SZ 25.01.2026
16:09 Uhr

(+) Holocaust-Gedenktag: „Die Überlebenden sind alarmiert“


Die Auschwitz-Überlebende und Präsidentin des Internationalen Auschwitz-Komitees, Eva Umlauf, ruft beim Holocaust-Gedenktag zur Verteidigung der Demokratie auf.

(+) Holocaust-Gedenktag: „Die Überlebenden sind alarmiert“
Das Interesse an den Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus wie etwa in Dachau ist groß. (Foto: Toni Heigl)

Die Holocaust-Überlebende Eva Umlauf warnt vor einem erstarkenden Extremismus. „Angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen und des Trommelfeuers rechtsextremer und antisemitischer Hetze, die nicht nur in Deutschland längst von vielen unterstützt und bejubelt wird“, frage sie sich, ob ihre Worte die Köpfe und Herzen noch erreichten, sagte die Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees bei einer Gedenkveranstaltung in Berlin zum 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee. Umlauf berichtete, wenn sie bei AfD-Veranstaltungen „jene extremen Sprechchöre höre, die bis in einzelne Worte und den Rhythmus hinein bei den Nazis angelegt“ seien und „die entfesselten Gesichter derer beobachte, die in diese Rufe mit einstimmen“, dann frage sie sich, ob diese Menschen wüssten, was in der bekannten Logik daraus an Leid folge.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gedenkveranstaltung in der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin rief Umlauf zur Verteidigung der Demokratie gegen ständige Angriffe von links und rechts auf. Die Überlebenden seien alarmiert, sagte Umlauf.

Das Interesse an Gedenkstätten, die an die Zeit des Nationalsozialismus erinnern, hält derweil an. Viele von ihnen verzeichneten im vergangenen Jahr konstante oder steigende Besuchszahlen im Vergleich zum Vorjahr, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressediensts (epd) ergab. Mithilfe eines anonymisierten und automatischen Zählsystems hat die KZ-Gedenkstätte Dachau erstmals ihre Besuchszahlen genau erfasst. Demnach haben im Jahr 2025 exakt 1 013 203 Menschen die Gedenkstätte besucht. Für 2024 hatte Dachau diese Zahl mit „mehr als 900 000“ angegeben. In Brandenburg blieben die Besuchszahlen der Gedenkstätte Sachsenhausen mit rund 500 000 gleich, die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück verzeichnete mit 74 000 Besuchen ein Plus von 1,4 Prozent. Eine Zunahme von knapp 3,5 Prozent auf 113 800 Besucherinnen und Besucher verbuchte auch die Hamburger KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Konstant blieben die Besuchszahlen in den beiden großen Thüringer Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Wie die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora mitteilte, besuchten rund 350 000 Menschen Buchenwald und etwa 50 000 die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Die Gedenkstätte Bergen-Belsen teilte mit, sie verzeichne für das vergangene Jahr einen geringfügigen Rückgang auf etwa 205 000 Besucherinnen und Besucher.

Die meisten Berliner Gedenkstätten zählten hingegen weniger Besucher als im Vorjahr. Im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors waren es den Angaben zufolge mit rund 1,575 Millionen Besuchern etwa drei Prozent weniger. Auch die Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand zählte 2025 rückläufige Besuchszahlen. In den vier Einrichtungen wurden insgesamt 191 052 Personen gezählt (Vorjahr: 211 912). Nahezu konstant blieben die Zahlen der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Sie zählte in der Ausstellung im „Ort der Information“ unter dem Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals 309 800 Besucherinnen und Besucher (minus 150). Im Stelenfeld selbst werden keine Besucherzahlen ermittelt.

Nicht nur am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus offenbart sich: Das „Nie wieder“ ist zu einer Phrase geworden. Die Autorin Susanne Siegert zeigt, wie sich das Gedenken verändern muss.

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