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24.02.2026
16:44 Uhr
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Zwei Reisende berichten von der Stimmung in einer Maschine, die wegen des Schnees nicht vom Münchner Airport abheben konnte. Die Polizei hat den Vorfall zur Prüfung an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

Am Münchner Flughafen wird eine Maschine der Lufthansa enteist (Symbolbild). (Foto: Peter Kneffel/dpa)
Als Kilian Kunkel und Jonas Himmler am Sonntagabend thailändischer Zeit in Bangkok landen, haben die beiden jungen Männer eine mehrtägige Odyssee hinter sich, die am Münchner Flughafen ihren Anfang nahm. In jener denkwürdigen Nacht auf vergangenen Freitag, als etwa 600 Menschen am Airport im Erdinger Moos die Nacht in sechs Fliegern verbringen mussten. Kunkel und Himmler saßen in einer Maschine der Air Arabia, die gegen Mitternacht abflugbereit auf dem Vorfeld stand. Doch plötzlich, gegen 1 Uhr nachts kam das Signal: das Flugzeug, das eigentlich Richtung Vereinigte Arabische abheben sollte, darf nicht starten.
An diesem Dienstag melden sich die beiden Münchner per Videocall aus dem Urlaubsparadies Ko Samui, lässig entspannt in Tanktops. Das Chaos, das sie erlebt haben, aber lässt sie noch nicht ganz los. Sie haben es schließlich zweimal durchlebt – einmal in München, und dann noch einmal auf der Arabischen Halbinsel.
Bis knapp vor 4 Uhr in der Nacht saßen Kunkel und Himmler am Freitag in ihrem Flieger am Münchner Flughafen. „Die Stimmung im Flugzeug war erstaunlich ruhig, nicht panisch“, sagt Kunkel. „Aber Informationen an die Passagiere gab es eigentlich kaum. Die Crew hat nur gesagt, sie warte selbst auf Anweisungen.“ Als sie mitten in der Nacht dann doch endlich aus dem Flieger geholt wurden und wieder nach Deutschland einreisten – „wir wurden echt noch mal kontrolliert“, sagt Himmler und lacht –, entschieden die beiden, mit dem Taxi nach Hause zu fahren. Auf eigene Kosten. Am Samstag startete dann mit 19 Stunden Verspätung endlich ihr Flieger.
Ausgestanden aber sind die chaotischen Zustände am Münchner Airport vor allem für die Betreiber noch nicht. Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Nord auf SZ-Nachfrage bestätigt, hat die ihm unterstellte Polizeiinspektion Flughafen München einen Bericht zu den Vorfällen in der Nacht auf Freitag erstellt, der an diesem Dienstag der Staatsanwaltschaft Landshut zur Prüfung übergeben worden ist. Dieser Bericht, so teilt das Polizeipräsidium mit, entstand nach Anregung eines wohl unbeteiligten Dritten; Anzeigen von betroffenen Passagieren seien bei der Flughafenpolizei bisher nicht eingegangen.
Diskutiert wird nach den Vorfällen von manchen Beteiligten, ob es sich dabei um Freiheitsberaubung gehandelt haben könnte. Ein Betroffener, der am Donnerstag nach eigenen Angaben ebenfalls mehr als dreieinhalb Stunden in seinem Flieger am Boden festsaß, ehe dieser mit entsprechender Verspätung doch starten konnte, warf diese Frage in einer E-Mail an die SZ auf. Er spricht davon, dass für eine strafbare Freiheitsberaubung „bereits ein für möglich halten und in Kauf nehmen der Einschränkung der Bewegungsfreiheit“ ausreiche.
In der Rechtsprechung aber wird, obwohl lange Verzögerungen sehr belastend für die Passagiere sein können, regelmäßig argumentiert, dass dies keine strafbare Freiheitsberaubung darstellt, da in der Regel aus Sicherheitsgründen gehandelt wird. Bei den Vorfällen am Münchner Flughafen etwa hatte der Wintereinbruch zur Folge, dass am Donnerstag nach Angaben des Airports um die 100 Flüge gestrichen werden mussten.
Als die bereits genehmigten sechs Flüge abgesagt wurden, waren nicht mehr ausreichend Busfahrer verfügbar, um die Fluggäste ins Terminal zurückzutransportieren. Das Luftfahrt-Bundesamt verweist auf die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft, die eine entsprechende Frage nach Strafbarkeit in diesem Fall klären müsse.
Auf die Frage, warum für die Evakuierung keine Rettungskräfte, etwa die Flughafenfeuerwehr, eingesetzt wurden, antwortete der Münchner Flughafen bis Redaktionsschluss nicht. Es werde immer noch mit Hochdruck an den Auswertungen der Ereignisse gearbeitet, hieß es.
Für Kilian Kunkel und Jonas Himmler ging die Reise zwar nach der Nacht in München dann doch noch los – doch wegen schlechter Sicht konnten die Piloten den Airport Schardscha in den Emiraten nicht anfliegen und landeten stattdessen auf dem keine hundert Kilometer entfernten Flughafen Ra’s al-Chaima. Und dann erlebten sie ein Déjà-vu: „Wir waren echt schon wieder eingesperrt, drei, vier Stunden. Das zweite Mal im selben Flieger. Ohne klare Durchsage“, so Kunkel. „Es hieß nur, wir müssten auf Busse warten.“
Die Stimmung bei diesem zweiten ungeplanten Aufenthalt im Flieger von Air Arabia sei deutlich angespannter gewesen, erinnern sich die beiden jungen Männer. Schließlich seien auch viele Familien mit Kindern an Bord gewesen, denen teilweise die Windeln ausgingen – Wasser habe es nur noch schluckweise gegeben. Während der Wartezeit habe es auch einen medizinischen Notfall gegeben, so Kunkel.
Den Weg nach Thailand haben sie inzwischen geschafft, über Schardscha, wo sie einen längeren Aufenthalt hatten, weil der Flieger nach Bangkok längst weg war. „Aber es war schon krass, weil auch die Kommunikation so schlecht war. Sowohl in München als auch in den Emiraten“, sagt Kunkel. Ob sie von der Fluggesellschaft Entschädigung verlangen werden? „Wenn wir zurück sind. Jetzt ist erst mal Urlaub“, grinsen beide in die Kamera.
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