|
08.12.2025
14:14 Uhr
|
Die Uni Passau hat eine Studie zu Missbrauchsfällen im Bistum erstellt. Die Diözese ist damit zwar relativ spät dran – aber nicht so spät wie andere in Bayern.

Vor sieben Jahren hat die sogenannte MHG-Studie der katholischen Kirche in Deutschland Entsetzen ausgelöst. Tausende Missbrauchsfälle, Täter und Opfer listete die Untersuchung 2018 auf. Seither haben mehrere Bistümer genauer hingeschaut oder hinschauen lassen – so nun auch die Diözese Passau. Am Montag veröffentlicht die Universität Passau die Ergebnisse einer Aufarbeitungsstudie mit dem Titel „Sexueller Missbrauch und körperliche Gewalt. Übergriffe auf Minderjährige durch katholische Geistliche im Bistum Passau 1945 bis 2022“.
Ende November hatten die Forscher die Studie bereits der Unabhängigen Aufarbeitungskommission und dem Unabhängigen Betroffenenbeirat des Bistums sowie Bischof Stefan Oster übergeben. Nun soll auch die Öffentlichkeit informiert werden. Die Studie werde „offenlegen, welches Leid, Unrecht und welchen Missbrauch Menschen in unserer Kirche erfahren haben“, sagte Oster.
Passau ist damit vergleichsweise spät dran. Bereits vor drei Jahren wurde eine viel beachtete Studie über Missbrauchsfälle in der Erzdiözese München und Freising veröffentlicht, die weltweit Schlagzeilen machte: Sie warf Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., vor, in seiner Zeit als Münchner Erzbischof einen verurteilten Missbrauchstäter als Priester eingesetzt zu haben, ohne die betroffenen Gemeinden darüber zu informieren.
Eine Untersuchung zum Bistum Würzburg erschien im Frühjahr dieses Jahres und eine zu Augsburg erst kürzlich im Herbst. Für die Erzdiözese Bamberg sowie die Bistümer Eichstätt und Regensburg stehen Gutachten noch aus. In Eichstätt und Bamberg soll es jeweils Anfang 2027 erscheinen, in Regensburg ist eine Studie für 2027 oder 2028 eingeplant – „vielleicht sogar früher“, wie ein Sprecher mitteilt.
Sagt ausgerechnet Ulrich Weber, der Hunderte Opfer in der katholischen Kirche ermittelt hat. Über den erstaunlichen Erfolg eines Mannes, den alle unterschätzt haben. Womöglich sogar die Kirche selbst.
Unabhängig von diesen wissenschaftlichen Aufarbeitungen haben aber alle Bistümer im Freistaat an Betroffene Anerkennungsleistungen ausgezahlt, die inzwischen in die Millionen gehen. Tausende Anträge wurden seit 2021 gestellt, allein im Bistum Würzburg waren es insgesamt 71.
Das Erzbistum München und Freising hat bisher an 88 Opfer sexualisierter Gewalt fast 2,2 Millionen Euro gezahlt – insbesondere als Leistungen zur Anerkennung des Leids, das die Betroffenen erfahren haben.
Das Bistum Augsburg listet bereits Zahlungen seit 2010 auf. Seither habe die Diözese „aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls in 118 Fällen sexuellen Missbrauchs und 56 Fällen körperlicher Gewalt Anerkennungsleistungen ausgezahlt; in 30 Fällen wurden sowohl Anerkennungsleistungen für sexuellen Missbrauch als auch für körperliche Gewalt ausbezahlt“, wie ein Sprecher mitteilte. Die in den vergangenen 15 Jahren ausgezahlte Gesamtsumme für Anerkennungsleistungen und Therapien beträgt demnach mehr als 5,4 Millionen Euro.
Die Bistümer haben aus den Erkenntnissen der vergangenen Jahre Konsequenzen gezogen: In der Erzdiözese München und Freising gibt es ein Dialogforum für Betroffene, im Dom wurde ein Mahnmal enthüllt. Das Bistum Augsburg erarbeitet Schutzkonzepte für Pfarreien und hat einen Psychologen für das Priesterseminar eingestellt.
Dass es allein mit der Erstellung eines Gutachtens nicht getan ist, zeigen Zahlen aus München. Dort sind seit der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie im Jahr 2022 etwa 40 neue Meldungen eingegangen, „bei denen die Betroffenen einen Antrag auf Zahlung in Anerkennung des Leids gestellt haben und deren Vortrag als plausibel eingestuft wurde“, wie eine Sprecherin des Bistums sagte.
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, „Tausende Anträge wurden seit 2021 gestellt, allein im Bistum Würzburg waren es insgesamt 4326.“ Die Zahl ist falsch, die Deutsche Presseagentur hat sie korrigiert. Im Bistum Würzburg waren es 71.
Ist die Betriebswirtin Ulrike Scharf die richtige Sozialministerin, jetzt, da der Freistaat sparen muss? Oder genau die falsche? Über eine Frau, die gerade schwer am Markenkern der CSU operiert.
Lesen Sie mehr zum Thema
In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.
Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien
Gutscheine: