SZ 23.02.2026
13:32 Uhr

(+) Ein Monat ohne tieferen Sinn: Nieder mit dem Februar


Nasskalt, matschig und schier endlos: Warum dieser Monat gestrichen werden sollte – und warum eine Bauernregel Hoffnung macht.

(+) Ein Monat ohne tieferen Sinn: Nieder mit dem Februar

Man muss es leider gleich am Anfang sagen: Der Februar ist ein Monat, der zu nichts zu gebrauchen ist. Seine einzige Funktion besteht darin, im Kalender die Verbindung zwischen Januar und März herzustellen, um so ein gefährliches Raum-/Zeitloch zu verhindern. Im Grund genommen kann er weg, aber er sträubt sich jedes Jahr dagegen. Zwar hat der Februar meist nur 28 Tage, die aber ziehen sich gefühlt wie 45 dahin.

Wagt man einen Blick aus dem Fenster, dann sieht man meist nur grau in grau. Schwer zu sagen, wo der Acker aufhört und der Himmel anfängt. Vögel sitzen gelangweilt im Geäst, Rennräder stehen frisch geölt im Keller herum. Ob es anderswo genauso ist? Eine Stichprobe bei Freunden im Bayerischen Wald bringt die Bestätigung: „Es ist fürchterlich.“ Nassschnee allerorten. Na also.

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Ruft man dann Michael Ritter an, den Brauchtumsexperten des Landesvereins für Heimatpflege, um gemeinsam mit ihm über den Februar und den Spätwinter im Allgemeinen herzuziehen, dann bekommt man aber eine geradezu verstörende Auskunft: „Der Februar ist mitnichten ein toter Monat. Da ist sogar mehr geboten, als in den meistens anderen“, behauptet Ritter. Als Beleg führt er Mariä Lichtmess am 2. Februar an, einst ein wichtiger Termin im Bauernjahr, weil damals die Verträge mit den Dienstboten verlängert wurden.

Ja gut, möchte man einwenden, als Journalist ist man aber kein Knecht im klassischen Sinne, doch da preist Ritter bereits die Faschingszeit und ihr jähes Ende am Aschermittwoch, das wieder einen ganz anderen Ton setzt. Mag schon sein. Früher, da konnte man sich von Mariä Lichtmess über Fasching und Starkbierzeit bis Ostern rituell durchsaufen. Aber was bleibt schon übrig, wenn man ein Faschingsmuffel ist und überdies noch fastentechnisch dem Alkohol abgeschworen hat? Nichts.

Vielleicht weisen ein paar Bauernregeln den Weg aus der Februar-Depression. Michael Ritter hat sie alle archiviert: Am vergangenen Sonntag war Petri Stuhlfeier: „Wie’s Petrus und der Matthis macht, so bleibt’s auch noch durch 40 Nacht.“ Klingt schlecht. An diesem Dienstag ist der Namenstag des Matthias: „Mattheis bricht’s Eis. Hat er koans, macht er oans.“ Kann man so oder so interpretieren. Schwammig. „Wenn d’Katz im Februar in der Sonne liegt, so muaß sie im März hintern Ofen.“ Ein tendenziell brauchbarer Spruch, sofern sich die Katzen in den nächsten Tagen, die tatsächlich mal ein wenig Sonne bringen, noch zusammenreißen und in der Stube bleiben. Dann könnte der März die Erlösung vom depperten Februar bringen. Nur noch wenige Tage bis dahin.

In Lixenried in der Oberpfalz treiben sie es am Aschermittwoch ganz besonders wild. Weder die Nazis noch die katholische Kirche konnten ihnen das austreiben.

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