SZ 21.02.2026
17:11 Uhr

(+) Elfmaliger Langlauf-Olympiasieger: Schon wieder Klaebo? Ja, schon wieder!


Der Langläufer Johannes Hösflot Klaebo ist bei Olympia in sechs Wettkämpfen angetreten und reist mit sechs Goldmedaillen nach Norwegen zurück – inklusive einer weiteren Bestmarke.

(+) Elfmaliger Langlauf-Olympiasieger: Schon wieder Klaebo? Ja, schon wieder!
„Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden. Es ist unglaublich“, sagt Johannes Klaebo. (Foto: Anne-Christine Poujoulat/AFP)

Das Bild war bezeichnend: Als der beste Deutsche Florian Notz nach einem beherzten Rennen auf der Königsstrecke der Langläufer über 50 Kilometer als Zehnter ins Ziel kam, da hatte Johannes Hösflot Klaebo ein paar Meter weiter bereits Fototermine. Auch mit Thomas Bach, dem Ehrenpräsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, hatte Klaebo zuvor schon ein Pläuschchen gehalten.

Der norwegische König dieser Winterspiele war ja auch sechseinhalb Minuten vor Notz ins Ziel gekommen, als neuer Olympiasieger, vor seinen Landsleuten Martin Löwström Nyenget und Emil Iversen. Schon wieder? Ja, schon wieder.

In sechs Wettkämpfen ist Klaebo in Tesero im Val di Fiemme angetreten, sechs Goldmedaillen darf er nun in die Heimat nach Trondheim mitnehmen. Es ist eine fast unwirkliche, makellose Bilanz, mit der der 29-Jährige ein weiteres Kapitel olympischer Geschichte aufgeschlagen hat. Am Samstagmittag bei guten Bedingungen hat er auch noch die Bestmarke des US-Eisschnellläufers Eric Heiden übertroffen: Heiden hatte 1980 in Lake Placid als einziger Wintersportler fünfmal Gold bei ein und denselben Olympischen Spielen gewonnen. Bis Klaebo kam und auch diese Marke pulverisierte.

Der Langläufer Johannes Klaebo ist nach dem Gewinn der neunten Goldmedaille der historisch erfolgreichste Wintersportler. Auch, weil er sein Leben lang auf seinen Opa gehört hat.

„Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden. Es ist unglaublich“, sagte Klaebo bei seinem Interview-Marathon, der kaum kürzer dauerte als sein knapp 2:07 Stunden langes Rennen: „Ich habe eine Familie und Verlobte, die mich sehr unterstützen. Gemeinsam treffen wir die richtigen Entscheidungen. Das Ergebnis davon sind sechs Goldmedaillen.“

Am vergangenen Sonntag hatte Klaebo mit seinem neunten Olympiasieg bereits die großen Drei des Wintersports überholt, seine Landsleute Björn Daehlie, Marit Björgen und Ole Einar Björndalen (je achtmal Gold). Nur der US-Schwimmer Michael Phelps steht mit 23 Mal Gold im Medaillenspiegel der Einzelathleten bei Sommer- oder Winterspielen noch über ihm.

Vor 9000 Zuschauern am Lago di Tesero versuchte Nyenget schon kurz nach dem Start den ersten Angriff, wurde dann aber schnell wieder eingeholt. Klaebo, der eher dafür bekannt ist, das Tempo am Ende seiner Rennen zu verschärfen, hielt problemlos mit, während zwei seiner Rivalen nach rund 15 Kilometern fast gleichzeitig aufgeben mussten: Der finnische Olympiasieger von Pyeongchang, Iivo Niskanen, und der Weltcup-Gesamtsieger von 2024, Harald Östberg Amundsen, waren beide angeschlagen auf die Loipe gegangen, hielten schließlich an und schnallten ihre Ski ab.

Das norwegische Trio um Klaebo raste allen anderen Konkurrenten davon, und am letzten Anstieg zeigte Klaebo dann wieder seinen Hochfrequenzschritt. Nyenget hatte nicht den Hauch einer Chance, dort noch mitzuhalten, er musste ihn ziehen lassen. Am Ende schaute Klaebo sich um, bevor er die Ziellinie überquerte, knapp neun Sekunden später kam auch Nyenget an.

Über Klaebos Familie ist viel geschrieben worden in den vergangenen beiden Wochen: der Vater, der sein Manager ist und ihn bei den harten Höhentrainingslagern viele Wochen im Jahr begleitet; der Großvater, sein Mentor, der ihm die Trainingspläne schreibt; die Geschwister, die ihn bei seinem Social-Media-Auftritt unterstützen; seine Verlobte, die in Quarantäne bei ihren Eltern muss, wenn sie mal mit Freunden ausgeht – um Klaebo nicht potenziell anzustecken.

Es ist eine Welt der Askese, des Verzichts, der völligen Fokussierung darauf, der Schnellste zu werden, zu sein – und möglichst zu bleiben. Seit zwei Jahren ist Klaebo nun ungeschlagen bei großen Wettkämpfen, er hat alle zwölf Rennen bei der Heimweltmeisterschaft in Trondheim und nun bei den Winterspielen in Tesero gewonnen.

Knapp drei Stunden nach seinem letzten Rennen kam er dann zur Pressekonferenz, einen Energieriegel essend, es war wirklich noch mal ein Marathon, den er nach seinem Marathon absolvieren musste. Es war dann aber auch eine sehr launige halbe Stunde, in der die drei Medaillengewinner oben auf dem Podium referierten: über ihre Freundinnen, die sie nun wiedersehen, über die Frage, ob der erste Schluck Alkohol Klaebo gleich betrunken machen würde nach so langer Abstinenz. Und dass er, Stand Samstagnachmittag, ja genauso viel Gold bei diesen Winterspielen gewonnen habe wie ganz Schweden.

Es waren aber auch ein paar ernsthaftere Momente dabei. Was er denn machen möchte, in den nächsten Tagen und in Zukunft, jetzt, da er eigentlich alles gewonnen hat? „Ich werde mir im Frühling die Zeit dafür nehmen, darüber nachzudenken, worauf ich künftig den Fokus lege. Als Langläufer, aber auch abseits davon. Ich war mental sehr müde nach der Heim-WM in Trondheim“, sagte Klaebo: „Wir haben dann einiges verändert, öfter unsere Freundinnen gesehen in diesem Jahr. Das hat auch in mentaler Hinsicht gutgetan.“

Klaebo hielt dann noch ein rührendes Loblied auf seinen Vater, der immer da gewesen sei, für ihn gekocht habe in den Trainingslagern, ihn von A nach B gebracht habe. „Alles bei uns ist darauf ausgerichtet, so viel Gold zu gewinnen wie möglich. Und mein Dad ist meine größte mentale Stütze dabei, ich bin froh, dass er hier ist.“

Dann stand er auf, die Dopingkontrolle wartete. Die Familie auch. Die Lebensgefährtin. Klaebo wollte aber noch einen Satz loswerden, bevor er ging: „Ich weiß, wie ich bin, wenn ich verliere. Ich werde lieber weiter gewinnen. Denn dann bin ich ein besserer Freund.“

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: