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27.08.2026
08:14 Uhr
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Am Hochstaufen bei Bad Reichenhall hat die Erde gebebt. In der Gegend kommt es besonders häufig zu Beben – das hat laut bayerischen Forschern auch etwas mit sommerlichem Regen zu tun.

Eins der stärksten Beben in Bayern aus jüngerer Zeit wurde im April 2008 aufgezeichnet. Das Ereignis mit der Stärke 3,4 wurde am Thumsee, in der näheren Umgebung von Bad Reichenhall, aufgezeichnet. Marc Müller/dpa
Am Abend des vergangenen Sonntags war in der Gegend um Bad Reichenhall eine Erschütterung zu spüren. Rund ein Dutzend Meldungen über das Ereignis schickten Bürger in der Folge an den Erdbebendienst Bayern, der als Teil der Ludwig-Maximilians-Universität in München die Bewegungen der Erde in Bayern beobachtet.
Gerade im Raum Bad Reichenhall seien Beben „relativ häufig“, sagt Joachim Wassermann, der die Seismologie-Abteilung des zugehörigen Geophysikalischen Observatoriums leitet. Um die einhundert Beben registrierten die feinen Messinstrumente dort pro Jahr – weit mehr als jene, die auch Menschen zu spüren bekommen.
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Die Erde, genauer gesagt die Platten, aus denen ihre Oberfläche besteht, ist permanent in Bewegung. So liegt Afrika auf einer Erdplatte, die sich ganz sachte im Laufe von Milliarden Jahren über die Platte schiebt, auf der Europa und Asien liegen. In diesem Prozess entlädt sich immer mal wieder aufgestaute Energie – ähnlich wie bei einem Seil, das an irgendeinem Punkt reißt. Das Ergebnis: ein Erdbeben.
Nur sehr selten fallen dabei Häuser in sich zusammen. Minimale Beben dagegen zeichnen die Erdbebenforscher ständig auf. 2025 waren es für Bayern knapp 1800 sogenannte Lokalbeben inklusive Vor- und Nachbeben. Im laufenden Jahr sind es bisher an die 700.
Damit ein Beben spürbar wird, müssen Besonderheiten hinzukommen: entweder eine besonders große Stärke oder, wie beim jüngsten Fall in Bad Reichenhall, ein Erdbebenherd, der nahe der Oberfläche liegt – in diesem Fall weniger als drei Kilometer. Das Epizentrum verorten die Forscher am südlichen Ortsrand. Wahrzunehmen sei ein Erdbeben als „dumpfer, starker Knall“, sagt Wassermann, und nicht etwa wie ein Donnergrollen.
Welches Beben war das stärkste in Bayern?
Die wohl schlimmste belegte Erdbebenserie ereignete sich laut Wassermann ungefähr zwischen 1914 und 1920 bei Eichstätt im Altmühltal. Dabei kam es zu mehreren Beben, die in etwa die Stärke 5 erreichten – es kam zu vielen Schäden an Gebäuden.
Eins der stärksten Beben aus jüngerer Zeit wurde im April 2008 aufgezeichnet. Das Ereignis mit der Stärke 3,4 wurde am Thumsee, also ebenfalls in der näheren Umgebung von Bad Reichenhall, aufgezeichnet.
In Japan, wo es regelmäßig zu starken Erdbeben kommt, erreichen diese nicht selten Werte von mehr als 5. Die Skala ist logarithmisch, das bedeutet: Ein Wert von 5 ist rund 2000 Mal so stark wie das Reichenhaller Beben vom Sonntag und setzt weit größere Mengen an Energie frei.
Warum ist Bad Reichenhall ein Erdbeben-Hotspot?
In der Gegend um den Hochstaufen kommt es zu besonders vielen Beben. „Der Hochstaufen rutscht langsam Richtung Tal“, sagt Wassermann. Heißt: Die Schwerkraft zieht den Berg, wie alle Gebirge auf der Welt, permanent talwärts, während die Plattenverschiebungen ihn anheben und verformen.
Hier stehen besonders viele Messstationen, die zu einem bayernweit verteilten Netz aus 35 Sensoren gehören. Die Forscher beobachten auch minimale Lageveränderungen des Hochstaufen mittels Satellitendaten und Radarbildern. In der Gegend ereignen sich häufig sogenannte Schwarmbeben, also Serien von Erdbeben. Am häufigsten treten sie laut Wassermann zwischen Mai und Juli auf, den regenreichsten Monaten.
Der Grund: Durch die Niederschläge wird der Untergrund mit Wasser gesättigt, die Erde kommt stärker in Bewegung. Auch bedingt durch diese Besonderheit wurden in den vergangenen 20 Jahren im Hochstaufen-Umkreis rund 7000 Beben verzeichnet. Ein ähnlicher Schwerpunkt für Schwarmbeben liegt im Vogtland, das Teile von Franken einschließt. Starkregen, wie ihn der Klimawandel begünstigt, befeuert dem Forscher zufolge eher nicht die Beben am Hochstaufen, weil er rasch abfließt, ohne den Boden zu durchnässen.
Nehmen Erdbeben zu?
Auch wenn es immer mal wieder zu Beben kommt: Ein Trend etwa zu mehr oder stärkeren Bodenbewegungen ist laut Wassermann nicht zu erkennen. Die Erdbeben heutiger Zeit sind auch eine Klimafolge: Während der letzten Eiszeit drückten Eisschilde auf die Erdkruste. Seit sie geschmolzen sind, steigen die Erdplatten langsam wieder nach oben – auch das macht sich bisweilen in Form von Erdbeben bemerkbar.
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass auch der aktuelle Klimawandel Erdbeben begünstigen könnte: Das Abschmelzen der Polkappen führt laut einer Veröffentlichung des Helmholtz-Zentrums für Geoforschung dazu, dass mehr Wasser auf den Meeresboden drücke. Diese Veränderungen könnten besonders in küstennahen Regionen für mehr Beben sorgen.
Eigentlich ist Hochsaison, doch vor allem die Tagesgäste am Altmühlsee und am Kleinen Brombachsee bleiben aus. Weil der Klimawandel ein Problem verschärft, das man seit Jahren nicht wirksam in den Griff bekommt.
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