selbst scheitern könnte.

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