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11.01.2026
05:45 Uhr
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Seit rund zwei Wochen gehen Menschen in Iran auf die Straße. US-Präsident Trump warnt die Führung in Teheran vor Gewalt gegen die Protestierenden. Laut Berichten denkt er über Militärschläge nach.

Dieser Screenshot eines Social-Media-Videos soll eine Szene der aktuellen Proteste zeigen. (Foto: Social Media/via Reuters)
Inmitten der wohl größten Antiregierungsproteste der vergangenen Jahre in Iran zeichnet sich eine hohe Opferzahl ab. Wie die BBC meldet, seien Krankenhäuser überfüllt. Jungen Demonstranten sei laut Krankenhauspersonal direkt in Kopf oder Herz geschossen worden. Oft bleibe nicht mal Zeit für eine Wiederbelebung. Ein Demonstrant berichtete dem Guardian von Hunderten Toten in den Straßen. Zudem sollen über 2600 Menschen verhaftet worden sein – so berichtet es die in den USA ansässige Human Rights Activists News Agency. Unabhängig überprüfen lässt sich das nicht.
In den vergangenen Tagen haben zahlreiche Menschen in verschiedenen iranischen Großstädten gegen die Regierung protestiert, unter anderem in den Millionenmetropolen Teheran und Maschhad. Videos in den sozialen Medien zeigten Menschenmengen an zentralen Plätzen. In einem von Aktivisten veröffentlichten Video etwa sind Menschenansammlungen im nordwestlichen Teheraner Stadtteil Saadat Abad zu sehen. Eine Stimme im Hintergrund berichtet von einer angezündeten Moschee.
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Auf den Aufnahmen sind Brände und chaotische Szenen zu erkennen. „Tod dem Diktator“, rufen Menschen in einem anderen Teil des Videos.
Unabhängig verifizieren ließen sich die Aufnahmen bisher nicht, auch die Zahl der Teilnehmenden ist kaum einzuschätzen. Wegen der landesweiten Internetsperre dringen seit dem vergangenen Donnerstag weiterhin nur noch wenige Aufnahmen nach außen – Beobachtende befürchten, dass die Machthaber diese Situation brutal ausnutzen könnten.
Das Zentrum für Menschenrechte in Iran (CHRI) mit Sitz in New York äußerte große Sorge, dass das Regime gewissermaßen im Schutz der anhaltenden Internetblockade dabei sein könnte, ein „Massaker“ zu verüben. Man habe glaubwürdige Augenzeugenberichte aus Krankenhäusern in Gebieten von Teheran, Maschhad und Karadsch, die mit Verletzten überfüllt seien, hieß es in einem Bericht.
Die Proteste in Iran haben nun schon 27 Provinzen des Landes erfasst. Die Demonstranten folgen auch einem Aufruf von Reza Pahlavi, dem Sohn des letzten Schah.
Ein Arzt aus Teheran sagte dem US-Magazin Time, sechs Krankenhäuser in der iranischen Hauptstadt hätten zusammen mehr als 200 Todesfälle unter Demonstranten verzeichnet – die meisten seien demnach „durch scharfe Munition“ getötet worden. Unabhängig bestätigen lassen sich diese Zahlen jedoch nicht.
Aktivisten zufolge sind bei den landesweiten Protesten bisher 51 Demonstrierende getötet worden, allerdings fehlten dabei noch Zahlen aus mehreren Großstädten vom Donnerstag und aus der vergangenen Nacht. Hunderte weitere Menschen sollen bei Konfrontationen mit den Sicherheitskräften verletzt worden sein, berichtete die Organisation Iran Human Rights (IHRNGO) mit Sitz in Oslo. Die in den USA ansässige Human Rights Activists News Agency spricht von 116 tödlich verletzten Demonstranten.
Aus Solidarität mit den Demonstranten in Iran gingen auch in Berlin und Frankfurt am Main Menschen auf die Straße. Etwa 1400 Menschen hätten sich in Berlin an einer Demonstration vom Kurfürstendamm zum Adenauerplatz beteiligt, sagte ein Sprecher der Polizei. Am Wittenbergplatz hätten sich etwa 300 Menschen versammelt. In Frankfurt gingen nach Angaben der Polizei bei mehreren Veranstaltungen etwa 1800 Menschen auf die Straße.
Die mächtigen Revolutionsgarden in Iran drohen mittlerweile mit der Niederschlagung der anhaltenden Proteste gegen die Führung. Die Wahrung der Sicherheit sei eine „rote Linie“, erklärten sie am Samstag im Staatsfernsehen. Es sei inakzeptabel, dass die gegenwärtige Lage anhalte. Das Militär teilte mit, es werde die nationalen Interessen, die strategische Infrastruktur und das öffentliche Eigentum schützen. Die Nachrichtenagentur Tasnim meldete, es seien 100 „bewaffnete Randalierer“ in der Stadt Baharestan bei Teheran festgenommen worden. Unabhängig überprüfen ließ sich das nicht.
Der iranische Generalstaatsanwalt warnte, dass alle Inhaftierten als „Feinde Gottes“ angeklagt würden – ein weit gefasster Straftatbestand, der nach islamischem Recht in diesem Land mit der Todesstrafe geahndet wird. Der Generalstaatsanwalt sagte, dass das Gerichtsverfahren ohne Verzögerung und „ohne Nachsicht, Mitgefühl oder Nachsicht“ ausgeführt werde, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur IRIB News.
Ein Video auf X soll zeigen, wie als Zivilbeamte getarnte Revolutionsgarden in Teheran wahllos auf Menschen schießen. Auch dieses ließ sich nicht unabhängig verifizieren.
Zugleich spielte die Regierung die Lage auch herunter. In den meisten Städten des Landes habe Ruhe geherrscht, erklärte ein Sprecher im Staatsfernsehen, wie laut Übersetzung aus einem Video der Nachrichtenagentur des staatlichen iranischen Rundfunkverbundes, Iribnews, hervorgeht. Weiter hieß es, laut Berichten aus dem Einsatzgebiet hätten „bewaffnete Terroristen“ zwar erneut versucht, die öffentliche Sicherheit in verschiedenen Städten zu stören. Dank des Eintreffens der Sicherheitskräfte und der starken Präsenz der Bevölkerung sei es aber zu keinen bewaffneten Angriffen gekommen. In der Stadt Qazvin hätten Menschen die Aktionen „bewaffneter Terroristen“ scharf verurteilt.
In der BBC verkündete Schauspielerin Taraneh Alidoosti, nie wieder Schleier tragen zu wollen – der Film wird millionenfach gesehen und mobilisiert den Widerstand. Auch, weil die Medien des Regimes vor Wut schäumen.
Ausgelöst wurden die Demonstrationen Ende Dezember durch die massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der landeseigenen Währung Rial. In Teheran gingen daraufhin wütende Händler spontan auf die Straße. Inzwischen fordern Demonstrierende landesweit ganz offen ein Ende der autoritären Staatsführung der Islamischen Republik – wie schon bei niedergeschlagenen Protesten in vergangenen Jahren.
Ein Augenzeuge, der sich am Donnerstag- und Freitagabend den Protesten in Teheran angeschlossen hatte, berichtete BBC Persian Television, dass die iranische Generation Z eine Schlüsselrolle dabei gespielt habe, ihre Eltern und ältere Menschen zu ermutigen, sich den Protestmärschen anzuschließen.
US-Präsident Donald Trump versprach den Demonstranten in Iran die Unterstützung der USA. „Iran schaut auf die FREIHEIT, vielleicht wie nie zuvor. Die USA stehen bereit zu helfen!!!“, schrieb Trump am Samstag in sozialen Medien. Zuvor hatte er wiederholt die iranische Regierung gewarnt, dass die USA eingreifen würden, falls wie in der Vergangenheit Menschen getötet werden: „Wir werden uns einmischen, wir werden sie sehr hart treffen, wo es wehtut.“ Damit sei allerdings kein Einsatz von US-amerikanischen Bodentruppen gemeint.
Deutschland, Frankreich und Großbritannien forderten die iranische Staatsführung zum Gewaltverzicht auf. „Wir sind zutiefst besorgt über Berichte von Gewalt durch iranische Sicherheitskräfte und verurteilen die Tötung von Demonstranten auf das Schärfste“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer.
Die iranischen Behörden seien verantwortlich für den Schutz der eigenen Bevölkerung, sie müssten Meinungsfreiheit und friedliche Versammlungen zulassen, ohne dass Angst vor Repressalien herrsche. Iran warf den drei Ländern in einer Reaktion vor, dass ihre Sorgen „heuchlerisch“ seien. „Wir verurteilen böswillige Einmischungen in Irans innere Angelegenheiten, die darauf abzielen, Gewalt zu provozieren“, hieß es dort.
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fordert die umgehende Freilassung aller in Iran festgenommenen Demonstrierenden sowie die vollständige Wiederherstellung des Internetzugangs. „Die Straßen Teherans und Städte auf der ganzen Welt hallen wider von den Schritten iranischer Frauen und Männer, die Freiheit fordern“, schrieb die deutsche Politikerin am Samstagabend auf Instagram.
Der 65-jährige Sohn des letzten iranischen Schahs (gestürzt in der Revolution von 1979) meldete sich derweil erneut mit einem Post auf X zu Wort. Aus seinem Exil in den USA forderte er zu landesweiten Streiks in seiner Heimat auf. Arbeiter und Angestellte von Schlüsselbranchen wie der Öl-, Gas- und Energieindustrie sollten ihre Arbeit niederlegen, um das Regime finanziell zu schwächen und den Unterdrückungsapparat in die Knie zu zwingen.