SZ 01.03.2026
14:43 Uhr

(+) Eskalation im Nahen Osten: Was über den Angriff auf Iran bekannt ist


Angriff, Gegenangriffe und Reaktionen: Was geschieht gerade in Iran und der Region? Ein Überblick zur Lage.

(+) Eskalation im Nahen Osten: Was über den Angriff auf Iran bekannt ist
Über Teheran steigt nach einer Explosion Rauch auf. (Foto: Uncredited/AP/dpa)

Am Morgen des 28. Februar haben Israel und die USA Iran militärisch angegriffen, Gegenschläge folgten bald in der ganzen Region. Ein Überblick zu wichtigen Ereignissen und Reaktionen:

Nachdem am Samstag zunächst israelische Luftschläge gegen Ziele in Iran gemeldet worden waren, wurde bald darauf auch die Beteiligung der US-Armee bekannt. Seither wurden Attacken auf Ziele in Teheran und vielen weiteren Orten des Landes bestätigt.

Anders als beim zwölf Tage langen Krieg im vergangenen Juni begannen die Angriffe am Morgen und nicht in der Nacht. Israels Luftwaffe führte nach Militärangaben den bisher größten Einsatz ihrer Geschichte aus. Rund 200 Kampfflugzeuge hätten etwa 500 Ziele angegriffen, teilte das israelische Militär mit. Getroffen wurden Berichten zufolge Raketendepots, Luftverteidigungsanlagen und Ziele in der Nähe von Regierungsgebäuden.

Israel versuchte nach Militärangaben, gezielt Vertreter der Führung in Teheran anzugreifen. In der Hauptstadt seien gleichzeitig mehrere Orte attackiert worden.

Israel setzte die Angriffe am Sonntagmorgen fort. Nach Angaben der israelischen Armee wurden „Ziele des iranischen Terrorregimes im Herzen von Teheran angegriffen“. Einwohner berichteten, es handele sich offenbar um Angriffe im Stadtzentrum. Israel griff Militärangaben zufolge zudem die ballistischen Raketen- und Luftabwehrsysteme Irans an. Dabei sei es gelungen, die Mehrheit der Flugabwehrsysteme im Westen und im Zentrum Irans auszuschalten. Ziel sei es zudem, die iranischen Boden-Boden- und Boden-Luft-Raketen zu treffen, so das Militär.

Die proiranische Miliz hatte zuvor Raketen auf Israel abgefeuert – als Reaktion auf die Tötung des iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei. Augenzeugen berichten von Explosionen südlich von Beirut.

Irans oberster Führer Ayatollah Ali Chamenei wurde bei einem Luftschlag getötet. Das bestätigten iranische Staatsmedien in der Nacht zu Sonntag. Zuvor hatte bereits US-Präsident Donald Trump mitgeteilt, dass der Ayatollah tot sei.

Neben Ayatollah Ali Chamenei starben auch einige seiner Familienangehörigen. Auch der Anführer der iranischen Revolutionswächter, Mohammed Pakpour, und der Vorsitzende des nationalen Verteidigungsrats, Ali Shamkhani, wurden getötet, ebenso wie der Generalstabschef der Streitkräfte, Abdolrahim Mousavi.

Netanjahu rechtfertigt die Angriffe auf Iran mit dem Schutz vor einer existenziellen Bedrohung durch Teheran. Gemeint ist damit Irans Atom- und Raketenprogramm. Es dürfe „nicht zugelassen werden, dass sich das mörderische Terrorregime mit Atomwaffen ausrüstet, die es ihm ermöglichen würden, die gesamte Menschheit zu bedrohen“, sagte Netanjahu weiter.

Trump nannte in einer Videoansprache in gewohnt drastischen Worten gleich mehrere Gründe für die „Operation Epic Fury“ (Operation Gewaltige Wut), darunter: Iran stelle seit vielen Jahren eine Gefahr für die USA dar, Verhandlungen über das Atomprogramm seien fruchtlos verlaufen und das Regime habe unzählige Verbrechen begangen. Die US-Angriffe zielten darauf ab, Iran an der Entwicklung einer Atomwaffe zu hindern und die militärische Schlagkraft des Landes zu vernichten.

Das iranische Volk rief Trump dazu auf, die Chance zum Umsturz zu nutzen, sobald die Intervention ihnen dafür den Boden bereitet habe: „Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung.“

Benjamin Netanjahu fordert seit zwei Jahrzehnten, dass die USA gemeinsam mit Israel das iranische Atomprogramm zerstören. Die Wette für Israel ist hoch, weil es für Iran um alles geht.

Iran antwortet mit mehreren Vergeltungsschlägen: gegen Israel, US-Militärstützpunkte in Nahost und gegen mehrere Golfstaaten.

In vielen Teilen Israels und des Westjordanlands gab es den ganzen Samstag über immer wieder Luftalarm wegen anfliegender Raketen und Geschosse. Auf Entwarnung folgte teils innerhalb kürzester Zeit ein neuer Alarm.

Vor allem die israelische Stadt Tel Aviv ist immer wieder Ziel iranischer Angriffe. Auch am frühen Sonntagmorgen heulten dort die Sirenen. Die iranischen Revolutionsgarden gaben an, ein Rüstungskomplex in Tel Aviv angegriffen zu haben.

Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim, ein Sprachrohr von Irans Elitestreitmacht, berichtete zudem, es seien 27 US-Stützpunkte in der Region ins Visier genommen worden. Bereits am Samstag hatten die iranischen Streitkräfte nach eigenen Angaben mehrere US-Militärstützpunkte in der Region attackiert. Darunter waren die Stützpunkte Al-Udeid in Katar, Al-Salem in Kuwait, der Luftwaffenstützpunkt Al-Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Prinz Sultan in Saudi-Arabien und die US-Flotte in Bahrain. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Auch einige Golfstaaten wurden Ziel iranischer Vergeltungsschläge. Ziele sind under anderem der Flughafen der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate Abu Dhabi. Auch der Flughafen von Dubai wird Ziel iranischer Angriffe. Fluggesellschaften stellten den Flugverkehr über dem Nahen Osten am Samstag weitgehend ein.

Wegen der Militärschläge in Nahost haben mehrere Staaten ihren Luftraum geschlossen, die großen Drehkreuze in Dubai und Doha werden nicht mehr angeflogen. Reisenden wird empfohlen, ihren Flug umzubuchen. Auch Kreuzfahrtschiffe sind betroffen.

Das Militär der Vereinigten Arabischen Emirate hat seit Beginn der iranischen Gegenangriffe nach eigenen Angaben 132 ballistische Raketen und 195 Drohnen abgewehrt. Zudem seien fünf ballistische Raketen Irans ins Meer gefallen. Vierzehn Drohnen seien ebenfalls über Wasser oder an Land abgestürzt, wodurch es einige Schäden gegeben habe, teilte das Ministerium mit. Die Emirate verurteilten den Angriff aufs Schärfste.

In der katarischen Hauptstadt Doha, sowie in Manama, der Hauptstadt von Bahrain, wurden am Sonntagmorgen Explosionen gemeldet. Vor der Küste des Golfstaats Oman ist nach staatlichen Angaben ein Öltanker angegriffen worden. Ein weiteres Schiff wurde nach Angaben der britischen Behörde UKMTO 50 Seemeilen nördlich der omanischen Hauptstadt Maskat von einem unbekannten Geschoss getroffen. Auch der Handelshafen von Dukm in Oman ist mit zwei Drohnen angegriffen worden.

Der Oberste Führer Chamenei soll getötet worden sein, doch die entscheidenden Befehle soll er bereits vor den Luftangriffen gegeben haben. Mit den Vergeltungsschlägen gegen US-Basen in arabischen Golfstaaten setzt Iran sein Verhältnis zu diesen Ländern aufs Spiel.

Zu zivilen Opfern hieß es aus Iran, es sei gezielt eine Mädchenschule angegriffen worden, die Todeszahl wurde mehrfach nach oben korrigiert und zuletzt mit mindestens 108 angegeben. Mehr als weitere 90 Schülerinnen seien verletzt worden. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Israel hat eine Verantwortung für einen Angriff zurückgewiesen.

In Israel kamen bei iranischen Angriffen unter anderem auf Tel Aviv und der Stadt Beit Schemesch mehrere Menschen ums Leben. Zahlreiche Menschen wurden verletzt. Auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten gab es Tote und Verletzte durch iranische Vergeltungsschläge.

UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die Eskalation scharf und forderte alle Parteien auf, unverzüglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Präsidentin der UN-Vollversammlung, Annalena Baerbock, rief die USA, Israel und Iran zur Deeskalation auf. „Die Charta der Vereinten Nationen ist eindeutig: Alle Mitgliedstaaten müssen ihre internationalen Konflikte mit friedlichen Mitteln lösen, damit Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit in der Welt nicht in Gefahr geraten“, sagt die ehemalige Bundesaußenministerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die Internationale ‌Atomenergiebehörde (IAEA) will am Montag ‌eine Dringlichkeitssitzung wegen der Angriffe der USA und Israels
auf Iran abhalten. Das ‌von Russland beantragte Treffen beginne um ‌9 ‌Uhr (MEZ), teilte die UN-Behörde mit. Diplomaten zufolge
gibt es keine ‌Anzeichen dafür, dass bei den Angriffen am Samstag iranische Atomanlagen ⁠getroffen wurden

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wählte klare Worte in Richtung Iran, hielt sich in Bezug auf die israelischen und US-amerikanischen Angreifer aber deutlich zurück. In einer Erklärung verurteilte Merz das Verhalten der iranischen Führung in der Region und im eigenen Land. „Die Bundesregierung ruft Iran nachdrücklich dazu auf, sofort die militärischen Schläge gegen Israel und unsere anderen Partner in der Region einzustellen“, erklärte Merz. „Iran muss auch andere destabilisierende Aktivitäten in der Region und darüber hinaus unterlassen.“ Die Führung in Teheran müsse außerdem die Gewalt gegen die eigene Bevölkerung beenden. Die israelischen und amerikanischen Angriffe kritisierte Merz nicht, sondern betonte lediglich, dass Deutschland daran nicht beteiligt gewesen sei.

Russlands Präsident Wladimir Putin kritisierte die Tötung des iranischen Religionsführers Ali Chamenei scharf. Putin nannte den tödlichen Angriff auf Chamenei einen „zynischem Verstoß gegen alle Normen der menschlichen Moral und des Völkerrechts“. Chinas Außenminister Wang Yi verurteilt die Angriffe der USA und Israels auf Iran als inakzeptabel. Auch Nordkorea kritisiert die Angriffe der USA und Israels auf Iran als „Verletzung der nationalen Souveränität“.

Die USA sehen ihren Angriff auf Iran eigenen Angaben zufolge im Einklang mit internationalem Recht. Die Vereinigten Staaten hätten in enger Abstimmung mit Israel rechtmäßige Maßnahmen gemäß Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen ergriffen, sagte der UN-Botschafter der USA, Mike Waltz, bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats in New York. Artikel 51 der UN‑Charta verankert das Recht eines Landes auf Selbstverteidigung.

Ali Chamenei, Oberster Führer der Islamischen Republik Iran, wurde durch den historischen Zufall an die Macht getragen. Seit 1989 herrschte er mit purer Gewalt über sein Land. Jetzt ist er tot und die Frage ist, ob es den Gottesstaat ohne ihn überhaupt noch gibt.

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