SZ 18.12.2025
10:12 Uhr

(+) Hausdurchsuchung in Schwaben: Hunderte Kugelbomben unterm Dach: „So etwas ist hochgefährlich“


Zollfahnder beschlagnahmen in einem Haus im Landkreis Günzburg mehr als 1100 illegale Feuerwerkskörper, darunter hochgefährliche Kugelbomben mit einer Spre– der Fund führt zu noch mehr Razzien.

(+) Hausdurchsuchung in Schwaben: Hunderte Kugelbomben unterm Dach: „So etwas ist hochgefährlich“
Groß, illegal und explosiv: Kugelbomben, beschlagnahmt im Landkreis Günzburg. (Foto: Zollfahndungsamt München)

Die Sprengkörper lagerten unter dem Dach in dem Haus im Landkreis Günzburg. Nach Informationen der SZ mehr als 1000 illegale Feuerwerkskörper, darunter mehr als 200 hochgefährliche Kugelbomben unterschiedlicher Größe. Nun ermittelt zwar die Staatsanwaltschaft Memmingen, der 26-Jährige, dem die Sprengkörper gehörten, muss aber vermutlich trotzdem von Glück reden, dass die Zollfahndung sein Haus durchsucht und die Feuerwerkskörper beschlagnahmt hat – wäre etwas schiefgegangen, wäre wohl nicht nur sein Dachstuhl explodiert.

Die Kugelbomben hatten teils die Zerstörungskraft einer Handgranate. Jahr für Jahr stellt der Zoll massenhaft illegale Feuerwerkskörper in Deutschland sicher, 2024 waren es mehr als sieben Tonnen. Meist kommen die Böller, die nur qualifizierte Pyrotechniker legal nutzen dürfen, aus Osteuropa, so auch in dem Fall im Raum Günzburg. Die Hausdurchsuchung im Oktober brachte die Ermittler auf die Spur von neun weiteren Verdächtigen, deren Häuser die Zollfahndung Anfang dieser Woche durchsuchte und noch einmal geringe Mengen verbotener Pyrotechnik beschlagnahmte. „So etwas ist hochgefährlich, wir haben gerade rund um Silvester immer wieder schwerste Verletzungen“, sagt Zollfahndungs-Sprecher Christian Schüttenkopf.

Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.

Die Nettoexplosivmasse der im Landkreis Günzburg beschlagnahmten Feuerwerkskörper beträgt laut SZ-Informationen etwa 150 Kilogramm. Um die für den Privatgebrauch nicht zugelassenen Kugelbomben sicher abtransportieren zu lassen und lagern zu können, mussten die Zollfahnder extra ein Spezialunternehmen beauftragen: Die Sprengkörper wurden auseinandergebaut, das Sprengpulver kontrolliert verbrannt.

Der 26-jährige Verdächtige dagegen hat sich den Sprengstoff per Post liefern lassen. „Wenn der Paketfahrer unachtsam raucht oder einen Unfall hat, endet das in einer Katastrophe. Der weiß ja nicht, was er da ausliefert“, sagt Schüttenkopf. Mitte Oktober waren Mitarbeitern im Hauptzollamt Ulm Pakete aus Tschechien aufgefallen, die an den Mann adressiert waren. Vor Silvester schauen sie beim Zoll routinemäßig genauer hin, wenn Pakete aus Osteuropa kommen. „Risikoorientierte Prüfung“ nennen sie das.

Teilweise war es den Fahndern nicht einmal möglich, die Kugelbomben zu kategorisieren, weil Beschriftungen und Kennzeichnungen fehlen. Feuerwerkskörper werden in vier Kategorien unterteilt, F1 bis F4. F1 und F2 sind für den Privatgebrauch zugelassen, F3 und F4 sind professionellen Pyrotechnikern vorbehalten. Alle im Handel erhältlichen Feuerwerkskörper müssen getestet und mit einem sogenannten CE-Zeichen versehen werden.

Der Besitz, Verkauf und Transport solcher Feuerwerkskörper ist also für Privatpersonen illegal, die keine entsprechende Erlaubnis vorweisen können. Nicht die Kugelbomben an sich sind illegal – außer es fehlt die korrekte Kennzeichnung. Dann kann man davon ausgehen, dass sie im schlimmsten Fall teils handgefertigt und unsachgemäß verarbeitet werden.

„Es kann zu Verbrennungen, Verätzungen oder dem Verlust von Gliedmaßen und Augenlicht kommen“, heißt es beim Zoll. Das gilt bereits für kleinere Sprengkörper als die in Günzburg gefundenen Kugelbomben, die teils die Größe eines Krautkopfes aufwiesen. Im Jahr 2024 kam ein 18 Jahre alter Feuerwehrmann in der Oberpfalz ums Leben, als er eine illegale Kugelbombe in ein Kunststoffrohr warf. Als er sich über das Rohr beugte, explodierte der Sprengsatz und verletzte ihn tödlich. Eine ebenfalls 18 Jahre alte Begleiterin, die in der Nähe stand, erlitt schwere Brandverletzungen und musste in einer Spezialklinik behandelt werden.

Die Ermittler vom Zoll gehen nicht davon aus, dass der 26-Jährige aus Günzburg die Kugelbomben als Sprengstoff nutzen wollte, also Straftaten damit plante. Der Mann und seine weiteren Abnehmer sind stattdessen offenbar Anhänger davon, an Silvester besonders laute Böller und bunte Raketenknaller zu zünden.

Anna und Paul Klatt aus Buchenberg feiern innerhalb von vier Wochen ihre 100. Geburtstage und Kronjuwelenhochzeit. Das Geheimnis ihres langen Lebens und ihrer langen Ehe ist denkbar simpel – und gerade deshalb so wirkungsvoll.

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien

Gutscheine: