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10.01.2026
18:00 Uhr
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Es gibt nur noch wenige Informationen aus Iran, seit das Regime das Internet fast komplett blockieren lässt. Auch in der Nacht zum Samstag haben Menschen offenbar wieder demonstriert. Aktivisten befürchten viele Tote und Verletzte, das Regime spricht Drohungen aus.

Dieser Screenshot eines Social-Media-Videos soll eine Szene der aktuellen Proteste zeigen. (Foto: Social Media/via Reuters)
Am zweiten Abend in Folge haben massenhaft Menschen in verschiedenen iranischen Großstädten gegen die Regierung protestiert, unter anderem in den Millionenmetropolen Teheran und Maschhad. Videos in den sozialen Medien zeigten Menschenmengen an zentralen Plätzen. In einem von Aktivisten veröffentlichten Video etwa sind Menschenansammlungen im nordwestlichen Teheraner Stadtteil Saadat Abad zu sehen. Eine Stimme im Hintergrund berichtet von einer angezündeten Moschee.
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Auf den Aufnahmen sind Brände und chaotische Szenen zu erkennen. „Tod dem Diktator“, rufen Menschen in einem anderen Teil des Videos.
Unabhängig verifizieren ließen sich die Aufnahmen bisher nicht, auch die Zahl der Teilnehmenden ist kaum einzuschätzen. Wegen der landesweiten Internetsperre dringen weiterhin nur noch wenige Aufnahmen nach außen – Beobachtende befürchten, dass die Machthaber diese Situation brutal ausnutzen könnten.
Das Zentrum für Menschenrechte in Iran (CHRI) mit Sitz in New York äußerte große Sorge, dass das Regime gewissermaßen im Schutz der anhaltenden Internetblockade dabei sein könnte, ein „Massaker“ zu verüben. Man habe glaubwürdige Augenzeugenberichte aus Krankenhäusern in Gebieten von Teheran, Maschhad und Karadsch, die mit Verletzten überfüllt seien, hieß es in einem Bericht.
Die Proteste in Iran haben nun schon 27 Provinzen des Landes erfasst. Die Demonstranten folgen auch einem Aufruf von Reza Pahlavi, dem Sohn des letzten Schah.
Ein Arzt aus Teheran sagte dem US-Magazin Time, sechs Krankenhäuser in der iranischen Hauptstadt hätten zusammen mehr als 200 Todesfälle unter Demonstranten verzeichnet – die meisten seien demnach „durch scharfe Munition“ getötet worden. Unabhängig bestätigen lassen sich diese Zahlen jedoch nicht.Aktivisten zufolge sind bei den landesweiten Protesten bisher 51 Demonstrierende getötet worden, allerdings fehlten dabei noch Zahlen aus mehreren Großstädten vom Donnerstag und aus der vergangenen Nacht. Hunderte weitere Menschen sollen bei Konfrontationen mit den Sicherheitskräften verletzt worden sein, berichtete die Organisation Iran Human Rights (IHRNGO) mit Sitz in Oslo.
Die mächtigen Revolutionsgarden drohen mittlerweile mit der Niederschlagung der anhaltenden Proteste gegen die Führung. Die Wahrung der Sicherheit sei eine „rote Linie“, erklärten sie am Samstag im Staatsfernsehen. Es sei inakzeptabel, dass die gegenwärtige Lage anhalte. Das Militär teilte mit, es werde die nationalen Interessen, die strategische Infrastruktur und das öffentliche Eigentum schützen. Die Nachrichtenagentur Tasnim meldete, es seien 100 „bewaffnete Randalierer“ in der Stadt Baharestan bei Teheran festgenommen worden. Unabhängig überprüfen ließ sich das nicht.
Zugleich spielte die Regierung die Lage auch herunter. In den meisten Städten des Landes habe Ruhe geherrscht, erklärte ein Sprecher im Staatsfernsehen, wie laut Übersetzung aus einem Video der Nachrichtenagentur des staatlichen iranischen Rundfunkverbundes, Iribnews, hervorgeht. Weiter hieß es, laut Berichten aus dem Einsatzgebiet hätten „bewaffnete Terroristen“ zwar erneut versucht, die öffentliche Sicherheit in verschiedenen Städten zu stören. Dank des Eintreffens der Sicherheitskräfte und der starken Präsenz der Bevölkerung sei es aber zu keinen bewaffneten Angriffen gekommen. In der Stadt Qazvin hätten Menschen die Aktionen „bewaffneter Terroristen“ scharf verurteilt.
In der BBC verkündete Schauspielerin Taraneh Alidoosti, nie wieder Schleier tragen zu wollen – der Film wird millionenfach gesehen und mobilisiert den Widerstand. Auch, weil die Medien des Regimes vor Wut schäumen.
Ausgelöst wurden die Demonstrationen Ende Dezember durch die massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der landeseigenen Währung Rial. In Teheran gingen daraufhin wütende Händler spontan auf die Straße. Inzwischen fordern Demonstrierende landesweit ganz offen ein Ende der autoritären Staatsführung der Islamischen Republik – wie schon bei niedergeschlagenen Protesten in vergangenen Jahren.
US-Präsident Donald Trump versprach den Demonstranten in Iran die Unterstützung der USA. „Der Iran schaut auf die FREIHEIT, vielleicht wie nie zuvor. Die USA stehen bereit zu helfen!!!“, schrieb Trump am Samstag in sozialen Medien. Zuvor hatte er wiederholt die iranische Regierung gewarnt, dass die USA eingreifen würden, falls wie in der Vergangenheit Menschen getötet werden: „Wir werden uns einmischen, wir werden sie sehr hart treffen, wo es wehtut.“ Damit sei allerdings kein Einsatz von US-amerikanischen Bodentruppen gemeint.
Deutschland, Frankreich und Großbritannien forderten die iranische Staatsführung zum Gewaltverzicht auf. „Wir sind zutiefst besorgt über Berichte von Gewalt durch iranische Sicherheitskräfte und verurteilen die Tötung von Demonstranten auf das Schärfste“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer.
Die iranischen Behörden seien verantwortlich für den Schutz der eigenen Bevölkerung, sie müssten Meinungsfreiheit und friedliche Versammlungen zulassen, ohne dass Angst vor Repressalien herrsche. Iran warf den drei Ländern in einer Reaktion vor, dass ihre Sorgen „heuchlerisch“ seien. „Wir verurteilen böswillige Einmischungen in Irans innere Angelegenheiten, die darauf abzielen, Gewalt zu provozieren“, hieß es dort.
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fordert die umgehende Freilassung aller in Iran festgenommenen Demonstrierenden sowie die vollständige Wiederherstellung des Internetzugangs. „Die Straßen Teherans und Städte auf der ganzen Welt hallen wider von den Schritten iranischer Frauen und Männer, die Freiheit fordern“, schrieb die deutsche Politikerin am Samstagabend auf Instagram.
Der 65-jährige Sohn des letzten iranischen Schahs (gestürzt in der Revolution von 1979) meldete sich derweil erneut mit einem Post auf X zu Wort. Aus seinem Exil in den USA forderte er zu landesweiten Streiks in seiner Heimat auf. Arbeiter und Angestellte von Schlüsselbranchen wie der Öl-, Gas- und Energieindustrie sollten ihre Arbeit niederlegen, um das Regime finanziell zu schwächen und den Unterdrückungsapparat in die Knie zu zwingen.