SZ 15.01.2026
13:18 Uhr

(+) Italien: Verfahren gegen Influencerin Chiara Ferragni eingestellt


Der Unternehmerin wurde Betrug mit einem Weihnachtsgebäck vorgeworfen. Obwohl Chiara Ferragni wegen des „Pandorogate“ nicht ins Gefängnis muss, ist der Imageschaden enorm.

(+) Italien: Verfahren gegen Influencerin Chiara Ferragni eingestellt

Zu Weihnachten teilt Italien sich in zwei Lager, Team Panettone hier, Team Pandoro dort. Es geht, wie so oft bei hitzigen italienischen Diskussionen, ums Essen, genauer um Gebäck. Während der Panettone aus Mailand mit seinen kandierten Früchten längst auch über Italien hinaus bekannt ist, muss man Pandoro oft erst noch vorstellen: weitaus fluffiger, aus Verona, sternförmig, mit Puderzucker serviert. Ein wenig aber ist der Pandoro in den vergangenen Jahren international bekannter geworden, und das ist das wahrscheinlich unabsichtliche Verdienst von Chiara Ferragni.

Die Influencerin und Unternehmerin hatte zwischen 2021 und 2022 einen teuren „Pink Christmas Pandoro“ beworben – und landete infolgedessen vor Gericht. Der Anklage zufolge suggerierte die Werbekampagne, dass pro verkauftem Pandoro eine Spende zur Behandlung krebskranker Kinder an ein Krankenhaus gehen würde, obwohl der Spendenanteil bereits zuvor unabhängig vom Verkauf feststand. Ähnlich soll eine ihrer Kampagnen für Ostereier funktioniert haben. Ferragni wurde schwerer Betrug vorgeworfen, die Staatsanwaltschaft forderte ein Jahr und acht Monate Haft. Am Mittwoch kam das Gericht in Mailand zu dem Urteil, dass die Unternehmerin strafrechtlich nicht mehr belangt werden kann. Sie muss nicht ins Gefängnis, das Verfahren wird eingestellt.

Der Imageschaden ist dennoch gewaltig. Der Fall wurde als „Pandorogate“ monatelang international diskutiert, in Italien schaffte es der Neologismus sogar ins Lexikon der ehrwürdigen „Enciclopedia Treccani“. Ferragni verlor Follower und Werbepartner. 2024 war für sie das, was 1992 für die Queen war: ein annus horribilis, ein schreckliches Jahr, geprägt von Skandalen. Bei Ferragni kam zu Pandorogate die Trennung von ihrem Ehemann, dem Rapper Fedez. Zusammen waren die beiden Italiens Glamourpaar schlechthin gewesen, bekannt als „Ferragnez“, eine Marktmacht, auch mit politischem Gewicht. Wenn sie sich etwa mit Giorgia Meloni überwarfen und für LGBTQ-Rechte einsetzten, war die Aufmerksamkeit garantiert.

Dem Corriere della Sera sagte Ferragni jetzt, sie habe sehr unter der Trennung gelitten: „In meinem einzigen Moment der Not kam es zu einer öffentlichen Trennung, ich fühlte mich völlig verlassen.“ Sie habe zwei Jahre durchlebt, in denen alles schiefgegangen sei, was schiefgehen konnte. Beide veröffentlichen keine Bilder mehr der beiden gemeinsamen Kinder, dabei war das Bild der glücklichen Familie lange zentral für die Marke Ferragni.

In Bezug auf Pandorogate hat die Unternehmerin immer ihre Unschuld beteuert und sich für „Kommunikationsfehler“ entschuldigt. Unabhängig von der Einstellung des strafrechtlichen Verfahrens bleibt die Entscheidung von Italiens Wettbewerbsbehörde. Das Kartellamt kam Ende 2023 zu dem Schluss, dass es sich bei Ferragnis Pandoro-Aktion um unlauteren Wettbewerb handelte und verhängte ein Bußgeld von einer Million Euro. Sie überwies zusätzlich zwei Millionen Euro an eine gemeinnützige Organisation.

Der zuständige Richter urteilte nun, dass es sich aus strafrechtlicher Sicht zwar um Betrug gehandelt habe, jedoch ohne erschwerende Umstände. Ein einfacher Betrug kann aber nur auf Antrag verfolgt werden. Ursprünglich hatte eine Verbraucherschutzorganisation Ferragni angezeigt. Die Organisation einigte sich jedoch mit der Unternehmerin, Ferragni spendete weitere 200 000 Euro für wohltätige Zwecke, woraufhin die Verbraucherschützer ihre Anzeige zurückzogen. Damit war laut Gericht der Grund für eine Strafverfolgung weggefallen.

Die Frage ist, wie es nun mit der angeknacksten Marke Chiara Ferragni weitergeht. Trotz Einbußen hat die Influencerin immer noch fast 30 Millionen Follower allein auf Instagram, und während es zwischenzeitlich ruhiger um sie war, war sie zuletzt wieder bei Mode-Events zu sehen. Nun wird also über ein Comeback spekuliert. Im Corriere della Sera sagte Ferragni nach der Gerichtsentscheidung, über sich selbst in der dritten Person sprechend: „Ich hoffe, dass sie wiedergeboren wird.“ Sie sei jetzt aufmerksamer, bewusster, authentischer. Und wolle, dass man sie fortan so wahrnehme, wie sie wirklich sei.

Chiara Ferragni folgen 30 Millionen Menschen auf Instagram, aber nun ist auch die Staatsanwaltschaft hinter ihr her - wegen Betrugsvorwürfen. Findet ihre beeindruckende Karriere ein hartes Ende?

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