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14.02.2026
15:59 Uhr
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„Schlampig“ und „nicht konsequent genug“: Nach der 3:4-Niederlage gegen Lettland hat das Team um NHL-Profi Leon Draisaitl kaum noch Aussichten auf die direkte Qualifikation fürs Viertelfinale.

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat ihr zweites Gruppenspiel bei den Olympischen Winterspielen in Mailand verloren. Zwei Tage nach dem 3:1 gegen Dänemark unterlag das Team von Bundestrainer Harold Kreis am Samstag Lettland mit 3:4 (2:1, 0:1, 1:2) Toren und hat nun kaum noch Aussichten auf die direkte Qualifikation für das Viertelfinale. „Wir haben die Scheibe heute nicht so flott bewegt wie gegen die Dänen“, sagte Kreis: „Wir haben uns zwar Chancen erarbeitet. Aber die Tore sind heute nicht für uns gefallen. Die Letten waren am Ende den Tick effizienter als wir.“ Zum Abschluss der Vorrunde trifft die DEB-Auswahl am Sonntagabend (21.10 Uhr, ZDF und Eurosport) auf Weltmeister USA.
Wie gegen die Dänen legte das deutsche Team einen Blitzstart hin. Die Letten kamen in den ersten Minuten kaum aus ihrem Drittel, zu hoch waren das Tempo und der Druck der Deutschen. Zwar dauerte es diesmal länger als 23 Sekunden bis zur Führung, aber auch nur deren 126. Dominik Kahun schickte mit einem wunderbaren Pass Lukas Reichel auf die Reise, und der NHL-Stürmer aus Vancouver ließ Arturs Silovs im lettischen Tor keine Abwehrmöglichkeit (3.).
Eishockeystar Leon Draisaitl, deutscher Fahnen- und Erwartungsträger, spricht über das Leben als Promi im olympischen Dorf, die Chancen des DEB-Teams – und diesen einen Penalty seines Vaters vor 34 Jahren.
Die Letten, in der Weltrangliste auf Position elf geführt, galten auf dem Papier als leichtester Gruppengegner. Aber das Team von Coach Harijs Vitolins, WM-Dritter von 2023 und verstärkt mit sechs NHL-Profis, verfügt über reichlich Erfahrung, allen voran Kapitän Kaspars Daugavins. Der Weltenbummler ist mit bald 38 Jahren inzwischen in Kassel in der DEL2 gelandet. Aber er hat noch seine Momente, wie sich zeigen sollte.
Kreis hatte an den Reihen aus dem Dänemark-Spiel nichts verändert. Wie am Donnerstag bildeten Kapitän Leon Draisaitl, Frederik Tiffels und Joshua Samanski die erste Formation, im Tor stand wieder Philipp Grubauer, der gegen die Dänen mit 37 Paraden geglänzt hatte. Und wie die Dänen setzten auch die Letten nach dem Rückstand dem deutschen Spielfluss Härte entgegen. Check für Check gelang es ihnen immer besser, sich vom Dauerdruck des DEB-Teams zu befreien. Eduards Tralmaks brach allein durch die deutsche Abwehr, aber Grubauer schob sein linkes Bein noch rechtzeitig zwischen ihn und das 1:1. Dennoch fiel der Ausgleich wenig später, im Powerplay durch Dans Locmelis (16.).
Die DEB-Auswahl antwortete schnell. Der Mannheimer Lukas Kälble erzielte das erste deutsche Verteidigertor bei diesem Turnier (17.), Moritz Seider hätte noch im ersten Drittel fast das zweite nachgelegt. Aber der Spielverlauf glich verblüffend dem gegen die Dänen. Die Deutschen verloren die Klarheit in ihren Aktionen, die Letten schossen fast doppelt so oft aufs gegnerische Tor. „Man kann die Spiele tatsächlich sehr gut vergleichen“, sagte Angreifer Nico Sturm. „Wir kommen in den ersten zehn Minuten raus wie die Feuerwehr, die Pässe kommen an, wir halten es einfach, dominieren das Spiel und das Tempo. Und dann fängt es an, uns zu entgleiten.“
Die Letten setzten den Deutschen unablässig zu und zwangen sie zu Strafzeiten. „Die haben dann so gespielt, wie wir eigentlich spielen wollten“, sagte Sturm. Gleich zweimal musste Jonas Müller raus in die Box, Tobias Rieder folgte. Diese Chance ließen sich die Letten nicht entgehen. Mit zwei Mann mehr auf dem Eis schossen sie das 2:2, wieder war es Locmelis (29.), der den Puck an Grubauers Helm vorbei unter die Latte schnalzte. „Und der Rest des Nachmittags war einfach schlampig“, sagte Sturm: „Frustrierend, definitiv.“
Die Deutschen machten sich mit Ungenauigkeiten im Spielaufbau das Leben selbst schwer. Draisaitl sprach viel mit den Mitspielern und bemühte sich um Struktur. Mehr als ein Pfostentreffer von Tim Stützle sprang aber nicht heraus. Und die Spielweise der Letten begann Spuren zu hinterlassen. Draisaitl kühlte seine rechte Hand mit einem Eisbeutel, auch Tiffels ließ sich nach einem Einschlag in die Bande kurz durchchecken.
Kreis reagierte und schickte Draisaitl mit Stützle und John-Jason Peterka aufs Eis, das NHL-Trio sollte den besonderen Moment kreieren. „Die drei machen das sehr gut, auch heute. Aber leider, leider ist die Scheibe auch für sie nicht reingegangen“, sagte Kreis. Zweimal verfehlte NHL-Topscorer Draisaitl das Ziel knapp, einmal scheiterte er mit einem Alleingang an Silovs. Die beste Möglichkeit hatte Stützle, es lief bereits das letzte Drittel, aber Silovs warf sich dem zweimaligen Torschützen aus dem Dänemark-Spiel erfolgreich in den Weg. Auch das deutsche Powerplay blieb stumpf.
Kurz nach Ablauf eines Überzahlspiels, nach einem weiteren unnötigen Scheibenverlust der Deutschen, schlugen dann die Letten zu. Diesmal macht es Tralmaks besser gegen Grubauer und überwand den DEB-Schlussmann zum 2:3 (49.). Und als die deutsche Bank noch überlegte, was nun zu tun wäre, traf Renars Krastenbergs zum letztlich entscheidenden 2:4 (52.). Die Vorlage kam von Oldie Daugavins.
Drei Minuten vor dem Ende nahm Kreis Grubauer aus dem Tor, mit einem Feldspieler mehr gelang Stützle auf Zuspiel von Draisaitl der Anschlusstreffer (58.), der Kapitän hatte längst die meiste Eiszeit im deutschen Team. Zwei Minuten blieben noch. Kreis riskierte alles, Grubauer blieb auf der Bank. Aber vergeblich. „Chancen hätten wir noch gehabt für das eine oder andere Tor, aber heute war nicht mehr drin“, sagte Draisaitl. „Wir haben heute einfach nicht konsequent genug gespielt.“
Ob es wenigstens einen Mutmacher gebe für das Spiel gegen die USA? „Vielleicht ganz gut, dass wir in 30 Stunden schon wieder spielen“, sagte Nico Sturm: „Dass wir nicht zwei oder drei Tage über dieses Spiel nachdenken müssen.“
1976 traute dem deutschen Eishockeyteam niemand etwas zu – außer „schlechte Leistungen und mieses Benehmen“. Doch dann geschah das „Wunder von Innsbruck“.
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