SZ 10.02.2026
16:30 Uhr

(+) Hype um Gold: Warum Amerikas Rechte verrückt nach Gold sind


Steve Bannon, Tucker Carlson und andere Meinungsmacher aus der Maga-Blase glauben, dass der Dollar vor dem Kollaps steht. Sie raten den Hörern ihrer Podcasts deshalb dringend zum Kauf von Gold. Nicht ohne, selbst daran mitzuverdienen.

(+) Hype um Gold: Warum Amerikas Rechte verrückt nach Gold sind

In Donald Trumps Welt ist alles goldfarben: Die Rolltreppe, die er in der Nacht seines ersten Wahlsiegs im Trump Tower hinunterfuhr. Der Ballsaal, der gerade dort entsteht, wo einmal der East Wing des Weißen Hauses stand. Der WM-Pokal, den Fifa-Chef Gianni Infantino ihm neulich überreichte. Und weil es so etwas wie zu viel Gold in Trumps Augen gar nicht geben kann, hat er zu Beginn seiner zweiten Amtszeit auch noch ein neues „goldenes Zeitalter“ ausgerufen.

Wie es aussieht, haben seine Lautsprecher im Maga-Kosmos das wörtlich genommen. Unter Amerikas rechten Meinungsmachern ist das Goldfieber ausgebrochen, befeuert von einem Goldpreis, der immer neue Rekorde erklimmt. Wer die Podcasts und Shows von Steve Bannon, Tucker Carlson, Megyn Kelly und anderen Protagonisten der Maga-Blase hört, die unter konservativen Wählern enorme Reichweiten erzielen, kann dem kaum entkommen. Gold ist für rechte Influencer zur Erlösung in einer Wirtschaft geworden, die angeblich am Abgrund steht. Und zum großen Geschäft.

Wenn der ehemalige Trump-Chefstratege Steve Bannon mit seinem Podcast „War Room“ auf Sendung geht, schaltet er zum Beispiel häufig einen Mann mit britischem Akzent dazu. Er heißt Phillip Patrick und arbeitet für die Birch Gold Group, eine Firma, die Gold- und Silbermünzen verkauft. Bannon befragt ihn als Experten. Patrick erklärt dann etwa, warum die moderne Geldtheorie eine „Lüge“ sei oder der Dollar unmittelbar vor dem Kollaps stehe.

Was auf den ersten Blick kaum zu erkennen ist: Bannon und Patrick sind Geschäftspartner. Die Birch Gold Group gehört zu den wichtigsten Sponsoren von Bannons Show. Er bekommt also Geld dafür, dass er Werbung für sie macht. Und Bannon nimmt diesen Job sehr ernst. Fast am Ende jeder Folge seines Podcasts weist er seine Hörer auf einen Leitfaden der Goldfirma hin, „den ultimativen Ratgeber, um im Trump-Zeitalter in Gold zu investieren“.

Fast elf Millionen Dollar soll die Birch Gold Group in einem Jahr für solche Deals mit konservativen Podcastern ausgegeben haben, ergab eine Auswertung der Analysefirma Podscribe. Auch der konservative Publizist Ben Shapiro und die frühere Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly machen Werbung für die Firma. Und Donald Trump Jr., der älteste Sohn des US-Präsidenten. Er spricht neuerdings besonders gern darüber, dass seine „vertrauenswürdigen Freunde von der Birch Gold Group“ dabei helfen könnten, die Betriebsrente in Gold anzulegen, mit der Millionen Amerikaner fürs Alter vorsorgen. Möglich geworden sei das erst, weil sein Vater Donald Trump Senior jüngst eine entsprechende präsidiale Anordnung unterzeichnet hat.

Für ihn und andere Maga-Leute ist Gold kein beliebiges Edelmetall. Es ist ein Rohstoff, der perfekt in ihr Weltbild passt. Sie sehen den Dollar als Feindbild. Die Abhängigkeit der amerikanischen Wirtschaft vom Dollar sei schlecht für die USA, glauben sie. Denn sie habe dazu geführt, dass Industriejobs nach China abgewandert seien und die US-Regierung sinnlose Kriege begonnen habe. Doch nun stehe das alte Währungssystem vor dem Zusammenbruch. Die hohe Staatsverschuldung der USA und die davon galoppierende Inflation seien nur die augenfälligsten Belege dafür.

Auch seriöse Ökonomen warnen vor den hohen Schulden der USA. Manche, wie der Harvard-Professor Kenneth Rogoff, sagen ein Ende der Dollar-Dominanz voraus. Aber die rechten Meinungsmacher verweben die berechtigten Sorgen mit ihrer düsteren Ideologie. Sie wittern in der Dollar-Krise eine bewusste Verschwörung von Politikern und der US-Notenbank Federal Reserve gegen die amerikanische Bevölkerung. Und sie präsentieren einen einfachen Ausweg: den Kauf von Gold. Damit, so versprechen sie, könnten auch hart arbeitende Durchschnittsamerikaner ihr Vermögen vor dem drohenden Zusammenbruch schützen.

Das alles ist nicht ganz neu. Der konservative Radiomoderator Glenn Beck bläute seinen Hörern schon vor Jahren ein, dass ihnen im Fall, dass die Wirtschaft kollabiere, nur die drei Gs helfen würden: Gott, Gewehre und Gold. Auch auf konservativen Sendern wie Fox News gehören Werbespots von Goldfirmen seit langer Zeit zum Inventar. Darin treten Schauspieler auf, die so vertrauenswürdig wirken wie Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer. Doch nach Auffassung der US-Finanzaufsicht verbirgt sich hinter dem Versprechen vom einfachen und schnellen Reichtum häufig eine Betrugsmasche. Die Goldfirmen schwatzen ihren meist betagten Kunden angeblich besonders wertvolle Sondermünzen auf und kassieren dafür eine üppige Kommission. Mehrere Dutzend geprellte Kunden haben die Firmen deshalb schon verklagt.

Trotzdem ist es den Behörden bislang nicht gelungen, sie zu stoppen. Auch, weil die Unternehmen immer neue Unterstützer in der rechten Blase finden. Anfang 2024 verkündete der Chef der Goldfirma Fisher Capital, dass er eine Million Dollar an Turning Point USA spenden werde. Die Organisation des im vergangenen September ermordeten rechten Influencers Charlie Kirk war damals gerade dabei, Donald Trump bei seiner Wiederwahl zu helfen. Zum Dank für seine Wohltat durfte der Goldhändler bei einem von Kirk organisierten Wahlkampfevent vor tausenden Trump-Anhängern auftreten. Was die wenigsten von ihnen gewusst haben dürften: Schon 2023 hat die amerikanische Finanzaufsicht Fisher Capital wegen Betrugs verklagt, das Verfahren läuft aktuell noch.

Doch es gibt noch rechtschaffene Rechte. Tucker Carlson, der bei Fox News 2021 im Streit rausflog und heute seinen eigenen Podcast hat, war geschmeichelt, als ihm eine Goldfirma 20 Millionen Dollar für einen Werbedeal anbot, so erzählt er es gern. Doch dann will er das betrügerische Geschäftsmodell durchschaut haben („Sie stehlen von den besten Menschen der Welt, den Zuschauern von Fox News“).

Aber auch Carlson ist ein Gold-Gläubiger, er ist überzeugt, dass der Untergang des Dollars naht und dass die Zentralbanken korrupt sind. Deshalb hat er zusammen mit einem bärtigen Goldhändler aus North Dakota vor wenigen Monaten seine eigene Goldfirma gegründet, Battalion Metals. Die macht das gleiche wie all die anderen Unternehmen der Branche: Sie verkauft Gold- und Silbermünzen. Doch anders als bei der Konkurrenz, das verspricht Carlson seinen Hörern ganz fest, laufe bei ihm alles fair und transparent.

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