SZ 31.01.2026
19:27 Uhr

(+) Frankfurter Krise: Die Eintracht ist nur mehr eine zerbröselte Gemeinschaft


Mario Götze mahnt „Basics“ an, Sportchef Krösche benennt deutliche Defizite: Frankfurts verschärft beim 1:3 gegen Leverkusen seine Krise und könnte sogar den Europapokal verspielen – muss der neue Trainer Riera nun als Retter ran?

(+) Frankfurter Krise: Die Eintracht ist nur mehr eine zerbröselte Gemeinschaft

Es war womöglich bereits ein Fortschritt, dass der treue Anhang von Eintracht Frankfurt auf ausufernde Unmutsäußerungen verzichtete. Und weil auch Stadionsprecher Daniel Wolf nach der nächsten Pleite gegen Leverkusen (1:3) sogleich einen flammenden Appell an Moral und Zusammenhalt ins Mikrofon schrie, breitete sich im Waldstadion keine Endzeitstimmung aus. Gleichwohl ist eine frühere Festung des deutschen Fußballs derzeit zum Selbstbedienungsladen verkommen. Nach Hoffenheim und Tottenham Hotspur hat sich im dritten Frankfurter Heimspiel binnen acht Tagen am Samstag auch die Werkself von Bayer 04 fast mühelos drei Punkte gesichert.

Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche blieb nichts anderes übrig, als erneut altbekannte Defizite zu benennen: „Erste Halbzeit war nicht gut, die haben wir ein bisschen verschlafen, wir sind überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen.“ Das aktuelle Frankfurter Ensemble genügt nicht mal mehr in Spurenelementen einem Europapokalanwärter. Der im Spiel wirkungslose Weltmeister Mario Götze hatte seinen besten Moment, als er anschließend dieser zerbröselten Gemeinschaft ins Gewissen redete: „Wir müssen bei Null anfangen und unsere Basics machen.“

Vielleicht war der neue Eintracht-Trainer Albert Riera gut beraten, am Wochenende lieber noch mit dem slowenischen Tabellenführer NK Celje das Topspiel gegen Maribor zu bestreiten. Der frühere spanische Nationalspieler mit der facettenreichen Vita wollte partout erst an diesem Montag in Frankfurt beginnen. Ob da einer geahnt hatte, dass Leverkusen aktuell eine Nummer zu groß ist? Die Gäste warteten geduldig auf die Lücken in der porösen Frankfurter Deckung. Der von Alejandro Grimaldo per Hackentrick freigespielte Arthur (26. Minute) und der von Christian Kofane bediente Malik Tillman (33.) stellten die 2:0-Pausenführung her.

Bayer-Trainer Kasper Hjulmand freute sich über das „hohe Level“ seines Teams im ersten Durchgang, das sich allerdings danach merkwürdige Passivität gönnte. Frankfurts Abwehrchef Robin Koch weckte mit dem im Nachsetzen erzielten Anschlusstreffer (1:2/50.) das Publikum wieder auf, doch dass sich Ellyes Skhiri, der seit Monaten unter Form agierende Führungsspieler im Frankfurter Mittelfeldzentrum, eine gelb-rote Karte einhandelte (71.), zog der Eintracht schon wieder den Stecker. „In unserer besten Phase war das der Nackenschlag“, hielt der letztmals verantwortliche Interimstrainer Dennis Schmitt ernüchtert fest, der im Duett mit dem Klubheiligen Alexander Meier nicht den erhofften Impuls setzen konnte.

Alle vier von den beiden verantworteten Spiele gingen nach ähnlichem Muster verloren. Krösche räumte kleinlaut ein, dass der Übergangsplan „ergebnistechnisch nicht funktioniert hat“. Frankfurt hätte insgesamt keinen schlechteren Januar erleben können: Sieben Pflichtspiele mit fünf Niederlagen und zwei Unentschieden haben nicht nur zum endgültigen Aus in der Champions League geführt, sondern gefährden inzwischen in der Liga sogar akut einen internationalen Startplatz. Leverkusen hat sich als Tabellensechster nun acht Punkte von der Eintracht abgesetzt.

Es bedarf schon viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass die gerupften Frankfurter schnell wieder in den Aufwind kommen. Riera wird das Gewand eines Retters überstreifen müssen. Zudem spielt ein gewisses Risiko bei seiner Verpflichtung mit: Der mit einem Vertrag bis 2028 ausgestattete 43-Jährige bringt die Erfahrung von 430 Pflichtspielen als Aktiver in großen Ligen mit, seine Reputation als Coach ist allerdings überschaubar. „Wir haben uns bewusst für einen Trainer entschieden, der für modernen, intensiven und offensiven Fußball steht“, sagte Krösche, der den Begriff „Zeitenwende“ nicht in den Mund nehmen wollte. Sein unerwarteter Wunschkandidat solle zuerst „Prinzipien und Struktur“ in die Mannschaft transportieren. Bis zum Spiel bei Union Berlin (Freitag) gehe es darum, Selbstsicherheit wiederherzustellen, betonte der Manager, der längst selbst unter Druck steht.

Kritik an der sich hinziehenden Trainersuche wollte Krösche nicht gelten lassen: „Albert war halt noch unter Vertrag, dann geht das Ding auch nicht immer ganz so schnell.“ Riera, der wegen seiner Frau auch im Besitz eines russischen Passes ist, wird sich zu Wochenanfang in Frankfurt vorstellen. Dass dem gebürtigen Mallorquiner hohe Emotionalität nachgesagt wird, soll helfen. Zudem sprach Krösche die Empfehlung aus, „die Vergangenheit abzuhaken“. Aber ob das gelingt?

Das neue Trainerteam – Riera bringt die Assistenten Pablo Remon Arteta und Lorenzo Dolcetti mit – muss unter anderem ausloten, wie mit dem verunsicherten Kauã Santos im Tor zu verfahren ist. Der arg fehlerbehaftete Brasilianer musste sich nach einem schlimmen Fehlpass vor dem 1:3 von Aleix Garcia (90.+3) eine längere Schimpfkanonade von Kapitän Koch anhören. Die unendliche Fehlerkette in Frankfurt fängt ganz hinten an.

Albert Riera, ein in Deutschland kaum bekannter Spanier, soll überraschend neuer Coach bei Eintracht Frankfurt werden. Er kommt vom slowenischen Klub NK Celje – und gilt als impulsive Figur.

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