SZ 01.02.2026
19:24 Uhr

(+) Gewerkschaften: Massive Streiks im Münchner Nahverkehr – der Überblick


U-Bahn-, Tram- und Busfahrer legen die Arbeit nieder. Worauf sich Fahrgäste einstellen müssen und was die Gewerkschaft Verdi fordert.

(+) Gewerkschaften: Massive Streiks im Münchner Nahverkehr – der Überblick

Am Montag, 2. Februar, kommt es in München zu erheblichen Einschränkungen beim öffentlichen Personennahverkehr. Die Gewerkschaft Verdi ruft die Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr bundesweit dazu auf, die Arbeit niederzulegen.

In München wird daher „aus Sicherheitsgründen“, wie die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mitteilt, die U-Bahn zunächst komplett außer Dienst gestellt – und auch Busse und Trambahnen werden vom Arbeitskampf der Beschäftigten massiv betroffen sein. Der Ausstand dauert 24 Stunden. Streikbeginn ist in der Nacht auf Montag um 3.30 Uhr, der Nachtverkehr wird eine Stunde zuvor um 2.30 Uhr eingestellt.

Einem MVG-Sprecher zufolge hat das Unternehmen bereits mit Streiks gerechnet. Ob und wann die U-Bahnen wieder anfahren, hänge davon ab, wie viel Personal in der Leitstelle zur Verfügung stehen werde, hieß es seitens der MVG. Zudem werde ausreichend Fahrpersonal benötigt, „um zumindest eine Linie in Betrieb nehmen zu können“.

Ähnlich sieht es bei der Tram aus. Auch bei den Straßenbahnen hänge alles von der Personalverfügbarkeit ab. Sollten Fahrzeuge besetzt werden können, so der MVG-Sprecher, würden die Mitarbeiter zunächst auf den am stärksten frequentierten Linien eingesetzt – die meistbefahrene Linie ist die 20er-Tram in der Dachauer Straße.

Beim Busverkehr indes könne ein eingeschränkter Betrieb angeboten werden, da viele private Busunternehmen, die für die MVG im Einsatz sind, nicht bestreikt würden, teilt die MVG mit. „Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Busse unregelmäßig fahren und nur ein Teil der Linien bedient werden kann“, so die Verkehrsgesellschaft. Definitiv werden die Busse bis zur Liniennummer 199 bestreikt.

Der bundesweite Warnstreik der Beschäftigten der Nahverkehrsunternehmen ist eine Reaktion auf die erste Verhandlungsrunde zwischen Verdi und dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) Mitte Januar. Diese sei vollkommen enttäuschend verlaufen, sagt Katharina Wagner, Gewerkschaftssekretärin bei Verdi Bayern. „Wenn in der ersten Verhandlungsrunde praktisch nichts auf dem Tisch liegt, dann müssen die Beschäftigten zeigen, dass sie mehr wert sind als warme Worte“, sagt Wagner. Warmstreiks seien kein Selbstzweck und richteten sich auch nicht gegen die Fahrgäste – die Beschäftigten bestreikten die Arbeitgeber. „Viele von ihnen sind selbst Pendler, leben in derselben Stadt, kämpfen mit denselben Mieten und Preisen.“

Die Gewerkschaft Verdi ruft Zehntausende Beschäftigte im Nahverkehr zum Streik auf, um bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Wo genau es zum Ausstand kommen soll.

Verdi fordert für die Beschäftigten im bayerischen Nahverkehr – der Tarifvertrag wird zwischen den Partnern in jedem Bundesland separat verhandelt – eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, zudem 668,75 Euro mehr im Monat, und auch die Sonntagszuschläge sollen ansteigen. „Eine deutliche Gehaltserhöhung ist in dieser Zeit kein Luxus, sondern existenziell“, sagt Gewerkschafterin Wagner. „Wer in München Bus oder U-Bahn fährt, muss sich das Leben in dieser Stadt auch leisten können.“

Der Kommunale Arbeitgeberverband bezeichnet die Forderungen der Gewerkschaft als „realitätsfern“ und verweist dabei insbesondere auf die finanziell angespannte Haushaltssituation der Städte und Gemeinden. Die Forderungen würden das wirtschaftlich Leistbare jedes Unternehmens bei Weitem übersteigen, so der KAV Bayern. Stattdessen haben die Arbeitgeber den Beschäftigten in der ersten Runde eine Erhöhung der Tarifgehälter um mindestens fünf Prozent in zwei Schritten vorgeschlagen, zudem eine Anhebung der Ausbildungsgehälter um insgesamt 150 Euro. Die Arbeitgeber schlagen dabei eine Laufzeit bis Ende 2027 vor.

Verdi stimmt zu, dass die Kommunen finanziell enorm unter Druck stehen. „Aber die Lösung kann nicht sein, dass die Beschäftigten das ausbaden“, sagt Gewerkschafterin Wagner. Bund und Land müssten für den öffentlichen Nahverkehr mehr Geld in die Hand nehmen.

Verdi geht davon aus, dass mit dem Streik ein starkes Signal in Richtung Arbeitgeber gesendet wird. Ein Sprecher der Gewerkschaft sagt, dass bei der MVG etwa 60 Prozent der Beschäftigten Gewerkschaftsmitglieder seien. Bis Januar 2024 galt für die Mitarbeiter des Unternehmens ein eigener Haustarifvertrag; damals erzwangen die Gewerkschaften aber einen Beitritt zum Tarifvertrag Nahverkehr (TV-N) Bayern, der unter anderem eine bessere Altersvorsorge und mehr Urlaubstage garantiert als das alte Modell.

Der Münchner Student Alexander Löher hat einen Nebenjob, der ihn begeistert, aber auch herausfordert: Er ist Trambahnfahrer.  Welche Erfahrungen er macht, erzählt er auf einer nächtlichen Tour durch München.

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