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09.02.2026
17:04 Uhr
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Villeroy de Galhau will seinen Posten ein Jahr vor Ende seiner Amtszeit abgeben. Damit erweist er Präsident Macron einen Dienst. Der kann so verhindern, dass möglicherweise der Rassemblement National über die Nachfolge entscheidet.

François Villeroy de Galhau gilt als glühender Europäer – mit einem großen Verständnis für Deutschland. (Foto: KIRILL KUDRYAVTSEV/AFP)
Der französische Notenbankchef François Villeroy de Galhau hat am Montag überraschend seinen vorzeitigen Rückzug bekanntgegeben. Der 66-Jährige wandte sich in einem Brief an die Beschäftigten der Bank. Er habe sich dazu entschlossen, im Juni, also etwas mehr als ein Jahr vor dem Ende seiner Amtszeit, von seinem Posten zurückzutreten, teilte er in dem Schreiben mit, aus dem französische Medien zitieren. Der konservative Banker und überzeugte Europäer, der auch international einen guten Ruf genießt, will künftig eine katholische Stiftung in Paris leiten, die sich um sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche kümmert.
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Präsident Emmanuel Macron und EZB-Chefin Christine Lagarde habe er bereits vor einigen Tagen über seinen Schritt informiert. „Mir scheint, dass ich nach fast elf Jahren den wesentlichen Teil meiner Mission erfüllt habe und es nun möglich ist, die Verantwortung weiterzugeben“, heißt es weiter. „Der Sieg über die Inflation ist errungen, und auch wenn die internationalen Unsicherheiten weiterhin erheblich sind, ist die Geldpolitik der EZB gut aufgestellt.“
Mit diesem Schritt erweist er Macron einen Dienst, denn der Präsident kann noch in seiner Amtszeit die Nachfolge für diese wichtige Position bestimmen. In einem Jahr ist Präsidentschaftswahl und dann hätte Macrons Nachfolger wählen können, wer an der Spitze der französischen Notenbank kommt und damit auch eine gewichtige Stimme im Kreis der EZB hat. In den Umfragen liegt derzeit die Partei von Marine Le Pen vorn. Macron kann also noch verhindern, dass womöglich ein Vertrauter der rechtsextremen Partei an die Spitze dieser Institution kommt. Als mögliche Nachfolger kursieren in französischen Medien die Namen von Agnès Bénassy-Quéré, der Stellvertreterin in der Notenbank, sowie von Laurence Boone, der früheren Staatssekretärin und derzeitigen Leiterin der französischen Niederlassung der spanischen Bank Santander. Auch der Präsident der Wettbewerbsbehörde, Benoît Cœuré, und Emmanuel Moulin, Generalsekretär des Élysée-Palastes, werden gehandelt.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde, selbst Französin, bedankte sich bei Villeroy: „Der EZB-Rat hat enorm von seinem Realismus in Verbindung mit seiner starken europäischen Überzeugung und Vision profitiert, die er stets einbringt.“ Mit Villeroy de Galhau geht ein Mann, der auch großes Verständnis für Deutschland mitgebracht hat und gut Deutsch spricht. Er stammt aus einer lothringisch-saarländischen Industriellenfamilie, die Miteigner von Villeroy & Boch sind.
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