SZ 25.11.2025
18:18 Uhr

(+) Holzkirchener Kuhglockenstreit: Warum die Schlechinger Kirchenorgel jetzt Kuhglocken hat


Jahrelang haben eine Bäuerin und ein zugezogenes Unternehmerpaar vor Gerichten über das Läuten der Kuhglocken gestritten. Der Fall hat jetzt im Chiemgau ein kirchliches Nachspiel.

(+) Holzkirchener Kuhglockenstreit: Warum die Schlechinger Kirchenorgel jetzt Kuhglocken hat
In Schleching läuten jetzt auch Kuhglocken in der neuen Kirchenorgel. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Die geteilte Gattungsbezeichnung deutet natürlich schon darauf hin: Kuhglocken und Kirchenglocken haben einiges gemeinsam. Zum Beispiel, dass beiderlei Glocken gelegentlich läuten und dass sie dann, zweitens, nicht von allen immer gern gehört werden. Und drittens und fast am allerwichtigsten: Dass sich wegen Punkt zwei die heftigsten identitätspolitischen Auseinandersetzungen führen lassen. Zwischen Dagewesenen und Dahergelaufenen, zwischen diesen und jenen, zwischen den Unsrigen und den ganz den Anderen. Kurz: zwischen Leuten, die miteinander manchmal weniger gemeinsam haben wollen als Kuh- und Kirchenglocken.

Besondere Verdienste um die Kulturtechnik des Glockenstreits haben sich vor einigen Jahren eine Bäuerin und ein anwohnendes Unternehmerehepaar aus Holzkirchen erworben. Sie haben sich alle miteinander durch einmal vier (Unternehmer) und einmal drei (Unternehmersgattin) Gerichtsinstanzen gekämpft, um dann doch noch einen Vergleich zu akzeptieren, wie sie ihn ganz ähnlich schon in erster Instanz am Amtsgericht Miesbach geschlossen hatten. Wobei die vierte Instanz, der Bundesgerichtshof, zur Enttäuschung des Publikums von alledem eigentlich gar nichts hatte hören wollen.

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Seit jenem finalen Vergleich war von den Holzkirchner Kuhglocken jedenfalls auch insgesamt nicht mehr viel zu hören, außer vielleicht für die beiden Vergleichsparteien und für die davon besonders betroffenen Rindviecher. Jetzt aber hat der Holzkirchner Kuhglockenstreit sogar noch ein kirchliches Nachspiel.

Denn wenn in der Pfarrkirche Sankt Remigius in Schleching im Landkreis Traunstein sonntags oder sonst wann die Kirchenglocken zur Messe läuten, dann könnten im Gottesdienst neuerdings Kuhglocken zu hören sein. Die Schlechinger haben sich nämlich für 270 000 Euro eine neue Kirchenorgel geleistet und beim Orgelbauer jenseits der üblichen Flöten-, Oboen- oder Streicherregister noch zwei ziemlich einmalige Extras bestellt: ein Alphorn-Register, bei dem die Alphorn-Imitate immerhin geblasen werden wie ganz gewöhnliche Orgelpfeifen. Und als absolute Extravaganz ein Kuhglocken-Register, bei dem kleine Hämmerchen echte Kuhglocken anschlagen, nur halt in der Orgel und ohne Kuh.

Die Idee für diesen Sonderwunsch gehe ausdrücklich auf den Holzkirchner Kuhglockenstreit zurück, berichtet die Katholische Nachrichten-Agentur aus Schleching. Einen solchen Klang wollten die Schlechinger demnach auch für ihre neue Orgel haben. Ein bisschen riskant ist das natürlich schon. Aber gar so laut werden die Kuhglocken in der Orgel schon nicht läuten. Und an den Kirchenglocken hat sich in Schleching bisher ja auch niemand gestört.

Am Streichen steht ein Berggasthaus, das für das Achental und den ganzen Chiemgau identitätsstiftend ist. Bürger aus dem Tal haben es vor dem Zugriff von Investoren bewahrt. Seither saniert die Stiftung Kulturerbe Bayern das Haus mit großem Aufwand. Bald braucht es nur noch einen Wirt.

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