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06.02.2026
16:50 Uhr
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Delegationen aus den USA und Iran treffen sich in Oman zu indirekten Gesprächen. Irans Außenminister lobt den „guten Start“ – doch ein Angriff der Amerikaner auf das Regime ist damit nicht vom Tisch.

Der Ort war derselbe, die Protagonisten waren es auch. Nur ein Detail auf der Gästeliste verriet, was sich seit vergangenem Jahr verändert hat. Als sich an diesem Freitag im omanischen Maskat die Delegationen aus Iran und den USA trafen, da flogen nicht nur Irans Außenminister Abbas Araghtschi ein und Steve Witkoff, der Sondergesandte des US-Präsidenten.
Die Amerikaner brachten auch einen Admiral mit: Brad Cooper, den Befehlshaber von Centcom, dem Kommando der US-Armee für den Nahen Osten. Einen Mann also, dessen Aufgabe nicht die Diplomatie ist. Er wäre für den Angriff zuständig, mit dem die Vereinigten Staaten dem iranischen Regime seit geraumer Zeit drohen. Seine Anwesenheit sollte diese Drohung wohl unterstreichen. Entsprechend niedrig waren die Erwartungen an dieses Aufeinandertreffen der US-Regierung mit dem iranischen Regime.
In Maskat hatten die beiden Seiten schon im Frühling des vergangenen Jahres darüber verhandelt, ob und wie es mit dem iranischen Atomprogramm weitergeht. Nachdem Donald Trump Anfang 2025 das zweite Mal ins Weiße Haus eingezogen war, drohte er der Islamischen Republik mit Krieg, sollte diese ihre Anlagen zum Anreichern von Uran nicht aufgeben und das bereits angereicherte Uran ausliefern. Die Gespräche darüber scheiterten. Im vergangenen Juni bombardierten US-amerikanische Jets mehrere der Anlagen.
Seither sei das Anreichern unterbrochen, sagt die iranische Führung. Dennoch wollte sie mit der US-Delegation weiter nur über die Atomfrage sprechen, und nicht über deren andere Forderungen, die seit dem vergangenen Jahr dazugekommen sind. Etwa, dass Iran keine Raketen mehr herstellt, die Israel gefährden können. Und dass es Milizen wie die Hisbollah, die Hamas oder die Huthi nicht mehr unterstützt.
Ursprünglich sollten die Gespräche in Istanbul stattfinden, und zwar gemeinsam mit Vertretern der Türkei sowie arabischer Länder wie Ägypten und Katar. Dann, so heißt es, habe Iran darauf gedrängt, dass man sich in Maskat treffe, und zwar bilateral, ohne die anderen Länder. Offenbar glaubte das Regime, so könne es verhindern, dass es um etwas anderes gehe als das Atomprogramm.
Offenbar hatten sich die Machthaber in Teheran schon darauf eingestellt, dass sie bei dem Thema werden nachgeben müssen. Es war die Rede davon, dass Iran sein angereichertes Uran nach Russland bringen könnte. Dies wäre ein Wendepunkt in der iranischen Politik, denn das Anreichern von Uran war lange Zeit ein wichtiges Druckmittel. Es war dem Regime so wichtig, dass es dafür enorme Sanktionen des Westens und der Vereinten Nationen in Kauf nahm.
Nach den israelischen-amerikanischen Angriffen im Juni 2025 allerdings ließ Iran seine Atomanlagen weitgehend brachliegen. Stattdessen investierte das Land in einen schnellen Wiederaufbau des Raketenprogramms. Das berichtete die New York Times in dieser Woche. Die ballistischen Raketen, die Israel bedrohen, sind der Führung inzwischen anscheinend wichtiger als die ewige Drohung, man könne in den Besitz einer Atombombe gelangen.
Das iranische Regime ist derzeit so geschwächt wie vielleicht nie, und trotzdem scheint es zu hoffen, dass es die Zeit auf seiner Seite hat. Es könnte sich wohl leisten, in der Atomfrage nachzugeben, wenn es dafür mittelfristig seine Milizen im Nahen Osten wieder aufbauen und sein Raketenprogramm retten kann. Zwar haben Israel und die USA 2025 während der laufenden Verhandlungen angegriffen – aber den Krieg überstand das Regime ebenso wie die jüngsten Proteste im Land, die es mit äußerst brutaler Waffengewalt niederschlug. Das Schicksal der Iranerinnen und Iraner spielt in dieser neuen Krise kaum noch eine Rolle.
Die iranische Führung dürfte kalkulieren, dass die US-Regierung vor einem größeren Angriff zurückschreckt – aus Sorge vor einem Krieg im Nahen Osten, der außer Kontrolle gerät. Andererseits hat sich Präsident Donald Trump mit seiner Rhetorik und dem Aufmarsch der US-Armee im Persischen Golf in eine Lage gebracht, in der er wie ein Verlierer dastünde, würde er nicht angreifen. Auch um dieses Dilemma drehten sich am Freitag die Gespräche in Maskat.
Dabei saßen die beiden Seiten nicht einmal zusammen im Raum. Gesprochen wurde indirekt, unter Vermittlung des omanischen Außenministers. Auch das war eine Bedingung der iranischen Seite, die zwar für Diplomatie warb, sich zu einem direkten Austausch mit der Gegenseite aber nicht in der Lage sah. Bis zum späten Freitagnachmittag fanden mehrere Verhandlungsrunden statt. Später zitierte das iranische Staatsfernsehen einen Sprecher des Außenministeriums, wonach die Gespräche „für den Moment“ beendet seien. Das US-Portal Axios meldete, dass in den kommenden Tagen ein weiteres Treffen stattfinden solle.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi selbst sprach vor seiner Abreise von „einem guten Start“. Wie es weitergeht, werde nun „in den Hauptstädten“ entschieden, also in Teheran und in Washington. Man müsse, so Araghtschi, „das Misstrauen überwinden“. US-Unterhändler Witkoff äußerte sich zunächst nicht.
Während die Mullahs ihr eigenes Volk von den Straßen schossen, versprach Trump Hilfe. Aber jetzt will er einen Deal mit dem Regime. Das iranische Volk ist nur noch Zuschauer der eigenen Tragödie. Nachrichten aus der Hoffnungslosigkeit.
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