SZ 24.02.2026
05:30 Uhr

(+) Epstein-Skandal: Ehemaliger britischer Botschafter Mandelson auf Kaution frei


Der ehemalige Diplomat steht im Verdacht, sensible Informationen an den verstorbenen US-Sexualstraftäter weitergegeben zu haben. Ihm wird Amtsmissbrauch vorgeworfen.

(+) Epstein-Skandal: Ehemaliger britischer Botschafter Mandelson auf Kaution frei

Der im Zusammenhang mit dem Epstein-Skandal festgenommene britische Ex-Botschafter in den USA, Peter Mandelson, ist auf Kaution wieder freigelassen worden. An zwei Adressen seien Hausdurchsuchungen erfolgt, die Ermittlungen liefen weiter, erklärte die Polizei in London am frühen Morgen. Die Ermittler hatten den einstigen Wirtschaftsminister am Montag festgenommen.

In der neuen Pressemitteilung der Polizei wurde Mandelson wie üblich nicht namentlich genannt, sondern nur als 72-jähriger Ex-Minister beschrieben, dem Fehlverhalten in einem öffentlichen Amt vorgeworfen wird. Zu dem Fall würden bis auf Weiteres keine zusätzlichen Informationen preisgegeben, hieß es weiter.

Die Ermittler hatten ihre Arbeit Anfang des Monats aufgenommen, nachdem die Regierung von Premierminister Keir Starmer Kommunikation zwischen Mandelson und dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein an die Polizei übergeben hatte. Eine Stellungnahme des ehemaligen Botschafters liegt bisher nicht vor. Der Skandal setzt auch Starmer unter Druck, da er Mandelson trotz dessen bekannter Verbindungen zu Epstein ernannt hatte.

Die britischen Royals genießen eine Art feudale Immunität, zentrale Gesetze betreffen sie nicht. Nach der Festnahme von Andrew lassen sich diese Traditionen kaum noch aufrechterhalten.

Mandelson war im September von seinem Posten in Washington, D.C., abberufen worden, als das Ausmaß seiner Freundschaft zu Epstein ans Licht kam. Dem ehemaligen EU-Handelskommissar wird vorgeworfen, Informationen an den US-Multimillionär weitergegeben zu haben.

Mandelson ist der zweite prominente Brite, der innerhalb kurzer Zeit im Zusammenhang mit der Epstein-Affäre in Polizeigewahrsam genommen wurde. Vor einigen Tagen wurde der frühere Prinz Andrew festgenommen und nach einem Verhör unter Auflagen wieder freigelassen. Andrew Mountbatten-Windsor wird verdächtigt, während seiner Zeit als Sonderbeauftragter für Handel zwischen 2001 und 2011 Epstein vertrauliche Informationen zugespielt zu haben.

Auch in anderen europäischen Staaten hat die Epstein-Affäre zu Konsequenzen geführt. So trat die norwegische Diplomatin Mona Juul von ihrem Posten zurück, Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit entschuldigte sich für ihre früheren Kontakte zu Epstein, und in Frankreich gab der frühere Kulturminister Jack Lang sein Amt als Präsident des Instituts der arabischen Welt auf. Verbindungen zu prominenten Deutschen sind bislang nicht bekannt geworden.

Epstein hatte über Jahre hinweg ein umfangreiches System zur sexuellen Ausbeutung Minderjähriger betrieben. Er pflegte weltweit Kontakte zu hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Adel. Epstein wurde im Juli 2019 festgenommen und einen Monat später tot in seiner New Yorker Gefängniszelle aufgefunden, was als Suizid eingestuft wurde. Die US-Regierung hat jüngst nach massivem Druck auch aus der Bevölkerung zahlreiche Unterlagen zu dem Fall veröffentlicht, zum Teil geschwärzt.

Noch steht Andrew Mountbatten-Windsor an achter Stelle der Thronfolge im Vereinigten Königreich. Die britische Regierung könnte das ändern – und arbeitet an einem entsprechenden Gesetz.

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