SZ 13.01.2026
16:29 Uhr

(+) Jugendsprache: Ist „unc“ das neue „Boomer“?


Ein neues Jugendwort macht sich über „Onkelhaftes“ lustig. Und manche fragen sich, ob das nur eine weitere Spielart von „Du nervst, Alter“ ist. Ganz und gar nicht!

(+) Jugendsprache: Ist „unc“ das neue „Boomer“?
Harry Potters unsympathischer Verwandter Vernon Dursley (hier dargestellt von Richard Griffiths) gehört nicht gerade zu der Art Onkel, für die die Gen Alpha gerade das Wort unc benutzt. (Foto: imago stock&people/imago stock&people)

„Altertümlich und onkelhaft“, nannte kürzlich eine bedeutende Literaturkritikerin die Sprache im Roman eines noch relativ jungen deutschen Schriftstellers, und da ist man schon ein bisschen erschrocken, denn „onkelhaft“, das könnte in diesem Zusammenhang womöglich auch als Tadel gemeint gewesen sein. Der Autor, um den es hier ging, ist mit rund 40 Jahren übrigens genauso alt wie der US-Musikproduzent, den eine Sängerin dieser Tage als „unc“ (Abkürzung für uncle, in diesem Fall „onkelig“) bezeichnete. Das Wort unc verwendete jetzt auch ein Hollywoodstar in seinem Post bei Instagram. Zu seinem 30. Geburtstag nannte er sich selber so.

Das Onkelhafte ist zurück, englischsprachige Medien wie der Guardian fragen sich bereits, ob unc das neue „Okay, Boomer“ sei, also so eine Art: „Du nervst, Alter.“ Jedenfalls hätte die Zahl der Online-Suchanfragen, welche nach der Bedeutung von unc fragten, zuletzt stark zugenommen, während Six-Seven (einerseits, andererseits), Aura Farming (anderen beweisen, wie toll man ist), gurting (etwas Beeindruckendes, womöglich aber auch Gefährliches tun), glazing (jemanden übertrieben loben) oder tuff (boah, krass!) sich jugendsprachlich bereits wieder auf dem, das klingt jetzt vielleicht etwas onkelig, absteigenden Ast befänden. Seinen Ursprung soll unc übrigens im afroamerikanisch geprägten Englisch haben.

Von Onkel Wanja bis Onkel Pö, von Onkel Tom bis Onkel Bill, von Onkel Oswald bis Onkel Fester – im Grunde hatte man doch nie was gegen diese Typen, solange sie einem nur nicht zu nahe kamen und einen auf Onkelchen machten. Solange sie kein böser Onkel Scar, Scrooge oder Dursley waren. Meistens waren Onkel sogar recht witzig, so wie der Onkel, den der Franzose Jacques Tati im Film „Mon Oncle“ spielte. (Haben wir „Charleys Tante“ hier eigentlich auch schon erwähnt?)

Manche Onkelfiguren ließen einen als Kind wunderbar träumen. Also so, wie Janoschs Onkel Poppoff, der sogar zum Luftschloss in den Abendwolken fliegen konnte, oder der „Kleine Onkel“ aus dem Pippi-Langstrumpf-Buch von Astrid Lindgren, der ja eigentlich ein Pferd war. Das war übrigens zu einer Zeit, in der Filme im Kino gezeigt wurden, die Titel wie „Tante Trude aus Buxtehude“  oder „Onkel Paul, die große Pflaume“ trugen. Was haben die Boomer da immer gelacht.

Nicht zu vergessen: „Uncle Sam“, unser reicher Onkel aus Amerika, der war schon auch immer so eine Idealfigur, mit seiner Cola und dem Kaugummi. Nur: Was aus dem jetzt geworden ist. Schlimm. Da ist Onkel Dagobert echt nichts dagegen. Jedenfalls, da hat Johann Wolfgang von Goethe schon recht, es ist vor allem die geistige, die Wahl-Verwandtschaft, welche den Kern wahren Onkel-Daseins ausmacht. Nicht unbedingt die Blutsverwandtschaft. Das Wort unc ist von der Gen Alpha und der Gen Z für Ältere übrigens eher nett gemeint. Es gibt also wieder Hoffnung, für die Welt.

Als bei der Dart-WM vor wenigen Tagen mal ein schottischer Spieler die Nerven verlor und sich auf offener Bühne wütend die Hand an einem Tisch blutig schlug, da wurde er von erschrockenen Berichterstattern gefragt, was denn da los gewesen sei mit ihm. Er antwortete schlicht: „Mein Onkel ist gestorben.“ Das hat wirklich jeder sofort verstanden.

Der Wiener Dompfarrer Toni Faber nennt den Zölibat einen „dehnbaren Begriff“, zeigt sich gerne mit Prominenten und tanzt sich mit seinen wechselnden Lebensgefährtinnen durch die Bälle. Wie hält die katholische Kirche so jemanden aus – und umgekehrt? Ein Besuch.

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