SZ 04.03.2026
16:08 Uhr

(+) FC Bayern: Harry und die Hafer-Show


Fußballer Harry Kane spricht bei einem Werbe-Termin über richtige Kindererziehung, wer seine Freunde sind in der Mannschaft und was er an einem Spieltag wann isst.

(+) FC Bayern: Harry und die Hafer-Show
„Setzt euch nicht zu sehr unter Druck“, sagt Harry Kane am Dienstag. Es geht im Gespräch ausnahmsweise nicht um Fußball. Catherina Hess

Der Fußballer Harry Kane hat das Zeug zum Familienratgeber. Wie der FC-Bayern-Profi da sitzt, das Mikro angewinkelt hält und in aller Seelenruhe über Kindererziehung fachsimpelt, wirkt es wie das Natürlichste der Welt. „Man ist niemals komplett vorbereitet darauf, Elternteil zu werden“, sagt Kane, der immerhin vier Kinder mit seiner Ehefrau hat.

Man lerne, sagt Kane, das Elternsein nur, indem man es mache. Er rate dazu, seinen Kindern gutes Verhalten vorzuleben, sagt aber auch: „Setzt euch nicht zu sehr unter Druck, perfekte Eltern zu sein.“ Das mache alles nur noch schlimmer. Gleiches gelte übrigens auch für die Kinder: Auch die sollte man als Elternteil nie zu sehr unter Druck setzen, gar zu Leistung drängen.

Es sind ungewöhnliche Worte aus dem Mund des Profistürmers, der in der Vergangenheit vor allem damit auffiel, rein gar nichts über seine Kinder zu sagen. Aber es ist auch ein ungewöhnlicher Anlass, um auf Harry Kane zu treffen. Der Fußballer ist in die Padel City gekommen. In eine Indoor-Anlage für den tennisähnlichen Sport in einer Gewerbehalle unweit des Frankfurter Rings.

Hier soll er auf Fans treffen. Und gleichzeitig Werbung machen für „3bears“, eine Münchner Firma, die verkürzt gesagt Frühstückmahlzeiten aus Hafer anbietet: Porridge, Overnight Oats, Cerealien, Riegel. Harry Kane stieg 2024 als Investor ein. Gleich mehrere Produkte sind mit seinem Gesicht geschmückt.

Bei einem Gewinnspiel der Firma konnten Glückliche einen Platz, einen „Slot“ mit Kane, wie hier alle sagen, ergattern. Für die Schnittmenge aus Hafer- und Fußball-Fans natürlich das höchste der Gefühle. Und ganz nebenbei erfährt man auch noch ein wenig aus dem Innenleben von Harry Kane. Nicht nur davon, wie er über Erziehung denkt, sondern auch mit wem aus der Mannschaft er befreundet ist (Jamal Musiala, Michael Olise) und was er isst, wenn um 15.30 Uhr Anpfiff ist.

Man muss nicht um die Tatsache herumtanzen, dass dieses Event extrem künstlich ist. Wohl die wenigsten Anwesenden würden ohne Kane, ohne Porridge einen Dienstagnachmittag hier verbringen. Geladen wurde zum Brunch, der wegen Kanes Trainingsplan allerdings erst um 15 Uhr beginnt. Eigentlich war geplant, dass das alles zu einer auch echten Brunch-Uhrzeit, also vormittags stattfindet. Aber Kane ist der Star, nach ihm richten sich alle an diesem Nachmittag.

Dabei wirkt Kane im besten Sinne unprätentiös. Klar, er ist der millionenschwere Fußballer von dem international bekannten FC Bayern. Aber wie er da so sitzt, auch über Nervosität vor den Spielen spricht, an die man sich langsam gewöhne, so wie an die vielen Menschen, für die man schnell die Augen verliere, wirkt er anders. Fast wie jemand, der in den Medienzirkus herein gestolpert ist, ganz aus Versehen, und mitten in die Manege.

Ganz so ist es dann natürlich doch nicht. Denn stünde jemand anderer als ein Harry Kane dort in der Mitte, würden die Umstehenden nicht so reagieren. Ganz egal, ob sie ihr Alter mit „fast zehn Jahre“ oder mit „Mitte 30“ angeben: Die Augen sind weit und in leichtem Unglauben geöffnet, die Köpfe wie fixiert auf den Fußballer.
Angereist sind sie aus Köln, aus Freiburg, aus Wangen. Mitsamt ihrer FC-Bayern-Fanartikelkollektion, die nun signiert wird.

Da sind zum Beispiel die zwei Jungs aus dem Allgäu, die mit ihrem Abstecher nach München ihren gesamten Fußballverein neidisch machen dürften. Oder der Rheinländer, der immer noch nicht so recht glauben kann, was ihm gerade widerfährt. Caroline Nichols von „3Bears“ sagt: „Fast alle haben uns geschrieben und gefragt, ob das echt ist.“ Ist es.

Die Firma hat Nichols zusammen mit ihrem Mann Tim 2016 gegründet, diesen Mai feiern sie Zehnjähriges. Caroline ist Deutsche, Tim ist Brite. Kennenlernte sich das Paar, als sie Auslandssemester in Großbritannien machte. Angetreten ist das Ehepaar Nichols, um Porridge nach Deutschland zu bringen, in Bio-Qualität und ohne Industriezucker.

Das wirkt sehr zeitgeistig. Wie das ganze Kane-Event. Es fängt ja mit dem Ort an, der Sporthalle. Padel ist schwer im Trend. Dann ist da der alkoholfreie Wein, der im hinteren Bereich der Halle einen zusätzlichen Stand haben darf, ist die probiotische Limonade auf Apfelessig-Grundlage, ist die Proteinmilch. Würde man ein Alien, einen extraterrestrischen Besucher einladen, sich ein Bild davon zu machen, mit welchen Sport- und Ernährungstrends Menschen sich Mitte der 2020er-Jahre beschäftigen, man bräuchte ihn nur in diese Halle führen und das Bild wäre komplett. Hauptsache gesund, Hauptsache Ball.

Wer das Ehepaar Nichols spricht, merkt: Die wollen was aufbauen. Und sie wissen, wie man sich verkauft. Ihren Durchbruch erlangte die „3Bears“ nach einem Fernsehauftritt bei „Die Höhle der Löwen“, der Show, bei der Investoren im besten Fall in junge Firmen investieren. Kane als Investor holten sie an Bord, als Caroline Nichols den Fußballer auf LinkedIn anschrieb. So einfach sei das gewesen, sagt sie. Das Management habe sich sehr schnell gemeldet, die Geschäfte für Kane verantworten Familienangehörige.

Was aber isst Kane nun, wenn Anpfiff um halb vier ist? Mal angenommen Anstoß ist um 15.30 in der Arena in Fröttmaning: Zum Frühstück gibt es Avocado, zwei Scheiben Toast und Eier, am liebsten Spiegeleier. Mittags, vor dem Spiel in der Regel Pasta, meist mit Bolognese, und ein Porridge mit Beeren, am liebsten Erdbeeren. Und am Abend, nach dem Spiel, ein Curry mit Hähnchen. Oder Pizza. Oder Burger. Je nachdem.

Er sei ein Fan des Prinzip „Cheat Day“, sich also auch mal etwas zu gönnen, ohne ausschließlich auf die Nährwerte zu achten. „Man will ja kein Gefangener seiner gesunden Ernährung werden“, scherzt er. In Tennisballwurfreichweite liegt der Proteinriegel mit seinem Namen drauf.

Wie reagiert das Team auf ein Gegentor? Schätzt der Athlet das Risiko richtig ein? Tom Kossak, Sportpsychologe beim Eishockey und Snowboard, über den Einfluss von Social Media, Vorteile eines Gegners und wo er besonders aufpassen muss.

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