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22.01.2026
17:20 Uhr
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Im Januar haben gleich zwei Kinder unseres Kolumnisten Geburtstag. Als erfahrener Ausrichter von Kindergeburtstagen weiß er inzwischen, was es nicht braucht, damit das Fest gelingt.

Dass meine Frau und ich nicht sehr gut darin sind, vorausschauend zu planen, erkennt man auch daran, dass zwei unserer drei Kinder im Januar Geburtstag haben. Du kommst aus dem Machen und Backen und Schenken und Feiern gar nicht mehr raus von der Adventszeit bis Februar. Aber wer denkt an so was? Wir jedenfalls nicht.
Statt mit einem dry january beginnen wir das Jahr daher mit einem busy january inklusiver zweier Kindergeburtstage. Von Kindergeburtstagen lasse ich mich jedoch nicht mehr stressen. Kindergeburtstage haben mich lange nervös gemacht und geschlaucht. Heute bin ich ein Kindergeburtstagsveteran, vernarbt und teilweise traumatisiert, aber auch gestählt und weise. Ich habe vieles probiert und alles erlebt.
Ich habe ganze Drehbücher für ausgeklügelte Piraten-Schnitzeljagden verfasst. Ich habe für Meerjungfrauen-Mottopartys essbare Ozeane aus Wackelpudding und Gummitieren gegossen. Ich habe mich verschuldet, damit zehn Mädchen in überfüllten Trampolinparks versuchen können, sich die Knöchel zu brechen, und danach Fertigpizza serviert bekommen. Ich habe in Fußballhallen wütende Jungs davon abgehalten, sich zu skalpieren. Ich habe bei Übernachtungspartys nachts um drei noch Heimwehgeplagte getröstet und auch schon Heulende aus Kinosälen geleitet. Ich habe Karaokeanlagen aufgebaut, und dann wollte niemand singen. Immer wieder habe ich mir geschworen, nie wieder so eine Dreckspiñata zu kaufen, weil keiner die mit einem Kochlöffel zum Platzen kriegt und man sie irgendwann aufreißen muss und einfach beim Topfschlagen bleiben sollte. Ich habe nächtelang unzählige Geschenktüten für Gäste befüllt, als käme Donald Trump auf Staatsbesuch und ich müsste ihn davon überzeugen, nicht unsere Wohnung für sich zu beanspruchen, weil sie geostrategisch wichtig ist.
Nach all den Jahren im Kindergeburtstagsbusiness weiß ich jetzt vor allem, was es nicht braucht, damit ein Fest gelingt. Nicht zu viele Gäste (so viele wie Jahre ist eine gute Regel, und bevor es dann zu voll wird, hören die Kinder ohnehin auf mit den Kindergeburtstagen, weil sie keine Kinder mehr sind), nicht zu viel Programm, mehr Freiraum, mehr Spontanität und auf keinen Fall Konfettikanonen, weil: Das pinke Konfetti werden Archäologen noch in 380 Jahren in Parkettritzen finden.
Die unwägbare Komponente bei Kindergeburtstagen bleiben für mich die Eltern. Manche schieben dir die Kleinen entgegen, als hätten sie sich die ganze Woche darauf gefreut, Samstag vier Stunden freizuhaben. Andere ziehen sich ungebeten die Schuhe aus. Ich beobachte in der Generation unserer Jüngsten einen Trend hin zu Feiern, bei denen Väter und Mütter durchgehend in der Küche rumhocken oder ihre Töchter und Söhne durch das Partyprogramm begleiten. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Vielleicht bin ich da auch zu deutsch. Ich brachte meinen Sohn vor Jahren mal zum Fest einer Freundin aus einer brasilianischen Familie. Wie die anderen bringenden Eltern wollte ich mich schnell wieder rausstehlen, als die Mutter fragte: Wo willst du hin?! Ich habe Teigtaschen und Sekt für euch! Es war dann ein sehr lustiger Nachmittag, und mein Sohn musste mich irgendwann ermahnen, dass wir jetzt wirklich nach Hause müssen, während ich noch mit dem Kochlöffel auf die Piñata eindrosch.
In dieser Kolumne schreiben Patrick Bauer und Friederike Zoe Grasshoff im Wechsel über ihren Alltag als Eltern. Alle bisher erschienenen Folgen finden Sie hier.
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