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31.07.2026
13:20 Uhr
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„Ganz Rothenburg wird Landesausstellung“, hatte Bayerns Kunstminister angekündigt. Daraus wird nichts. Die Stadt, im Tourismus weltweit bekannt, zieht die Reißleine – ein singulärer Vorgang.

Die schwere Haushaltskrise bayerischer Kommunen tritt immer offenkundiger zutage. Einen Tag, nachdem die zweitgrößte Stadt des Freistaats, Nürnberg, die Reißleine gezogen und Ende Juli eine Haushaltssperre für das laufende Jahr verhängt hat, hat sich die Große Kreisstadt Rothenburg ob der Tauber zu einem singulären Schritt entschieden. Die für das Jahr 2028 angekündigte Landesausstellung „Kinder im Mittelalter“ wird nicht stattfinden. Mit 16 zu sechs Stimmen votierten die Mitglieder des Stadtrats dafür, die als „faszinierende Objekt- und Medienschau“ geplante Ausstellung zu stornieren.
„Ich hätte mir anderes gewünscht, als im dritten Monat meiner Amtszeit solche Nachrichten verkünden zu müssen“, sagt Rothenburgs Oberbürgermeister Christoph Rösch (SPD) im SZ-Gespräch. Zumal die geplante Landesausstellung in die mutmaßlich bekannteste deutsche Vorzeigestadt des Mittelalters wohl formidabel gepasst hätte. In und vor der Reichsstadthalle hätten, so der Plan, Besucherinnen und Besucher „ihren Fantasien mit einer Zeitreise ins Mittelalter freien Lauf“ lassen sollen und wären in einer Zeltstadt mit Marktleben und Mitmachstationen empfangen worden. Im Mittelpunkt der Schau hätten – so das Konzept vom Haus der Bayerischen Geschichte – die Kinder stehen sollen.
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Bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags vor knapp zwei Jahren hatte Kunstminister Markus Blume (CSU) angekündigt: „Ganz Rothenburg wird Landesausstellung.“ Daraus wird nun nichts. Auf mindestens 800 000 Euro schätzt OB Rösch den Eigenanteil, der den Verwaltungshaushalt der Großen Kreisstadt belastet hätte. Zuletzt habe sich die Stadt durch allerlei glückhafte Fügungen „in einen genehmigungsfähigen Haushalt retten“ können. Keinem der Stadtratsmitglieder, das könne er versprechen, sei diese Absage leichtgefallen.
Die Stadträte von CSU, SPD und Grünen hätten es aber als Übernahme von Verantwortung betrachtet, noch rechtzeitig – zwei Jahre vor dem geplanten Beginn der Schau – die Bremse zu ziehen. „Die Blamage wäre noch größer gewesen“, sagt Rösch, wenn etwa auch Rothenburg in eine Situation gerutscht wäre, in der es keinen genehmigungsfähigen Haushalt mehr hätte präsentieren können – und man ebenfalls, wie gerade Nürnberg, eine Haushaltssperre hätte verhängen müssen. „Wenn das kurz vor der Ausstellung passiert wäre – was hätten wir dann gemacht?“, fragt der Oberbürgermeister.
Der Stadtrat hatte am Donnerstagabend beschlossen, dass „die Landesausstellung 2028 nicht in Rothenburg ob der Tauber durchgeführt werden“ könne und „mit Verweis auf den vereinbarten Haushaltsvorbehalt zurückgegeben werden“ müsse. Eine Kreditaufnahme für eine solche Ausstellung sei nicht zulässig. Ein per se geeigneter Veranstaltungsort, sagt OB Rösch, wie etwa in Regensburg oder Städten wie Würzburg oder Ansbach – wo Landesausstellungen in den jeweiligen Residenzen stattgefunden hatten – stehe in Rothenburg nicht zur Verfügung.
Das örtliche Rothenburgmuseum sei für eine solche Schau zu klein. Die Reichsstadthalle hätte erst ertüchtigt werden müssen, durch Zelte wären weitere Kosten entstanden.
Über die Nachrichten aus Rothenburg zeigt sich Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, „sehr traurig“. Immerhin sei man mit dem Konzept fertig gewesen und habe passende Exponate bereits ausgewählt. Im SZ-Gespräch sagt Loibl aber auch, dass – aufgrund entsprechender Zeichen – das Haus die Kunde aus Rothenburg nicht unvorbereitet treffe. Das Konzept werde selbstverständlich archiviert.
Erst einmal hat eine Landesausstellung verlegt werden müssen, das allerdings nicht aufgrund einer finanziellen Notlage – sondern wegen der Corona-Pandemie. Für das Thema „Kinder im Mittelalter“, sagt Loibl, böten sich auch andere Städte in Bayern an. Dinkelsbühl wäre eine davon. 2028 kann eine solche Ausstellung aber nirgends präsentiert werden, dafür reiche die Zeit nicht. Trotzdem werde das Haus der Bayerischen Geschichte auch in zwei Jahren eine Landesausstellung zeigen. Die Pläne sind vorläufig noch nicht spruchreif.
Die Freie Rothenburger Vereinigung (FRV) votierte bei der Abstimmung gegen die Absage. Aus deren Kreisen ist am Tag danach zu hören, die Ausstellung sei „künstlich schlechtgerechnet“ worden, die Entscheidung komme einem „Affront gegen den Freistaat Bayern“ gleich, bei der Staatsregierung müsse man sich „künftig nicht mehr blicken lassen“. Man habe den „Abstieg in die touristische Drittklassigkeit“ beschlossen, was für eine Stadt wie Rothenburg einer „Bankrotterklärung“ gleichkomme.
Der ehemalige Oberbürgermeister Markus Naser (FRV), Landeshistoriker an der Universität Würzburg, wollte sich auf Anfrage nicht zur Abstimmung äußern. Er gilt als Wegbereiter der 2024 unterzeichneten Kooperation für eine Landesausstellung. Als Ex-Rathauschef habe er sich vorgenommen, nicht „von der Seitenlinie zu kommentieren“, sagt Naser. Macht aber keinen Hehl daraus, dass er die Argumente der FRV-Fraktion im Stadtrat für nachvollziehbar hält.
In Dinkelsbühl, ebenfalls mit pittoresker Altstadt gesegnet, hat man die Entscheidung im nahen Rothenburg mit Interesse registriert. Dinkelsbühl verzeichnete zuletzt stark ansteigende Touristenzahlen, die Stadt ist für ihre „Kinderzeche“, ein historisches Fest, berühmt. Das Thema „Kinder im Mittelalter“ wäre dort gut aufgehoben. „In mir rattert es“, sagt Oberbürgermeister Christoph Hammer (CSU). Allerdings müsse man sich zunächst über passende Räumlichkeiten Gedanken machen.
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