SZ 12.01.2026
21:10 Uhr

(+) Iran: Zahl der Todesopfer steigt – Mullah-Regime bestellt Botschafter ein


Mindestens 648 Menschen sind nach Angaben von Menschenrechtlern seit Ausbruch der Proteste ums Leben gekommen. Derweil fordert Teheran eine Rücknahme von Solidaritätsbekundungen europäischer Regierungschefs.

(+) Iran: Zahl der Todesopfer steigt – Mullah-Regime bestellt Botschafter ein

Bei den landesweiten Protesten gegen die autoritäre Staatsführung in Iran sind nach Angaben von Menschenrechtlern etwa 650 Demonstranten getötet worden. Die Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Oslo bezifferte am Montag die Toten seit Ausbruch der Proteste Ende Dezember auf mindestens 648.

„Gleichzeitig deuten unbestätigte Berichte darauf hin, dass mindestens mehrere Hundert Menschen, einigen Schätzungen zufolge sogar mehr als 6000, getötet worden sein könnten“, schrieb die Organisation auf der Plattform X. Die Zahl der Festnahmen übersteige einigen Schätzungen mehr als 10 000, hieß es weiter. Iranische Staatsmedien und Aktivisten berichteten in den vergangenen Tagen außerdem über Dutzende Sicherheitskräfte, die bei den Unruhen getötet worden seien.

Iran hat nach Solidaritätsbekundungen europäischer Regierungschefs für die Proteste im Land nach eigenen Angaben die Botschafter aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien ins Außenministerium einbestellt. In einer Mitteilung des staatlichen Rundfunks hieß es, man habe bei dem Treffen Videos der Unruhen gezeigt. Die „gewalttätigen Handlungen“ hätten die Grenzen friedlicher Demonstrationen überschritten.

Aus dem Auswärtigen Amt war zu hören, der deutsche Botschafter sei einbestellt worden. Auch das Außenministerium in Paris bestätigte die Einbestellung des Botschafters. Irans Außenminister Abbas Araghchi habe mit den europäischen Botschaftern die aktuellen Entwicklungen in dem Land thematisiert. Die europäischen Botschafter hätten ihre Besorgnis nachdrücklich zum Ausdruck gebracht, hieß es in Paris.

Aus London gab es keine ausdrückliche Bestätigung für die Einbestellung. Aus Regierungskreisen hieß es lediglich, der Botschafter habe einen geplanten Termin im iranischen Außenministerium in Teheran wahrgenommen. Die britische Außenministerin Yvette Cooper hatte zuvor den Mut insbesondere der Demonstranten gelobt. Das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Versammlungsfreiheit seien fundamentale Rechte, so Cooper. Sie fügte hinzu: „Der Ausübung dieser Rechte sollte niemals mit der Drohung mit Gewalt oder Repressionen begegnet werden.“

Teheran forderte eine Rücknahme der Solidaritätsbekundungen. Die Einbestellung eines Botschafters gilt als scharfes diplomatisches Mittel.

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